Straßenbauprojekte polarisieren: Die einen begrüßen sie als Erleichterung für den Verkehr und die Verbesserung der Sicherheit, die anderen verurteilen sie als schädlich für Umwelt und Natur.

Das ist in Stadtsteinach nicht anders. Hier entsteht die Ostumfahrung, die die enge und gefährliche Bundesstraße 303 alt im Stadtkern entlastet. Ausführlich haben Befürworter und Gegner der Maßnahme das Für und Wider erörtert.

Doch nun, etwa ein Jahr vor der geplanten Verkehrsfreigabe, regt sich Kritik: Janna Heiß bemängelt die Tatsache, dass die neue Trasse vier seit altersher bestehende Wege durchschneidet und unpassierbar macht.

"Umgangen wird vieles"

Janna Heiß wohnt in Berlin, ist aber eine gebürtige Stadtsteinacherin. Da ihre Eltern nach wie vor in der ehemaligen Kreisstadt leben, hat sie noch immer einen Bezug zum örtlichen Geschehen. Und da stößt der Künstlerin und Schulassistentin einiges sauer auf. Das teilte sie der Redaktion in einem Schreiben mit.

Darin gibt sie sich klar zu erkennen als Gegnerin der Umgehung. Diesen Begriff deutet die 28-Jährige um: "Umgangen wird dabei vieles: Klima- und Artenschutz, aber auch Bürger*innenstimmen."

Bei Urlaubern beliebt

Abseits dieser Generalschelte bemängelt Heiß ganz konkrete, negative Auswirkungen des Trassenbaus. Dabei geht es der Berlinerin um Feld- und Wanderwege, die künftig nicht mehr genutzt werden können. "Davon verschwinden mit dem Bau der Umgehung gleich vier Anbindungen." Konkret bezieht sich Janna Heiß auf den sogenannten Brunnweg, den Weg vom Eichelberg über die Firma TBH in Richtung Tierklinik, den Weg oberhalb der Firma Gehring zum Trinkwasser-Hochbehälter und den Weg Richtung Vogtendorfer Grund (Geiersbergfuhr).

Letzterer hat eine hervorgehobene Bedeutung: Er liegt direkt an einem der Ausgänge des Campingplatzes, der bei vielen Urlaubern beliebt ist und von welchem aus alle der genannten Wanderwege direkt erreicht werden konnten.

"Ich frage mich: Wer plant sowas?"

Janna Heiß: "Wo in anderen Städten die Wander- und Waldwege stetig erneuert und gepflegt werden oder Unterführungen zum Erhalt der Anbindungen gebaut werden, werden sie hier - möglicherweise gefolgt von den Urlauber*innen und Gästen des Campingplatzes - auf Dauer verschwinden."

Für bedauerlich hält es die 28-Jährige, dass keine andere Lösung gefunden worden sei. Eine "Koexistenz" von Wanderwegen und Umgehung wäre möglich gewesen: "Ich frage mich: Wer plant sowas? Hat die Stadt keinen Einfluss auf Planung oder haben das unsere Räte gar nicht mitbekommen, dass hier mal Wege waren?"

Mit dieser Kritik konfrontierten wir das Staatliche Bauamt Bayreuth. Die Behörde ist mit der Vorbereitung, Planung und Realisierung der Stadtsteinacher Ortsumgehung betraut; sie hatte die Bürger zusammen mit dem Stadtrat schon mehrfach über das 22 Millionen teure Projekt informiert.

"Umfassend gewürdigt"

Seitens der Behörde nimmt Leitender Baudirektor Siegfried Beck zu den Vorwürfen Stellung. Er weist darauf hin, dass die Tatsache der unterbrochenen Wegeverbindungen im Rahmen der Planfeststellung umfassend gewürdigt worden sei. Für alle genannten Strecken liege eine Ersatzwegführung vor, die bereits geschaffen worden sei oder noch realisiert werde. Dabei seien allerdings kleinere Umwege möglich.

Beck geht auch auf den Wunsch ein, eine Unterführung zu schaffen: "Diese Forderung der Stadt Stadtsteinach - gleichermaßen vorgetragen von einer weiteren Einwenderin - nach Bau einer Gehweg-Unterführung bei Bau-Kilometer 1+100 (B 303) ist nicht berechtigt. Zwar unterbricht die neue Bundesstraße an dieser Stelle den öffentlichen Feldweg Geiersbergfuhr. Der Vorhabenträger plant jedoch, diesen auf einer Länge von etwa 300 Meter auf beiden Seiten der B 303 neu nach Süden hin fortzuführen und an beiden Seiten an die Gemeindeverbindungsstraße Vogtendorfer Weg neu anzubinden, die bei Bau-Kilometer 0+760 über die B 303 (neu) geführt wird."

Das hat zur Folge, dass Spaziergänge über die Geiersbergfuhr zur keltischen Opferstätte weiterhin möglich sind. Wanderer müssten einen Umweg von zirka 700 Meter in Kauf nehmen. Der Baudirektor wirbt um Verständnis für diese Lösung: "Dieser kurze Umweg rechtfertigt nicht die mit erheblichen Kosten verbundene Errichtung einer Gehweg-Unterführung." Auch für die drei anderen Wegstrecken gibt es Beck zufolge Lösungen.