Die Vorbereitungen für das große Prinzentreffen in Stadtsteinach liefen seit langem. "Wir haben uns schon vor über zwei Jahren beworben", verriet der Präsident der Faschingsgesellschaft Stadtsteinach, Andy Sesselmann. Und dass die Stanicher beim 44. Prinzentreffen den Zuschlag bekamen, machte allen Faschingsfreunden richtig Laune. Mit einem Team von 87 Helfern übertraf sich die Faschingsgesellschaft selbst. Von früh bis spät hofierten sie die ihre Gäste.

Schon am frühen Vormittag des Dreikönigstages trafen die Tollitäten ein. Alle hatten sich fein herausgeputzt, viele ihren Hofstaat mitgebracht.


Das erste schwule Prinzenpaar Frankens


Dirk II. und Gerald I. aus Langenstadt bei Küps reisten mit 28 Personen an. Die beiden sind das erste schwule Prinzenpaar Frankens und hatten bei ihrem Auftritt einen Heidenspaß. "Wir hätten nie gedacht, dass wir so positiv aufgenommen werden", sagte Dirk. Und Gerald verriet, dass sich die beiden zwei stolze Prinzenjacken mit samtener royal-blauer Überjacke schneidern ließen. "Wir wollten schon auch schön ausschauen. Nur beim Tanzen sind wir uns noch nicht so einig", musste Dirk beim Königswalzer lachen.

Richtig Freude und Frohsinn verbreiteten auch die Kulmbacher Barbara und Hans Beyer, die sich im letzten Moment entschlossen hatten, das Königspaar zu mimen, und all die anderen gekrönten Häupter. Prinzessin Magdalena aus Tirschenreuth beispielsweise ließ sich von ihrem Prinz Tobias durch den Saal führen. Sie hatte ein prächtig funkelndes Kleid ausgesucht - und war eine Augenweide. "Ich bin seit 15 Jahren bei der Prinzengarde", sagte Magdalena.

Beim oberfränkischen Prinzentreffen kamen Persönlichkeiten aus nah und fern. Die Prinzenpaare tauschten Orden aus, nutzten das Treffen, um sich Tipps einander zu geben und um Ideen auszutauschen.

Die Hugo-Band, das Tanzpaar Hannah Hendel und Anton Gomer sowie die Mickigarde sorgten für gute Unterhaltung.


Oberfranken-Garde kam gehandicapt


Absoluter Höhepunkt allerdings war der Auftritt der Oberfranken-Garde. Iris Leichauer hatte mit den 21 Tänzerinnen nur ein einziges Mal geübt. Dann mussten fünf der 21 Mädchen wegen Krankheit absagen. Kurzerhand stellten die verbliebenen 16 ihren Tanz noch um, doch der Stimmung tat dies keinen Abbruch.

Überglücklich zeigte sich Bürgermeister Roland Wolfrum. "Stadtsteinach ist heute zu einer royalen Stadt geworden", freute er sich. Auch Landrat Klaus Peter Söllner gab sich die Ehre. "Bei uns in Kulmbach hat doch jeder Bürgermeister und Lokalpolitiker das Zeug zum Büttenredner", konstatierte er.

Auch der Fastnachts-Verband Franken war mit einer großen Abordnung angereist. Zur Krönung tanzte Präsident Marco Anderlik mit der einzigen Gardekönigin im Saal. Die Coburgerin ist die älteste und dienstälteste Gardetänzerin. Schon mit acht Jahren hat sie angefangen. "Ich sollte damals Gymnastik für meinen Rücken machen. Warum weiß ich auch nicht - und so bin ich dann zum Tanzen gekommen", lachte die 23-Jährige. Inzwischen ist sie eine Faschingsnärrin mit Leib und Seele.

Beim 44. Oberfränkischen Prinzentreffen war sogar die Kirche mit im Boot: Pfarrer Wolfgang Eßel erteilte in der Pfarrkirche St. Michael den Prinzenpaaren seinen Segen - und wurde selbst zum Ehrenmitglied der Faschingsgesellschaft Stadtsteinach ernannt.

Überglücklich nach einem Tag voller guter Laune war auch FG-Präsident Andy Sesselmann. "Heute haben wir bewiesen, dass wir ein gutes Team sind. Denn alleine könnte ich nichts bewirken, solch eine logistische Leistung kann man nur bewerkstelligen, wenn viele Hände mithelfen und alle zusammenhalten."