Kulturschätze wechseln sich mit eindrucksvollen Landschaften ab. Pagoden, Mönche, Buddhas - eine Reise nach Myanmar ist gleichbedeutend mit dem Eintauchen in eine fremde Welt.

Die Ludwigschorgaster Michael und Silvia Kraus haben sich auf dem Weg nach Südostasien gemacht - aber nicht nur als Touristen. Das Ehepaar nutzte ihren 19-tägigen Aufenthalt in Myanmar auch zu einem Abenteuerlauf. Bei Temperaturen nahe an der Marke von 40 Grad Celsius legte Michael in acht Tagesetappen knapp 190 Kilometer im Lauftempo zurück. Für Walkerin Silvia standen etwa 135 Kilometer auf dem Programm.

In Auszügen aus seinem Lauftagebuch berichtet Michael Kraus aus dem "Land der Pagoden" und seinem mittlerweile 26. Extremlauf:

"Nach einer 16-stündigen Flugodyssee setzt der Flieger auf der Landebahn in Yangon (Rangun) auf. Nachdem wir die klimatisierte Flughafenhalle verlassen haben, schlägt uns schon die erste Hitzewelle entgegen. Nur einen Tag halten wir uns in der Fünf-Millionen-Metropole auf, wobei die Besichtigung der Shwedagon-Pagode - das Wahrzeichen Myanmars - ein Muss ist.

Dann geht es mit dem Flieger weiter nach Mandalay. Hier liegt das historische Herz längst versunkener Königreiche. Wir erleben das urbane Leben hautnah und besichtigen touristische Höhepunkte wie den Königspalast, die 1,2 Kilometer lange U-Bein-Brücke aus Teakholz oder den sagenumwobenen heiligen Berg Mandalay Hill.


26 Sportler am Start

Grandios präsentiert sich die weiße Pagode im nahe gelegenen Mingun. Hier spielt sich auch das sportliche Geschehen der ersten drei Etappen ab. 15 Läufer, ein Mountainbiker und zehn Nordic Walker sind am Start. Wir sind die einzigen Deutschen, die restlichen Sportler kommen aus Frankreich.

Die Etappen verlaufen meist über sandige und steinige Wege mit einigen Bodenwellen. Die Sonne knallt ohne Erbarmen herunter. Nur in den Dörfern finden wir etwas Schutz im Schatten der Bäume. Dort gibt es auch Verpflegungspunkte.

Viele Einheimische scharen sich neugierig um die Touristen. Besucher aus fremden Ländern sind hier nicht alltäglich. Wir werden in unserem sportlichen Outfit von den Dorfbewohnern genau gemustert. Sie zeigen sich freundlich und offen.


Extreme Belastungen

Hitze, Jetlag - die Belastungen für den Körper sind extrem. Zu allem Überfluss habe ich mich bei zwei Etappen verlaufen. Beim dritten Abschnitt etwa 400 Meter vor dem Ziel. Ich komme mir vor wie in einem Labyrinth, das zum Etappenziel durch diesen kleinen Ort führt. Irgendwann verliere ich die Streckenmarkierungen aus den Augen und stehe im Nirgendwo.

Gut 70 Kilometer liegen hinter mir, ich bin Dritter der Gesamtwertung, weiß aber gerade nicht, wie ich den kompletten Abenteuerlauf schaffen soll. Vor allem die vorletzte Etappe, mit einem 30-Kilometer-Parcours in den Bergen mit gut 1100 Höhenmetern.

Zwei Tage Laufpause tun unseren strapazierten Sehnen und Muskeln gut. Einen Tag brauchen wir für den Transfer mit dem Schiff nach Bagan, am zweiten steht die Besichtigung von Kunsthandwerksbetrieben und Sakralbauten auf dem Programm. Das 40 Quadratkilometer große Tempelareal mit seinen 3400 Pagoden zählt zu den architektonischen Meisterleistungen Asiens. Außerdem werden wir Zeugen eines einmaligen Naturschauspiels: Durch die glutrot untergehende Sonne wird die Pagodenlandschaft in ein einzigartiges Licht getaucht. Mit Worten ist das nicht zu beschreiben ist.

Die Etappen 4 bis 6 sind von einer savannenähnlichen Landschaft geprägt. Dabei werden 64 Kilometer zurückgelegt. Aber Vorsicht vor den Ochsengespannen. Die Tiere sind uns Läufer nicht gewohnt und daher oft schwer im Zaum zu halten.


Barfuß durch das heilige Areal

Unmittelbar nach dem Start der fünften Etappe müssen wir einen satten Anstieg bewältigen (100 Höhenmeter auf 500 Metern). Auf dem Berg angekommen führt die Strecke 20 Meter durch ein heiliges Areal. Das bedeutet: Schuhe und Socken ausziehen, es geht barfuß weiter.

Inzwischen habe ich mich an die hohen Temperaturen gewöhnt. Es läuft richtig gut. Die vierte Etappe habe ich gewonnen, auf den Abschnitten 5 und 6 bin ich zusammen mit dem späteren Sieger André Siman ins Ziel gelaufen.

Nun geht es zum Inle-See. Eine total andere Gegend. Es ist merklich kühler - also um die 30 Grad Celsius. Die beiden letzten Etappen sind Bergläufe, mit jeweils 600 Höhenmetern im Anstieg. Insgesamt sind rund 54 Kilometer in den Tälern und auf den Höhen der 2000 Meter hohen Shan-Berge zu meistern. Ich freue mich riesig über meine Etappensiege. Im Endklassement hole ich mit einer Gesamtlaufzeit von 17:43.26 Stunden Rang 2 hinter André Siman (17:19.57).

Meine Frau Silvia hat ebenfalls erfolgreich alle zwischen 14 und 22 Kilometer langen Etappen im Walking-Tempo zurückgelegt, eine Zeitnahme gab es für sie nicht."

Weitere Informationen zum Myanmar-Abenteuer gibt es hier