Madeira (Portugal) ist eine 740 Quadratkilometer große gebirgige Vulkaninsel mit tiefen Schluchten, Steilküsten, Felsbuchten und Bergplateaus. Manche Küstenabschnitte und Bergschluchten sind so unzugänglich, dass sie nur auf abenteuerlichen Pfaden zu Fuß erreicht werden können. Ein idealer Spielplatz also für Trailläufer. Das Ludwigschorgaster Ehepaar Michael und Silvia Kraus war bei der ersten Auflage des Etappenlaufes "L´Etoile de Madere" (Der Stern von Madeira) dabei und hat auf teils wildromantischen Pfaden eine spektakuläre Landschaft kennengelernt. Hier Auszüge aus Michael Kraus' Lauftagebuch:

Das Laufabenteuer im "schwimmenden Garten Europas" ist etwas für Hartgesottene. 23 Läufer und 15 Walker sind am Start. Silvia und ich sind die einzigen Deutschen, alle anderen Teilnehmer kommen aus Frankreich. Silvia ist als Walkerin unterwegs, ich laufe. Auf der ersten Etappe müssen die Läufer 23,4 Kilometer zurücklegen, die Walker die Hälfte. Die Wendepunkstrecke hoch über dem Tal von Machico mit prachtvollen Aussichten ist eine gute Einstimmung auf die nächsten Etappen.

Doch nach etwa 17 Kilometern passiert es. Ein kurzer Augenblick der Unachtsamkeit, und schon liege ich da. Mit Abschürfungen an Armen und Beinen und einer schmerzhaften Beckenprellung komme ich nochmal glimpflich davon. Im Ziel, das ich in 1:59.02 Stunden als Vierter erreiche, treffe ich weitere Gestürzte.


Acht Kilometer mehr

Die zweite Etappe führt durch den westlichen Teil der Insel mit berauschenden Tiefblicken zum Atlantik. 24,5 Kilometer sollen für die Läufer auf dem Plan stehen, für die Walker zwölf. Doch als meine GPS-Uhr schon 27 Kilometer anzeigt, ist vom Ziel weit und breit nichts zu sehen. Der Franzose Guy und sind jetzt irgendwo in einer wilden Schlucht unterwegs. Nach Kilometerpunkt 30 passieren wir ein Bergdorf, und nach 32,7 Kilometern endlich das Ziel! 2:59 Stunden werden für uns gestoppt, das bedeutet den gemeinsamen 2. Platz.
Silvia legt eine 20-Kilometer-Distanz zurück. Für die Walker wird bei allen Etappen keine Zeitnahme durchgeführt. Schon heute stoßen viele Teilnehmer an ihre Belastungsgrenze. Gut acht Kilometer mehr als geplant in schwierigem Gelände müssen erst einmal körperlich und mental verdaut werden.

Auf der dritten Etappe geht es über 15,6 Kilometer auf alten Pfaden vom sonnigen Süden zur rauen Nordküste. Absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind auf dem Küstenweg nach Porta da Cruz gefragt. Während tief unten die Wellen des Atlantiks unermüdlich gegen die Felswand donnern, ist es ein Genuss, auf engen kurvigen Pfaden hoch oben durch den herrlichen Eukalyptus-Kiefern-Akazien-Wald zu laufen. Nach 1:40 Stunden und 1015 Höhenmetern erreiche ich als Fünfter das Tagesziel.


Unzählige Wasserfälle

Über schwindelerregende Levadawegen im grünen Kessel von Madeira verlaufen die 15,3 Kilometer der vierten Etappe. Ursprüngliche, feuchte Lorbeerwälder mit dichtem Flechten-, Moos- und Farnbewuchs und unzählige Wasserfälle bilden eine faszinierende Landschaft.
Die glitschigen und holprigen Pfade fordern erhöhte Konzentration. Einen Ausrutscher musste der Franzose Gérard mit einer stark blutenden Kopfplatzwunde bezahlen. Nach 1:28 Stunden wird für mich wieder als Vierter die Zeit gestoppt.

Mit großem Respekt gehe ich an die letzte Etappe über 16,4 Kilometer heran, wo uns ein knallhartes Höhenprofil herausfordert: 815 Höhenmeter im Anstieg und 1810 im Abstieg sind nichts für schwache Muskeln und Nerven. Jeder Teilnehmer muss eine Taschenlampe mitführen, weil einige Tunnels passiert werden.

Vom Pico do Arieiro (1818 Meter) zum höchsten Punkt, der Pico Ruivo (1862) führt der Parcours durch Tunnels, über Stufen und unzählige Kehren durch eine bizarre Gebirgswelt. Doch bevor der höchste Punkt erreicht wird, geht es 350 Höhenmeter senkrecht hinunter. Teilweise kletternd und an Drahtseilen hangelnd, kommen wir dem Gipfel näher. Auf einem luftigen Grat überschreiten wir Madeiras Zentralgebirge. Oft war der Pfad zwischen Felswand und Abgrund schmaler als ein Meter und lässt das Rennen mitunter zu einem waghalsigen Unternehmen werden.


Von 25 auf fünf Grad

Wurden beim Start noch warme 25 Grad gemessen, ist die Temperatur inzwischen auf gefühlte fünf Grad Celsius abgesunken. Feuchter Nebel, schlechte Sicht und ein heftiger kalter Wind setzen den Trailläufern zu. Die letzten zwei Kilometer führen vom Encumeadapass steil hinunter zum Ziel, das ich als Fünfter nach 2:56 Stunden erreiche.

Dieses Laufabenteuer hat seinen besonderen Charakter. Entweder es geht hoch oder runter, und das brutalst. Selbst für versierte Trailläufer sind einige Passagen schwindelerregend.

Die Atmosphäre unter den Sportlern war sehr angenehm. Oft saß man abends gut gelaunt beisammen. Insgesamt wurden 103,4 Kilometer und 5845 Höhenmeter bewältigt. Gesamtsieger wurde der Franzose Pierre Schillinger in 10:08.39 Stunden. Ich belegte den respektablen 3. Platz mit der Zeit von 11:03.24 Stunden.

Wer exotische Landschaftsläufe liebt, Geschick für unwegsame Wegen hat und eine große Portion Ausdauer besitzt, wird beim L´Etoile de Madere viel Spaß haben. Weitere Informationen zum Lauf gibt es unter www.laufend-erleben.de.