"Er war der absolute Gott, der bislang beste Fußballer der Welt", sagt Armin Eck über Diego Armando Maradona. Der Kulmbacher hatte selbst die "große Ehre", wie er sagt, zwei Mal gegen den am Mittwoch verstorbenen Argentinier zu spielen. Es waren "die größten Spiele" in der Karriere des 55-Jährigen, der heute den Sechstligisten SV Friesen trainiert.

Es ist April 1989, der FC Bayern München muss im Hinspiel bei den Neapolitanern ran. Armin Eck pendelt auch in seiner zweiten Bundesliga-Saison, an deren Ende die Bayern ihren zehnten Titel holen, zwischen Startelf und Ersatzbank. Für das Hinspiel im Stadio San Paolo, das der SSC nun in Maradona-Stadion umtaufen will, hat ihn Trainer Jupp Heynckes nicht für die erste Elf nominiert. Stars der Mannschaft sind damals die Nationalspieler Klaus Augenthaler, Stefan Reuter und Olaf Thon.

Eine Stadt im Maradona-Fieber

Eck merkt schon bei der Anreise vor den Toren Neapels, dass die ganze Stadt vom Maradona-Fieber befallen ist. Der kleine Argentinier, der sein Land 1986 durch ein 3:2 im Endspiel gegen Deutschland zum zweiten WM-Titel geführt hatte, wird am Fuße des Vesuvs wie ein Gott verehrt. "Wir steckten irgendwann mit dem Bayern-Bus auf einer achtspurigen Stadtautobahn fest, weil die Leute ihre Autos einfach auf der Straße abgestellt hatten und zum Stadion gelaufen sind." Rund 80 000 Tifosi wollten das Spiel sehen - aber eigentlich nur Maradona. "Es war unfassbar - aus allen Häusern hingen Fahnen oder Handtücher mit seinem Konterfei", erinnert sich Eck. Die Polizei bahnte schließlich dem Bayern-Bus einen Weg zum Stadion.

Neapel, mit einer Million Einwohner Hauptstadt der Provinz Kampanien, gehört damals wie heute zu den ärmsten Städten Italiens. 1986 kommt Diego Armando Maradona als frisch gebackener Weltmeister vom FC Barcelona nach Neapel - und versetzt die Tifosi der Stadt in Ekstase. Fußball lässt ihre Sorgen für eine Zeit vergessen, weiß Armin Eck: "Die Familie hat kaum was zu essen gehabt, aber der Vater ist ins Stadion gegangen."

Armin Eck, der in der Jugend des TSV 08 Kulmbach groß wurde und sich beim Zweitligisten SpVgg Bayreuth für den FC Bayern empfahl, kommt mit der Mannschaft eine Viertelstunde vor Spielbeginn aus den Katakomben des San-Paolo-Stadions. "Wir haben uns unter einem gellenden Pfeifkonzert aufgewärmt - aber der SSC Neapel war nicht da." Die Gastgeber absolvierten ihr ganz eigenes Programm, das Eck so noch nie erlebt hat: "Unterhalb der Tribüne war Sand aufgeschüttet, da haben sie in Socken Dehnübungen gemacht und mit dem Ball jongliert. Maradona hatte seinen eigenen Ball und hat ihn immer wieder auf einen Basketballkorb geschossen. Heutzutage einfach unglaublich."

Bayern verliert 0:2

Doch der Erfolg gibt den Neapolitanern recht. Denn am Ende legen sie mit einem 2:0-Sieg den Grundstock für den Einzug ins Finale. Armin Eck darf erst in der 77. Minute für Johnny Ekström rein und so immerhin noch vier Minuten zusammen mit Maradona auf dem Platz stehen. Der Ballvirtuose wird in der 81. Minute von der nervigen, hautengen Bewachung des heutigen Bayern-Trainers Hansi Flick erlöst. "Hansi hatte die Aufgabe, Maradona überallhin zu folgen", erinnert sich Eck.

Für Armin Eck bleibt die"brutale Hektik und der ohrenbetäubende Lärm" in Erinnerung. "Es war unglaublich, welches Spektakel die Fans gemacht haben. Die Tifosi sind auf der Tribüne gesprungen, da hat das ganze Stadion gebebt. Alle haben Diego, Diego gerufen. Emotional war das das größte, was ich in meiner Karriere erlebt habe", schwärmt der Kulmbacher.

Im Rückspiel zwei Wochen später im - natürlich ebenfalls proppenvollen - Olympiastadion darf Armin Eck von Anfang an ran. Armin Eck spielt im rechten Mittelfeld der Bayern, trifft ab und zu auch auf Maradona. "Er war permanent unterwegs, hat sich immer wieder zurückfallen lassen, um Flicks Bewachung zu entgehen." Auch im Olympiastadion zieht der Weltstar seine eigene Aufwärm-Show ab. "Er hat am Elfmeterpunkt jongliert und immer wieder versucht, die Latte zu treffen", erinnert sich Eck.

Auch wenn Maradona wie im Hinspiel nicht sonderlich auffällt (Eck: "Er hatte in beiden Spielen Probleme mit der extremen Manndeckung von Hansi Flick"), reicht es für die Bayern nur zu einem 2:2. Neapel zieht ins Finale ein, das im eigenen Stadion stattfindet. Und gegen den VfB Stuttgart mit Guido Buchwald feiern Maradona & Co. einen 2:1-Sieg und holen den UEFA-Pokal. 1987 und 1990 führt Maradona den SSC zur italienischen Meisterschaft - es sollten die bisher einzigen Meistertitel für den Verein bleiben.

"Neapel hatte damals mit Maradona und den brasilianischen Nationalstürmern Careca und Alemao eine richtig gute Mannschaft", sagt Armin Eck. Das Trikot von Careca hängt heute in Ecks Trophäenschrank, das von Maradona hat sich Stefan Reuter geschnappt, der zweite Franke im Bayern-Dress.

So ein Personenkult wie um Maradona sei bis heute unerreicht, meint Eck: "Er hat damals schon Millionen verdient, doch die Tifosi haben ihm keinen Cent geneidet." Doch leider habe sich der Argentinier nach seiner Karriere "mit den falschen Leuten umgeben", sagt Eck. "Er war zu gutmütig und naiv, hat viele an seinem Reichtum und seiner Bekanntheit teilhaben lassen." Das Leben seines einstigen Gegenspielers hat natürlich auch Armin Eck immer verfolgt. "Es war ein ständiges Auf und Ab, aber sein Tod kam jetzt natürlich überraschend."

Armin Eck hat kürzlich von Marco van Basten gehört, dass er alle seine Erfolge im Profi-Fußball wegschmeißen würde, um heute schmerzfrei gehen zu können. "Ich habe auch Knieschmerzen, die von der Abnutzung aus meiner Profi-Zeit rühren. Aber die paar körperlichen Wehwehchen nehme ich in Kauf. Die Europapokal-Spiele gegen Real Madrid, Inter Mailand oder Neapel möchte ich nicht missen" - und natürlich auch nicht die hautnahen Begegnungen mit dem bislang begnadetsten Fußballer.