Sind Sie zufrieden mit dem Ergebnis der Wahl vom 16. März oder hätten Sie sich mehr erwartet?
Martin Bernreuther: Ich bin sehr zufrieden und glücklich über mein Ergebnis von fast 40 Prozent der Wählerstimmen. Gerade auch deshalb, weil die Wahlbeteiligung überdurchschnittlich hoch war. Diese zeigt zudem das große Interesse der Wählerinnen und Wähler an dieser Wahl.
Dietmar Hofmann: Es ist schön zu spüren, dass so viele Wähler mit meiner Politik zufrieden sind. Wir haben es mit großem Einsatz und mit Hilfe vieler fleißiger Bürger in kurzer Zeit geschafft, Thurnau aus dem Dornröschenschlaf zu wecken und in eine lebendige und liebenswerte Marktgemeinde umzubauen, auch wenn natürlich noch viel zu tun ist.
Das gute Ergebnis des ersten Wahlgangs ist zweifellos Ansporn, diesen Kurs mit ganzer Kraft fortzuführen.

Wird sich der Ton zwischen Ihnen und Ihrem Mitbewerber ändern, muss vor der Stichwahl schärfer argumentiert werden?
Dietmar Hofmann: Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich mein Amt nicht zur persönlichen Profilierung ausübe, sondern dass es mir immer und ausschließlich um die Sache, immer um Thurnau geht. Ich lege allergrößten Wert auf die wahrheitsgetreue Darstellung von Daten und einen ehrlichen, fairen Umgang miteinander. Schärfe ersetzt keine Argumente, daher werde ich diesen sachlichen Weg auch vor der Stichwahl nicht verlassen.
Martin Bernreuther: Ich habe während der gesamten Wahlauseinandersetzung meine Mitbewerber nicht persönlich attackiert. Das will ich auch jetzt nicht ändern. Mir ist es wichtig, meine Themen immer wieder zu benennen, damit der Wähler auch die inhaltlichen Unterschiede erkennen kann. Meine wichtigsten Punkte sind: Gemeindefinanzen konsolidieren, aktive Wirtschaftsförderung betreiben, Baugebiete schaffen, Jugendarbeit in den Vereinen unterstützen, Familien fördern und die Ortsteile stärken.

Über welche Aussage(n) des Kontrahenten im Wahlkampf haben Sie sich geärgert?
Martin Bernreuther: Wer sich als Kandidat einer Wahl stellt, der muss mit Angriffen rechnen. Ich denke, dass es sich unter dem Strich nicht lohnt, sich darüber zu ärgern. Entscheidend ist, dass nach der Wahl ein Klima herrscht, welches eine konstruktive Zusammenarbeit zum Wohl der Bürgerinnen und Bürger des Marktes Thurnau ermöglicht.
Dietmar Hofmann: Als Bürgermeister muss man mit so manchem Ärger umgehen, das ist für mich kein Problem. Ein Problem habe ich allerdings dann, wenn bewusst falsche Behauptungen aufgestellt werden. So hantiert die CSU in Bezug auf die Haushaltssituation der Gemeinde mit völlig falschen Zahlen. Nur ein Beispiel von vielen: 2013 weist unser Haushalt eben nicht, wie in den CSU-Broschüren behauptet, einen Fehlbetrag von 400 000 Euro aus. Im Gegenteil: Erstmals seit langem konnten wir sogar einen Überschuss erwirtschaften und Rücklagen bilden, die finanzielle Lage entspannt sich also zusehends. Dass sich die CSU darüber nicht freut, verstehe ich nicht. Auf jeden Fall sollte man aber auch in Wahlkampfzeiten bei der Wahrheit bleiben.

