Von wegen eine ruhige Kugel schieben. Kegeln ist anscheinend auch Kampfsport. Schon vor der Tür schallt einem Kampfgeschrei entgegen. "Aans geht noch, aans geht noch nei, Zaubacher senn mer, des hört ma am Geschrei." Bahn 1 hat gerade alle Neun abgeräumt. Und die Gäste des Sportkegelclubs Blau-Weiß Zaubach von "Adler" Eichenhüll sollen das auch lautstark mitbekommen. Auf der Kegelanlage unter der Stadtsteinacher Stadthalle ist was los. Die ganze Woche über. Sie ist auch sichtbar gepflegt. Nur die Elektronik aus dem Jahr 1992 ist halt schon in die Jahre gekommen.

Ganz früher wieselten Jungen am Ende der Bahn herum und räumten die umgefallenen Kegel weg beziehungsweise stellten alle neun für ein neues Spiel wieder auf. Dafür gab es dann entweder eine Knackwurst oder eine Schelln, wenn das nicht so geklappt hatte.

Heutzutage macht das ein Automat. Jeder Kegel ist mit einer Schnur mit der Aufstellautomatik verbunden, und die merkt durch die Spannung, ob ein Kegel umgefallen ist oder nicht. Alle Kegel werden hochgezogen, und die stehen gebliebenen werden wieder abgelassen. Gleichzeitig wird das Ergebnis des Wurfs auf einer Tafel über dem Ende der Bahn angezeigt: die Nummer des jeweiligen Keglers, das Ergebnis seines letzten Wurfs, die Gesamtsumme seiner bisherigen "Treffer" und die Anzahl der Würfe bisher.

Früher hatte jeder Spieler 100 Würfe, jetzt sind es 120. Dafür wurde die Stadtsteinacher Anlage 2014 in der Elektronik entsprechend umgerüstet. Um jedem Spieler die gleichen Chancen einzuräumen, wechseln die Spieler nach jeweils 30 Würfen oder Schüben die Bahn. So kann sich am Ende keiner beschweren, er hätte die schlechtere Bahn gehabt, weil die Spinne in ihrem Netz über seiner Bahn immer dann besonders laut geraschelt hat, wenn er zum Neuner-Wurf ausgeholt hatte.

Mit dem Bahnwechsel ist in der Stadtsteinacher Anlage die derzeitige Software der Elektronik an ihren Grenzen angelangt. Die gesamten Daten müssen von Bahn zu Bahn von Hand übertragen werden. Und genauso die Ergebnisse bei Spielende.

Die müssen noch einmal extra erfasst werden, damit sie, hoffentlich ohne Eingabefehler, an den Ergebnisdienst der Keglerliga in elektronischer Form weitergeleitet werden können. Die Stadtsteinacher Kegler kennen dies von moderneren Anlagen in der Region anders, wenn sie dort als Gäste spielen. Inzwischen kümmert sich dort eine moderne Software um die komplette Spiel- und Spielerregistrierung.

Die drei Stadtsteinacher Vereine, der SKC Blau-Weiß Zaubach, der KC "Schnitzgögger" und "Wacker" Römersreuth, die unter der Stadthalle quasi ihr Vereinsheim haben, hätten die stadteigene Anlage deshalb gerne auf dem allerneuesten Stand.

"Mit der Modernisierung tragen Sie sicher dazu bei, dem allgemeinen Mitgliederschwund, der vor dem Kegelsport nicht haltmacht, entgegenzuwirken, um auch künftig eine gute Auslastung der Kegelanlage zu gewährleisten," begründen die drei Vorsitzenden Wolfgang Witzgall, Marianne Ott und Bernd Weinmann ihren entsprechenden Antrag an den Stadtrat, der in der Sitzung heute Abend behandelt wird.

"Das ist wie daheim im eigenen Haus. Man muss halt ab und zu etwas investieren, bevor es kaputt geht", vergleicht CSU-Stadtrat Harald Hempfling, selbst Zaubacher Kegelsportler. "Im Zuge dieser Maßnahme sollten (soweit nicht schon geplant) alle beweglichen Teile erneuert werden, um die sich häufenden kleineren Mängel künftig zu minimieren. Wir denken, dass sich diese Investition mit den Bahngebühren der drei Clubs innerhalb von zwei bis drei Jahren amortisiert", schätzen die Antragsteller.

Neben den drei Stadtsteinacher Clubs wird die Anlage von weiteren aus der näheren Umgebung genutzt. Außerdem, ebenfalls gegen Gebühren, spielen regelmäßig noch Freizeitkegler ohne Wettkampfabsichten auf der Anlage.

Kegeln ist ein Sport ohne Altersbeschränkung. "Unser Ältester ist 78", sagt Harald Hempfling. Es gebe auch Spieler mit künstlichem Knie und Hüfte. "Wenn man es richtig macht, ist Kegeln ein gutes und umfassendes Körpertraining."