Das nennt man Traum-Einstand: Erstes Zweitliga-Spiel für Dominik Meisel - und gleich der langersehnte erste Saison-Sieg für seine Würzburger Kickers. "Es hat Riesenspaß gemacht!", sagt der Kulmbacher.

An allen acht Spieltagen der jungen Saison schmorte der 21-Jährige 90 Minuten plus Nachspielzeit auf der Bank. Doch Dominik Meisel klagte seinem Naturell entsprechend nicht. "Ich habe mich jedes Mal so vorbereitet, als würde ich eingesetzt werden und mich unter der Woche immer wieder angeboten." Die Geduld zahlte sich aus. Bernhard Trares, der schon dritte Kickers-Trainer in dieser Saison, gab dem Kulmbacher eine Chance. Meisel durfte beim Trares-Debüt am Sonntag gegen Hannover 96 im rechten offensiven Mittelfeld ebenfalls debütieren - und das gleich von Anfang an. "Ich habe erst am Vormittag erfahren, dass ich zur Startelf gehöre", verrät der technisch beschlagene Offensivmann. Einen kleinen Fingerzeig habe es aber schon im Training gegeben.

Klar, dass der Profi-Novize mit einer gewissen Nervosität ins Hannover-Spiel ging. Den Riesendruck, der auf der zuvor noch sieglosen Mannschaft lastete, spürte auch Meisel: "Wir wussten schon, dass wir langsam Punkte holen müssen."

Riesenchance in der 14. Minute

Deshalb sei er in den ersten 20 Minuten auch etwas nervös gewesen - "danach war es aber ein Fußballspiel wie jedes andere", sagt Meisel. Die Aufregung spielte zweifellos in der 14. Minute eine große Rolle. Da stand der 21-Jährige plötzlich völlig frei vor 96-Torwart Michael Esser, traf den Ball aber nicht richtig. "Den kann man nicht machen, den muss man machen!", ärgert sich Meisel. "Ich wollte voll draufhauen, was gar nicht nötig gewesen wäre. Ich hätte nur einschieben müssen..." Ein Tor zum Debüt - das wäre die Krönung gewesen.

Die Noten der Reporter auf der sonst menschenleeren Tribüne wären sicher besser ausgefallen, hätte der Kulmbacher diese Riesenchance nicht versemmelt. So bekam er von der Würzburger "Mainpost" eine 3,5, der "Kicker" bewertete ihn nur mit 4. Der Debütant war aber mit sich selbst durchaus zufrieden: "Ich denke, es war eine ordentliche Leistung." Immerhin bis zur 69. Minute stand der Kulmbacher auf dem Platz, ehe Bernhard Trares mit Niklas Hoffmann einen frischen Mann brachte. "Ich haben schon gemerkt, dass mir etwas die Kraft ausgeht", sagt Meisel, der in der neuen Saison lediglich im Toto-Pokal gegen Aschaffenburg 90 Minuten ein Pflichtspiel bestreiten durfte. Fünf Minuten nach Meisels Auswechselung erzielte David Kopacz nach einem Konter den 2:1-Siegtreffer. Nach dem Schlusspfiff konnte Meisel aufatmen - seine vergebene Großchance aus der 14. Minute spielte jetzt keine Rolle mehr.

Trares setzt auf junge Spieler

Der zweite Würzburger Trainerwechsel brachte dem jungen Kulmbacher die Chance, auf die er so geduldig gewartet hatte. Trares, ehemaliger Spieler und Trainer des TSV 1860 München, setzt, wie er nach dem Hannover-Spiel sagte, auf "junge, aufstrebende Spieler" wie Dominik Meisel. Der 21-Jährige habe sich sein Debüt verdient, weil er sich in den vergangenen zwei Wochen, seit Trares in Würzburg ist, "angeboten" habe, "gut arbeite und immer konzentriert" sei.

Umgekehrt schätzt Dominik Meisel am neuen Coach, dass er "uns Fehler zugesteht" und damit den Druck nehme. "Er will, dass wir mutig Fußball spielen und uns was zutrauen." Gerade für die jungen Spieler wie ihn sei Rückendeckung enorm wichtig.

"Haben enorm geackert"

Für Meisel ist der erste Saisonsieg eine verdiente Belohnung: "Wir haben im Training hart gearbeitet, gegen Hannover enorm geackert und sind füreinander gelaufen." Trotzdem sind die Kickers noch Letzter. "Wir müssen jetzt in Regensburg natürlich so weitermachen", weiß der Kulmbacher, der natürlich wieder auf einen Startelfeinsatz hofft. Jetzt muss sich Trares nur an die goldene Fußball-Regel "Ändere nie eine siegreiche Mannschaft" erinnern.

Jugendtrainer Fulvio Bifano: "Er hat eine Top-Einstellung"

Der Wirsberger Fulvio Bifano, letzter Jugendtrainer von Dominik Meisel bei Bayern Hof, freut sich sehr für seinen ehemaligen Schützling. Dass es der junge Kulmbacher bis in die 2. Bundesliga gebracht hat, ist für ihn keine Überraschung: "Wenn man so nachhaltig ein Ziel verfolgt wie Dominik ist es nur eine Frage der Zeit, bis es sich auszahlt."

Dominik Meisel begann als Fünfjähriger beim ATS Kulmbach das Fußballspielen. Sieben Jahre später wechselte er zur SpVgg Bayern Hof, nach drei Saisons ging's weiter zum 1. FC Nürnberg. Zwei Jahre kickte der Kulmbacher für den Club-Nachwuchs, wurde dann aber vom ehemaligen Jugendleiter Michael Köllner aussortiert - wie viele andere auch in seinem Jahrgang. Dominik Meisel kehrte zur SpVgg Bayern Hof zurück, für die er unter Bifano noch ein Jahr in der A-Junioren-Bayernliga kickte.

Erste Station im Erwachsenenbereich war Würzburg, wo Dominik Meisel ein Studium begann und für die 2. Mannschaft der Würzburger Kickers in der Bayernliga spielte. Nach guten Leistungen durfte Meisel mit der Drittliga-Mannschaft trainieren. 2019 - die 2. Mannschaft war inzwischen aufgelöst - unterschrieb der Kulmbacher einen Profivertrag. Obwohl der Kulmbacher in der Aufstiegssaison nur drei Mal in der 3. Liga spielen durfte, bekam er einen Vertrag für den Zweitliga-Kader. Als Trainer könne man sich so ehrgeizige Spieler wie Dominik Meisel nur wünschen, sagt Fulvio Bifano. "Er war immer sehr aufnahmewillig und fokussiert, ein ganz angenehmer Zeitgenosse", erinnert sich der 58-jährige Ex-Jugendtrainer. Eine "Top-Einstellung", sein Ehrgeiz und Opferbereitschaft für den Fußball, gepaart mit großen Fähigkeiten (Bifano: "Er ist technisch sehr gut und hat eine hohe Spielintelligenz") hätten Meisel letztlich zum Bundesliga-Profi gebracht. In letzter Zeit habe Meisel auch seine körperlichen Defizite aufgeholt.

Stolz sind natürlich die Eltern Michael und Kerstin Meisel, die viele tausende Kilometer gefahren sind, um Dominik eine Top-Ausbildung in Hof und Nürnberg zu ermöglichen. "Irgendwann musste es mal klappen", freut sich Michael Meisel, dass sein Sohn nach sieben Partien auf der Bank endlich sein Zweitliga-Debüt feiern durfte.