Wie werden Sie die Zeit bis zum 30. März nutzen, um noch Wähler für sich zu mobilisieren?
Dietmar Hofmann: Aufwändige Hochglanzbroschüren oder teure Anzeigen können wir uns nicht leisten. Was wir können, ist, die Ärmel hochkrempeln und mit persönlichem Einsatz und im direkten Gespräch dafür werben, dass es keinen Grund für einen Wechsel an der Rathausspitze gibt. Und genau das tun wir mit großem Engagement. Unsere Aktion "Jetzt geht's um die Wurst" war ein voller Erfolg.
Martin Bernreuther: Indem ich nichts anderes mache als bisher auch: auf die Menschen zugehen, mit ihnen sprechen und meine Themen und Ansichten vermitteln. Mir war und ist der persönliche Kontakt wichtig.

Der ausgeschiedene Dritte im Bunde, Veit Pöhlmann von der FDP, hat seinen Anhängern vor der Entscheidung am Sonntag keine direkte Wahlempfehlung gegeben. Wie wollen Sie Pöhlmanns Wähler auf Ihre Seite ziehen?
Martin Bernreuther: Für mich gibt es kein "Pöhlmann-, Hofmann- oder Bernreuther"-Lager. Es muss doch darum gehen, den Bürgerinnen und Bürgern seine Ideen und Konzepte für Thurnau nahezulegen. Diese sollen dann entscheiden, was ihnen am meisten entspricht. Veit Pöhlmanns Wählerinnen und Wähler wollten ja mit ihrer Stimme auch bestimmte Ziele erreichen: Ehrlichkeit bei den Finanzen, eine abgestimmte Planung für das Ortszentrum, bessere Einbindung der Bevölkerung in Entscheidungsprozesse. Diese Themen sind bei mir in guten Händen. Wer jetzt eine politische Veränderung wünscht, den bitte ich um seine Stimme.
Dietmar Hofmann: Herr Pöhlmann hat zum dritten Mal in Folge eine Niederlage bei den Bürgermeisterwahlen zu verkraften, was für ihn sicher eine große persönliche Enttäuschung ist. Ich habe ihm bereits im Vorfeld eine gute Zusammenarbeit angeboten und hoffe, dass seine Wähler trotz der indirekten Wahlempfehlung eine kluge Entscheidung treffen und für mich und die SPD/Offene Liste statt für die CSU stimmen.

Wenn sie zum Bürgermeister gewählt werden, werden Sie ihrem Mitbewerber den Stellvertreter-Posten anbieten?
Dietmar Hofmann: In der zu Ende gehenden Amtsperiode habe ich erstmals in der Geschichte des Marktes Thurnau alle politischen Kräfte bei der Besetzung der Stellvertreter-Posten berücksichtigt. Das hat sich bewährt und sollte beibehalten werden. Das Vorschlagsrecht haben jedoch die Fraktionen.
Martin Bernreuther: Vor einer Wahlentscheidung über die anschließende Postenverteilung zu sprechen, halte ich für keinen guten Stil. Gerade dann nicht, wenn solche Entscheidungen nicht ein Einzelner, sondern das gesamte Gremium, der Marktgemeinderat, zu treffen hat. Sollte ich zum Ersten Bürgermeister gewählt werden, dann werde ich mit jedem Mitglied des Marktgemeinderates die Kooperation suchen. Dabei wird sicherlich auch die SPD/OL eine gewichtige Rolle spielen.

Sollten Sie die Wahl verlieren: Nehmen Sie trotzdem Ihr Gemeinderatsmandat wahr?
Martin Bernreuther: Ohne Zweifel: Ja.
Dietmar Hofmann: Selbstverständlich! Ich gehe aber davon aus, dass das Mandat von Günther Schölzky wahrgenommen wird, der bei meiner Wiederwahl als Nachrücker der SPD/Offenen Liste feststeht und ein echter Gewinn für die Thurnauer Gemeinderatsarbeit wäre.

Wo werden Sie am Wahlabend das Ende der Auszählung abwarten?
Dietmar Hofmann: Mit den alten und neu gewählten Gemeinderatsmitglieder, den Mitstreitern der SPD/Offenen Liste, unseren Familien und Freunden im Restaurant "Da Claudio".
Martin Bernreuther: Mit Sicherheit sehr aufgeregt und voller Spannung zusammen mit meiner Familie, Freunden und Mitstreitern in der "Schorrmühle".