Marco Wölfl wähnt sich im falschen Film. Nein, im Kino sitzt er nicht, denn der Torwart des Eishockey-Zweitligisten Bayreuth Tigers ist bis Samstag zu häuslicher Quarantäne verdonnert. Und das nun schon zum zweiten Mal seit er vor eineinhalb Monaten nach Bayreuth gezogen ist. "Ich bin total genervt, jetzt nicht auf dem Eis stehen zu dürfen", sagt Wölfl, der sich die Zeit mit Lesen oder Computerspielen vertreibt, aber auch regen Austausch mit der Außenwelt ("Ich habe Eishockey-Freunde in ganz Deutschland") pflegt. Nicht zuletzt mit seiner Freundin, die in Freiburg wohnt und arbeitet.

Gerade mal zwei Saisonspiele in der DEL 2 haben die Tigers absolvieren können, als zum zweiten Mal in diesem Herbst einer ihrer Spieler positiv auf Covid-19 getestet wurde. Dass das Gesundheitsamt Bayreuth deshalb erneut das ganze Team - diesmal immerhin nur für zehn statt 14 Tage - in Quarantäne schickte, ist für Marco Wölfl "völlig unverständlich". Den Torwart ärgert vor allem, dass bei Eishockey- oder Basketball-Teams (auch Medi Bayreuth musste schon in Quarantäne) "Sippenhaft" verhängt wird, während bei positiven Corona-Fällen unter den Fußball-Bundesligisten nur die Betroffenen separiert werden. "Es ist eine Frechheit, dass der Profi-Fußball Sonderrechte gegenüber den sogenannten Randsportarten erhält. Jeder Mensch ist doch gleich, ob er jetzt einen Euro oder eine Million Euro verdient. Auch Corona macht doch da keinen Unterschied", schimpft Wölfl.

Vier Spiele abgesagt

Die Hiobsbotschaft ereilte das Tigers-Team am vergangenen Donnerstag. Spieler mitsamt den Trainern wurden in häusliche Isolation geschickt - und das, obwohl sie fünf Tage lang keinen Kontakt mehr zu ihrem positiv getesteten Mitspieler hatten. Der war nämlich gleich nach dem Auftreten von coronatypischen Symptomen vorsichtshalber zuhause geblieben.

Vier Spiele der Bayreuth Tigers in der DEL 2 müssen nun verlegt werden. Die am vergangenen Wochenende ausgefallen Partien beim EC Bad Nauheim und gegen die Tölzer Löwen wurden für den Dienstag, 24. November bzw. Dienstag, 1. Dezember, neu angesetzt. Noch nicht wieder terminiert sind die für Freitag und Sonntag geplanten Spiele in Heilbronn und gegen den EHC Freiburg.

Marco Wölfl hält sich in seiner etwa 60 Quadratmeter großen Bayreuther Stadtwohnung so gut wie es geht fit. "Unser Trainer Petri Kujala hat jedem Trainingspläne geschickt. Ich fahre auf der Rolle Rad, trainiere auf dem Springball und mache als Torwart natürlich viel Gymnastik", sagt Wölfl, der erst im Sommer vom Ligakonkurrenten EV Ravensburg in die Wagnerstadt gewechselt war.

Wenn dann am Samstag die Quarantäne für die Bayreuther endet, bleiben ihnen bis zum Nachholspiel in Bad Nauheim gerade mal zwei Trainingstage auf dem Eis. Für Marco Wölfl nicht nur ein Riesennachteil, sondern auch eine echte Gefahr für die Gesundheit: "Wir mussten zehn Tage in der Wohnung hocken und treffen auf Spieler, die voll im Spiel-Rhythmus sind. Das ist total gefährlich, denn die Bewegungsabläufe auf dem Eis kannst du nicht in der Wohnung simulieren."

Dem Corona-Patienten aus dem Tigers-Kader gehe es inzwischen wieder gut, so Wölfl, nachdem er unter grippetypischen Krankheitserscheinungen gelitten habe. Alle anderen Mitspieler seien gesund - doch wie gehen sie mit der Quarantäne-Situation um? Marco Wölfl sagt: "Wir haben Studenten, die die Zeit zum Lernen nutzen. Aber wir haben auch Spieler aus Tschechien, denen ihre Familie sehr fehlt." Um die Versorgung der Spieler kümmert sich übrigens der Verein. "Wir schreiben, was wir brauchen und können auch Essen bestellen", sagt Wölfl, der aber auch selbst kochen kann.

Bei allem Corona-Frust - Zukunftsängste lässt der neue Bayreuther Torwart deswegen aber nicht zu. "Ich bin ein positiver Mensch. Es bringt mich nicht weiter, jeden Tag daran zu denken, dass dem Verein vielleicht das Geld ausgeht. Ich hoffe, dass die Bayreuth Tigers mit den Staatshilfen über die Runden kommen und wir im neuen Jahr wieder vor Zuschauern spielen", sagt der gebürtige Schongauer.

Neben den Bayreuth Tigers hat es inzwischen auch den ESV Kaufbeuren erwischt. Bei den Allgäuern waren gestern gleich zehn Akteure infiziert. Corona werde die Eishockey-Saison "total beeinträchtigen", befürchtet Marco Wölfl, der aus der Nähe von Landsberg am Lech stammt und als Jugedlicher mit dem EC Bad Tölz in den höchsten deutschen Nachwuchsligen spielte. Für die Schwenninger Wildwings durfte der Oberbayer sogar 20 DEL-Spiele bestreiten. Dass er noch einmal ins deutsche Eishockey-Oberhaus zurück möchte, daraus macht der gelernte Installateur kein Geheimnis.

Millionen wird natürlich selbst als Erstliga-Torhüter nie verdienen, da hätte er Fußballer wie David Alaba werden müssen. Dass sich der österreichische Nationalspieler mitten in der Corona-Krise mit dem FC Bayern bei einem geschätzten Gehalt zwischen zehn und 20 Millionen Euro um ein paar Millionen streitet, dazu hat Marco Wölfl eine klare Meinung: "Das passt hinten und vorne nicht."

Kommentar von Christian Schuberth: Keine Extrawurst

Die Akzeptanz in der Bevölkerung für die neuerlichen Corona-Beschränkungen schwindet. Das hat die Bundesregierung erkannt und nun sogar Werbespots drehen lassen. Die Botschaft der Filmchen: Leute, bleibt daheim und haltet durch.

Das machen viele auch brav, und freuen sich, dass ihnen die Spiele der Profiligen im Handball, Basketball, Eishockey oder Fußball die Langeweile auf der Couch vertreiben. Brot und Spiele, das wussten schon die Römer, halten eben das Volk bei Laune.

Doch vor den Corona-Gesetzen sind offenbar nicht alle im Volk gleich. Dass die Profi-Fußballer Sonderrechte genießen, bringt die ebenfalls von ihrem Sport lebenden Kollegen auf die Palme. Warum müssen sie als komplette Mannschaft in häusliche Isolation einrücken, während bei den Fußball-Bundesligisten nur die infizierten Kicker herausgepickt werden?

Solange es solche Extrawürste gibt, sind krampfhaft witzige Werbespots ziemlich lächerlich.