Immer mehr Bauern zeigen ein Herz für Bienen und legen Blühstreifen an Getreide- oder Maisfeldern an. Zweifellos gut für Insekten, aber auch fürs Gewissen, das Image und ein bisschen den Geldbeutel. Schließlich gibts ein paar Euro Förderung.

Doch was sprießt denn da? Diese seltsam gezackte Pflanze - ist das nicht Hanf? Hat sich da der Saatguthersteller einen Scherz erlaubt? Kann der Bauer die Landwirtschafts-Politik von Frau Klöckner nur noch im Drogen-Rausch ertragen?

Wir grübeln noch, als ein Auto neben der Blühwiese hält und ein Landwirt aussteigt. Er stapft auf die Bienenweide und rupft die jungen Hanfpflanzen aus. Haben wir einen oberfränkischer Drogenbaron bei der Ernte ertappt?

Nein, alles im grünen Bereich. Der Faserhanf, auf dem Gutenberg 1455 seine erste Bibel druckte, ist ganz legal in der Blühmischung enthalten - neben völlig unverdächtigen Pflanzen wie Sonnenblumen, Senf, Kornblume oder Muskatellersalbei. Denn nicht alle Hanf-Sorten stehen auf dem Index. Faserhanf ohne den berauschenden Wirkstoff THC darf man in der EU - mit Genehmigung - kultivieren. Und Bienen lieben die uralte Kulturpflanze auch.

Trotzdem sind unserem Bauern die Hanf-Pflänzchen suspekt. Nicht, dass seine Blühwiese noch Kulmbachs Grasliebhaber zum Selbstpflücken animiert. Oder die Drogenfahnder auf den Plan ruft. Deshalb wird er auch in den nächsten Tagen immer wieder die Blühweide nach dem umstrittenen Kraut absuchen. Sicher ist sicher. Die gute Tat soll ja nicht zum Fluch werden. Und sein Acker nicht zum Kulmbacher Highland.