Generationen von Stadtsteinachern haben hier ihre Hefte und Stifte für die Schule, Büro- und Bastelmaterialien gekauft. Für Steffi Friedrich war der Laden ihrer Großeltern in der Alten Pressecker Straße 13, direkt gegenüber der Schule, ein zweites Zuhause: Schon als kleines Kind war sie immer hinter dem Tresen von Schreibwaren Winterstein zu finden, als Jugendliche half sie ihrer Oma in jeder freien Minute. "Es war immer mein Traum, den Laden eines Tages zu übernehmen und ihn im alten Stil weiterzuführen", erzählt sie.

Zu jung für den großen Traum

Doch daraus wurde zunächst nichts. Kuni Winterstein, die nach dem frühen Tod ihres Mannes Willi das Geschäft alleine weiterführte, schloss den Laden zum Jahresende 2002 im Alter von 74 Jahren. Die Enkelin war da gerade 17 Jahre alt. Zu jung für eine Nachfolge. Sie wurde Arzthelferin und arbeitete einige Jahre in diesem Beruf.

Doch der Jugendtraum hat sie nie verlassen, und jetzt erfüllt ihn sich die 33-Jährige - mit tatkräftiger Unterstützung ihres Mannes Mike. Das Sortiment des Ladens wird dem früheren gleichen: Neben Schreibwaren, Bastel- und Büroartikeln gibt es auch Getränke, Süßigkeiten, Zeitungen, Zeitschriften, Dekoartikel und Tabakwaren und im Sommer auch Eis - "ganz wie früher bei meiner Oma". Dazu kommt ein DHL-Paketshop.

Ein kleines Fachgeschäft in Stadtsteinach zu eröffnen, in einer Zeit, in der gleich mehrere Geschäfte im Ort schließen, ist ein mutiger Schritt. Doch das Ehepaar Friedrich ist überzeugt, dass das Konzept Zukunft hat.

Mit besonderem Service punkten

"Wir setzen auf Service und versuchen, möglichst alle Wünsche unserer Kunden zu erfüllen. Wir bauen den Laden so auf, wie er früher war."

Steffi Friedrich wird engen Kontakt zur Grund- und Mittelschule halten und möchte auch Eltern von Schulkindern das Leben erleichtern. "Sie können zum Beispiel gerne eine Liste mit all den Dingen abgeben, die sie benötigen und später einfach die fertig gepackte Tasche abholen."

Kleine Geschäfte müssen etwas Besonderes bieten, weiß Steffi Friedrich. Sie wünscht sich, "dass der Laden wieder so geliebt wird wie früher". Deshalb werkelt die 33-Jährige mit ihrem Mann, der in Kulmbach bei der Firma Glex Dimplex arbeitet, in jeder freien Minute im Geschäft. Das Ehepaar hat bei der Renovierung viel selbst gemacht und legt Wert auf liebevolle Details. Stifte werden in hübsch gestalteten Dosen präsentiert, Süßigkeiten in einem Körbchen auf dem Tresen. Ganz wie einst.

"Wir führen eine sehr lange Familientradition fort", erzählt Steffi Friedrich. Immerhin gibt es Schreibwaren Winterstein schon seit 1950. Willi Winterstein hatte das Geschäft von seinem Vater übernommen. Der war Inhaber von Papier Meixner in Kulmbach und betrieb in der Meußdoerffer-Straße einen Großhandel für Papier und Schreibwaren. Sein Sortiment lieferte er mit seinem kleinen Lieferwagen in verschiedene Geschäfte in der Region.

Anfänge auf dem Marktplatz

Das erste Stadtsteinacher Geschäft befand sich ursprünglich am Marktplatz gegenüber dem Rathaus. 1968 kauften die Wintersteins dann das Haus in der Alten Pressecker Straße 13 und richteten in den ehemals von der AOK genutzten Räumen ihren Laden ein, darüber die Wohnung. Der Holztresen im Verkaufsraum, den die Friedrichs weiter nutzen werden, stammt noch aus den AOK-Zeiten.

Die Wiedereröffnung wird am 6. Oktober gefeiert - mit einem kleinen Fest. Da Steffi Friedrich sich seit ihrer Jugend bei der Stadtsteinacher Feuerwehr engagiert und ihr bis heute treu geblieben ist, sogar nachdem sie nach Neuses am Brand umzog, wo sie heute mit ihrem Mann und den Kindern Lucy und Lars lebt, ist die Wehr an diesem Tag mit Bewirtung und einem Kinderprogramm mit von der Partie. Der Erlös der Veranstaltung kommt der Feuerwehr zugute.

Mehrere Geschäfte in Stadtsteinach schließen

Schreibwaren Winterstein eröffnet im Oktober neu, das Schreibwaren-Geschäft "Buntspecht" am Marktplatz wird wenige Tage vorher schließen. "Das hat sich zufällig so ergeben", sagt Sigrid Friedlein. Die 51-Jährige war vor knapp 16 Jahren die Winterstein-Nachfolgerin, richtete ihren Laden am Marktplatz ein und übernahm damals einen Teil des Warenbestands. Jetzt findet der Stabwechsel umgekehrt statt: Die Friedrichs übernehmen Friedleins Rest-Ware und kehren an den Ursprungsort zurück.

Warum hört Sigrid Friedlein auf? "Das Geschäft läuft gut, aber es wird mir allein zu viel. Ich habe leider keinen geeigneten Mitarbeiter finden können, der mich künftig unterstützen könnte. Allein kann ich das auf Dauer nicht stemmen."

Es wird also weiterhin zwei Schreibwarengeschäfte in Stadtsteinach geben. Das Geschäft von Stefan Goller am Marktplatz und Schreibwaren-Winterstein. Verloren geht den Stadtsteinachern der Postbank-Service, den Sigrid Friedlein bisher angeboten hat - und am Marktplatz steht vorerst ein Laden leer.

Es ist nicht der einzige: Zum Monatsende schließen auch das Friseurgeschäft "Brigittes Hairlounge" und der Traditionsgasthof "Zum Goldenen Hirschen" der Familie Will.

"Ich freue mich, dass Schreibwaren Winterstein wieder eröffnet und bedauere sehr, dass der Marktplatz blutet", sagt Bürgermeister Roland Wolfrum (SPD). "Die Postbank wird uns fehlen, aber wir haben noch zwei Bankfilialen vor Ort, und wir haben auch mehrere Friseure. Der Marktplatz verliert, aber insgesamt halten wir unser Angebot."

Ein Konzept für die Zukunft

Trotzdem hofft Wolfrum, dass der Marktplatz nicht ausstirbt und setzt dabei auf das städtebauliche Entwicklungskonzept, das die Weichen für die Zukunft stellen soll. Die mit dem Bau der Ortsumgehung verbundene Verkehrsberuhigung der Innenstadt bringe gerade für die Gas tronomie auch Chancen mit sich. "Für neue Strukturen braucht man einen langen Atem. Wir leben nicht im Speckgürtel einer Metropole, sondern müssen uns alles erarbeiten", so der Bürgermeister. "Aber ich sehe auf jeden Fall noch Potenzial für eine positive Entwicklung."