Noch ist nicht klar, welcher Kulmbacher Verein - SSV Kasendorf II oder TSV Thurnau - künftig in der Fußball-Kreisklasse 2 Bamberg spielen soll. Aber die Vorwürfe, die gegen ihn auf infranken.de und in der Bayerischen Rundschau geäußert worden sind , veranlassen Kreisspielleiter Manfred Neumeister, seine Sicht der Dinge darzustellen. Was ihn ("unter der Gürtellinie") vor allem stört - dass die Kommentare unter Pseudo nym abgegeben worden sind: "Es bedarf eines Schutzes gegenüber Anonymität, und vielleicht ist ein solcher Aufruf auch ein Weckruf an die mediale Welt. Wer etwas sagen möchte, soll es tun, bitte aber mit Fairness und seinem Namen."

Es in dem großen Spielkreis Bamberg/Bayreuth/Kulmbach, den es seit 2006 gibt und der vom Steigerwald bis nach Presseck in den Frankenwald und bis hin ins hohe Fichtelgebirge nach Warmensteinach reicht, jedem recht zu machen, sei schier
unmöglich, sagt Neumeister. Nach dem letzten Relegationsspiel am 19. Juni hätten Gerd Rieß und er - von der Kreisliga bis zur B-Klasse - 23 Spielklassen mit 334 Mannschaften eingeteilt. Am 25. Juni seien über das Postfachsystem des BFV alle Vereine - auch der SSV Kasendorf - über die Einteilung informiert worden. "Der SSV Kasendorf hatte also die Gelegenheit, sich mit uns in Verbindung zu setzen. Die Weitergabe an die Presse erfolgte erst zwei Tage später."

Die Beschwerde des SSV Kasendorf, so Neumeister weiter, ist vom Bezirksspielausschuss aufgrund der anzuwendenden geographischen, verkehrs- und spieltechnischen Gegebenheiten zurückgewiesen worden. Die Berechnung der Kasendorfer, dass der TSV Donndorf in die Bamberger Kreisklasse zu verschieben wäre, habe sich als falsch herausgestellt. "Der Routenplaner wurde von uns widerlegt." In dieser Berechnung habe der SSV ferner selbst dargelegt, dass der TSV Thurnau mit 580,1 Kilometern gegenüber Kasendorf mit 577,2 Kilometer mehr zu fahren hätte.

Einstimmig für 16er-Liga

Spieltechnisch habe Kasendorf eine 17er-Liga für Kulmbach und eine 15er-Liga für Bamberg angeregt. Den Vorschlag habe die Kreisspielleitung abgelehnt, da man an einen einstimmigen Beschluss der Kreisklassenvereine für 16er-Ligen - also Kasendorf eingeschlossen - vom Juni 2012 gebunden ist. Die Kasendorfer Kritikpunkte 4 bis 6, Wirtschaftlichkeit, Mehr kilometer und Ablehnung seitens der Bamberger Vereine - hätten nach der Spielordnung nicht berücksichtigt werden können.

Kasendorf habe am 11. Juli mit einer zweiten Beschwerde an den Verbandsspielausschuss die Ablehnung nicht akzeptiert. Dass der Fall wieder an den Bezirksspielausschuss zurückverwiesen wurde, lag Neumeister zufolge an einem formellen Fehler der Kasendorfer sowie daran, dass dem Verbandsspielausschuss daran gelegen war, vielleicht doch noch eine gütliche Einigung zu erzielen. Im Urlaub habe er sich bemüht, über die Spielpläne einen Lösungsweg zu finden.

In der Versammlung der Kreisklassenvereine am Dienstag in Trebgast habe er, Neumeister, noch einmal aufgezeigt, welche Möglichkeiten es gibt. "Erstens, es geht aus der Kulmbacher Kreisklasse ein Verein freiwillig nach Bamberg, oder die Vereine befürworten eine 17er-Liga." Kasendorf habe in seiner zweiten Beschwerde selbst erkannt, dass Donndorf tatsächlich weiter zu fahren hat, und habe der Kreisspielleitung Verfahrensfehler vorgeworfen, weil keine Berechnung für Thurnau erfolgte, "das nun plötzlich kürzer zu fahren hätte". Neumeister: "Entscheidend für die Geographie war aus meiner Sicht, dass Kasendorf eindeutig an der äußersten Grenze liegt und der TSV Thurnau oder der SSV Peesten, die ebenfalls bei uns in der Prüfung waren, auszuschließen sind. Begründung: Beide Vereine müssten mindestens viermal über Kasendorf fahren, um den kürzesten Weg zum Spielort nach Bamberg zu nehmen."

Zunehmend Verschiebungen erforderlich

Spieltechnische Veränderungen - also die 17er-Liga - seien von den Vereinen nicht gewünscht worden. "Das sollte man akzeptieren. Wir haben aufgrund klarer Regeln und in Fairness mit Kasendorf wirklich alles versucht", betont der Kreisspielleiter. Auch die Frage, ob man im Vorfeld hätte sprechen sollen, sei im Nachgang müßig. Dadurch hätte sich an der Faktenlage nichts geändert. "Bayreuth/Kulmbach und Bamberg sind nun mal ein Kreis, und folglich sind zunehmend Verschiebungen erforderlich. In den Jahren zuvor waren es Stechendorf und Hollfeld II, in diesem Jahr Plankenfels und Kasendorf II."

Schützenhilfe aus Kirchleus

Schützenhilfe bekommt der Hollfelder Kreisspielleiter aus Kirchleus. "Der FC Kirchleus unterstützt die Einteilung der Kreispielleitung und begrüßt die 16er-Liga, ob mit Kasendorf oder Thurnau", erklärt Vorsitzender Andi Herold, der an der Besprechung in Trebgast teilgenommen hat. Es werde im Spielkreis immer wieder zu solchen Entscheidungen kommen. "Wir finden nur den Einspruch von Kasendorf und die Tatsache, dass dadurch andere Vereine mit reingezogen werden, egoistisch." Wenn jeder Klub so handeln würde, gäbe es vor jeder Saison ständig Dikusionen, was sinnvoll ist und was nicht. Zum Beispiel habe vor einem Jahr die SG Rugendorf/Losau, die in der A-Klasse bis Kirchenpingarten fahren musste, im Interesse des Spielbetriebs auf einen Einspruch verzichtet. "Und ich bin mir sicher, es gibt noch zahllose solche Beispiele", glaubt Herold: "Als Verein an der Schnittstelle muss ich mit solchen Einteilungen leben. Die Argumentation der Kasendorfer mit erheblichen finanziellen Einbußen ist reine Spekula tion."