Baian Eizeddin sitzt in der ersten Reihe. Das Mädchen ist 14 Jahre alt und hört gespannt zu, welche Worte Bettina van Plüren formt. Deutschland ist eine fremde Welt, die Buchstaben sind ganz anders, als sie sie von zu Hause kennt. Aber Baian hat den Willen, ganz schnell so viel zu lernen, dass sie die Menschen verstehen kann, dass sie schreiben kann.

Hinter ihr sitzen ihre beiden Brüder - Ahmed (16) und Muhamad (10). "Das ist sehr gut", sagt Ahmed Eizeddin über den Deutschunterricht. Er und seine Schwester sind in der achten Klasse der Stadtsteinacher Schule, der jüngere Bruder besucht die "Vierte". Alle wollen möglichst schnell die deutsche Sprache verstehen. Doch das ist für die syrischen Kinder nicht einfach. Denn sie kennen ja nicht einmal die Buchstaben. Sie müssen alles auf einmal lernen.

Neben den drei Geschwistern nimmt noch Salam Jarudi am Sprachunterricht teil. Auch die Zehnjährige kommt aus Syrien.
Sie ist erst seit August in Deutschland und hat noch Schwierigkeiten, sich selbstständig auszudrücken. Doch auch sie lernt fleißig. "Ich verständige mich mit Händen und Füßen. Das klappt schon. Der Ahmed hat heute über Handy eine Übersetzungs-App - damit funktioniert die Verständigung richtig gut", sagt Bettina van Plüren. Die Stadtsteinacherin ist eigentlich keine Lehrerin. Doch als sie vor einigen Wochen in der Zeitung gelesen hat, dass die Stadtsteinacher Schule auf ehrenamtlicher Basis Leute sucht, die den Kindern die deutsche Sprache vermitteln möchten, hat sie nicht lange gezögert.

"Auf den Aufruf haben sich sieben Interessierte gemeldet, die in der engeren Wahl kamen. Die Resonanz war immens", sagt der Leiter der Stadtsteinacher Schule, Michael Pfitzner. "Ich glaube, dass es wichtig ist, dass die Kinder Deutsch lernen", so Pfitzner. Doch mit dem Lehrerkontingent für solche Kinder ist das so eine Sache. Denn das Personal, das die Schulen zugeteilt bekommen, ist auf differenzierten Unterricht ausgerichtet und ausgeschöpft. Deshalb kam der Schulleiter auf die Idee, Sprachunterricht mit ehrenamtlichen Kräften zu versuchen. Denn das eröffnet den syrischen Kindern die Möglichkeit, dass sie auch die ganze Woche in ihrem sozialen Umfeld in Stadsteinach bleiben können. "Die Lehrer fördern die syrischen Kinder natürlich auch im Rahmen des normalen Unterrichts", sagt Pfitzner.

Bettina van Plüren hält sechs Stunden pro Woche. "Die erste Woche war wirklich schwierig. Aber jetzt merkt man schon, wie die Verständigung immer besser wird", sagt sie.

Und wie geht die ehrenamtliche Pädagogin vor? "Ich versuche, mich ein bisschen an den Unterricht anzulehnen, wie ich ihn von meinen Kindern kenne. Ich habe den syrischen Kindern erst einmal gelernt, wie man sich vorstellt und wie man sagt, wie alt man ist." Außerdem müssen ihre Schüler Verben konjugieren und anwenden. "Ich lege Wert darauf, dass sie richtige Sätze sprechen - und nicht nur Worte", sagt Bettina van Plüren.

Und wie zum Beweis für den erfolgreichen Unterricht sagt Ahmed Eizeddin fast akzentfrei: "Ich bin 16 Jahre alt."
"Mir macht das Unterrichten richtig Spaß. Denn die Kinder wollen alle deutsch lernen. Sie übernehmen auch füreinander Verantwortung und erklären einmal den anderen etwas, wenn diese nichts verstanden haben", so Bettina van Plüren, die in ihrer neuen Aufgabe voll aufgeht. Besonders angetan war sie, dass die Kinder sich zu Hause auch gegenseitig abfragen. Natürlich nimmt Bettina van Plüren mit den syrischen Kindern auch Alltagssituationen durch und hilft ihnen beim Einkaufen.

"Es macht Sinn, Ehrenamtliche in die Schule einzubinden. Denn so haben wir eine viel größere Flexibilität", sagt Rektor Pfitzner. Doch mindestens genauso wichtig wie die Vermittlung erster deutscher Wörter sind die sozialen Kontakte der syrischen Kinder. Und die haben sie. "Salam wohnt nicht direkt in Stadtsteinach, sondern in Losau, sie geht jetzt beispielsweise in Rugendorf in den Hort", sagt Pfitzner.

"Am wichtigsten ist es, dass alle mit Anderen reden. Dann lernen sie am schnellsten", sagt Bettina van Plüren und staunt über die immensen Fortschritte, die die Kinder aus Syrien schon gemacht haben.