Das geförderte Wohnraum-Projekt am Pörbitscher Platz ist geplatzt - die Stadt hat den Plänen des Investors, der Erlanger Baugesellschaft GBI, eine Absage erteilt. Steht jetzt womöglich das nächste Millionenprojekt vor dem Aus? Jürgen Drösel, Bauunternehmer aus Rosenheim, will in der Pestalozzistraße einen Komplex mit 157 Wohnungen für Senioren und Studenten errichten. Er darf die alten Gebäude der Petzbräu (bis 1923) und späteren Mälzerei Müller zwar abbrechen, eines aber nicht: den roten, siebenstöckigen Backsteinturm, der als Einzeldenkmal geschützt ist.

"Ich muss nicht unbedingt bauen"

In der Sitzung am 1. Juli hat der Stadtrat seinen Antrag gegen vier Stimmen der WGK abgelehnt.

Ob der Beschluss zum Rückzug des Bauunternehmers führen wird? Es ist ein Gedanke, der bei Jürgen Drösel schon aufgekommen ist. "Ich würde gerne, muss aber nicht unbedingt bauen. Dann bleibt es halt bei der Ruine in der Innenstadt", sagt der Rosenheimer, der sich fragt, "warum die Stadt, die Wohnungen für Senioren und Studenten braucht, ein Millionen-Projekt sausen lassen will". Drösel baut Druck auf, verweist auf von ihm in Auftrag gegebene Untersuchungen, die deutlich machten, dass der Darrturm äußerst marode sei. Selbst wenn man versuche, ihn zu sanieren, bliebe von der alten Bausubstanz nicht viel übrig, sagt der Investor, der den Turm originalgetreu nachbauen will.

Ist der Turm zu retten?

Ist der alte Turm zu retten? Das von Drösel beauftragte Planungsbüro IBP stellt fest: Die Schäden sind immens. Die Standsicherheit des verbliebenen Kamins sei aufgrund von Trennrissen stark beeinträchtigt. Das Bauwerk befinde sich in einem desolaten Zustand. Die massiven Durchfeuchtungen des Gewölbes sowie der Außenwände und die stark durchwurzelten und zermürbten Außenwände aus Ziegelmauerwerk mit zahlreichen losen beziehungsweise fehlenden Steinen und herausgebrochenen Partien beeinträchtigten die Standsicherheit in hohem Maße, so die Einschätzung des Ingenieurbüros, die der Investor teilt. Er wolle seien Antrag auf Abbruch in der September-Sitzung erneut einbringen, habe OB Ingo Lehmann (SPD) vor Wochen das Angebot unterbreitet, die Stadträte vorab in den Darrturm zu führen, um diesen das Ausmaß der Schäden vor Augen zu führen, so Drösel. Von OB Lehmann habe er bis dato noch keine Rückmeldung erhalten.

Investor weist Vorwürfe zurück

Drösel hofft, dass der Stadtrat eine Kehrtwende einlegt. Zu einem finanziell vertretbaren Aufwand sei die Sanierung nicht möglich, sagt er. Er habe mit dem Kopf geschüttelt, als er bei einem Termin mit dem Oberbürgermeister und Bauamtsleiter Jens Ellinghaus die Aussage erhalten habe, dass die Sanierung gewünscht sei, selbst wenn es fünf Millionen Euro oder mehr koste. "Bei solchen Kosten würde das Projekt wohl kein Geschäftsmann in Angriff nehmen." Den in der Stadtratssitzung geäußerten Vorwurf, er habe sich um das Baudenkmal nicht gekümmert, nichts getan, um weitere Schäden zu vermeiden, weist er zurück: "Mir gehört das Areal erst seit rund zwei Jahren. Gekümmert hat sich seit Jahrzehnten keiner mehr."

Wilzok: "Müssen uns auf Experten verlassen"

Kulmbachs Bürgermeister Frank Wilzok (CSU), der den im Urlaub befindlichen Oberbürgermeister vertritt, stellt fest, dass er einer Einladung zu einem Ortstermin natürlich folgen würde. Doch auch wenn er sich ein Bild von den Schäden gemacht habe, werde er als Laie nicht beurteilen können, ob der Turm saniert werden könne oder nicht. "Da müssen wir Stadträte uns schon auf die Einschätzung der Fachbehörden verlassen."

Untere Denkmalbehörde entscheidet

Ob der Abbruch erfolgen kann, das ist letztlich eine Entscheidung, die die Untere Denkmalbehörde der Stadt Kulmbach trifft, wie Stefan Schelter von der Bauverwaltung mitteilt. Die Stellungnahmen, die der Investor bis dato eingereicht habe, seien nicht ausreichend gewesen, um einen endgültigen Beschluss zu treffen, betont er. Erst ein denkmalpflegerisches Gutachten könne Aufschluss darüber geben, wie groß der Schaden ist, wie teuer eine Sanierung käme. Läge ein solches vor, "könnten wir die Sache neu bewerten".

Eine klare Position

Eine klare Position vertritt das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege, das auf Anfrage erklärt, dass der Abbruch eines Denkmals nur bei triftigen Gründen erfolgen könnte (siehe Seite X). "Das ortsbildprägende Einzeldenkmal ist - nach jetzigem Kenntnisstand - aus denkmalfachlichen Gesichtspunkten und substanzbewahrend zu sanieren", heißt es aus München.

"Für Kulmbach wichtig"

Bürgermeister Frank Wilzok hofft, dass es zu einer Lösung kommt, Jürgen Drösel bei allen Diskussionen um den Turm am Bauvorhaben festhält: "Das Vorhaben ist für Kulmbach sehr wichtig, denn wir brauchen den Wohnraum für Studenten und Senioren sehr dringend."