Bernd Stelter feierte kürzlich Silberhochzeit, ein im Unterhaltungsbusiness eher seltenes Fest. Wenn verheiratet zu sein bedeutet, dass man zumindest einmal mehr darüber nachdenkt, bevor man sich trennt, dann hat sich das teure Hochzeitsfest vielleicht schon gelohnt, meint er. Mit seinem Programm "Wer heiratet, teilt sich die Sorgen, die er zuvor nicht hatte" gastierte der Künstler am Freitag in der Erich-Stammberger-Halle und bot einen kuschelig-unterhaltsamen Abend.


Lustig, aber nicht schrill


Stelter ist keiner dieser lauten und schrillen Comedians, die von Pointe zu Pointe rasen. Er sieht die Sache eher gelassen, aber von der heiteren Seite. "Ich bin ein Clown, und ich will gar nichts andres sein. Ich erzähl' vom wahren Leben und auch vom schönen Schein...."

Mit diesem Lied schließt er seine Auftritte und entlässt damit sein Publikum wieder in ihr wahres Leben - ein wenig nachdenklich, in jedem Fall aber auch frohen Mutes. Und er macht das seit fast 30 Jahren mit gleich bleibendem Erfolg.


Karrierestart mit Rudi Carrell


Damals hat ihn Rudi Carrell in einer Kölner Kneipe entdeckt. Allein dieser Umstand bezeugt schon sein Talent. Aber Stelter hat viele Facetten. Er kann einfach nur lustig sein, aber gleichzeitig dem Publikum einen Spiegel vorhalten. Er kann makellos als Singer-Songwriter mit Gitarre im Stil von Reinhard Mey auftreten, und anschließend überzogen Julio Iglesias kopieren - schmachtend und schmalzig mit Ausrutschgefahr. Doch er kann auch ganz er selbst sein, wenn er musikalisch eine Geschichte zum Klavier erzählt.

Bernd Stelter kann aber auch in charakteristische Rollen schlüpfen und schildert die Ehe aus verschiedenen Warten. Als Referent beim Treffen von Standesbeamten plädiert er für die Ehe zur Sicherung des Lebensunterhalts von Beamten mit diesbezüglicher notarieller Funktion; bejaht deshalb auch für die eingetragene Lebenspartnerschaft. Nicht zuletzt, weil Verehelichte statistisch erwiesen länger leben als Singles. Was Stelter mit der Hoffnung verbindet, dass "Wowereit vielleicht doch noch die Eröffnung des Berliner Flughafens erlebt."

Als cooler Jugendliche, für den sich Stelter auf der Bühne demonstrativ zeitaufwändig herrichtet, sieht er die Eheschließung als fetzige Diskoveranstaltung. Als literarisch kundiger Oberstudiendirektor (seine Parade-Rolle) analysiert er die Ehe eher als potenzielles Scheitern, denn in der gesamten Literatur würden nach Eheschließungen nur Probleme beschrieben - außer in einer 9-Seiten-Erzählung von Astrid Lindgren, der geistigen Mutter von Pippi Langstrumpf.


Von der Mehrehe zur Mehrfachehe


Aus anthropologischer Sicht, doziert Bernd Stelter, sei der Homo sapiens, wie die meisten Säugetiere, promisk, also "nach Lust und Gelegenheit mit jedem". Sagt zumindest die Wissenschaft, "aber die Kirche will die Einehe auf Lebenszeit," sagt Stelter. "Die Wissenschaft sieht eine Entwicklung von der Gruppenehe über die Mehrehe hin zur Einehe. Aber, bei der heutigen Scheidungsrate geht diese Entwicklung scheinbar weiter, und die nächste Evolutionsstufe heißt "Mehrfachehe", also schon mehrere Ehepartner, aber eben nacheinander." Unter diesem Aspekt ist es dann auch völlig logisch, wenn die frisch vermählte Braut beim Werfen des Brautstraußes die Blümchen gleich selbst auffängt.

"Die Zahl der Singles steigt scheinbar exponenziell mit der Anzahl der von Internet-Partner-Plattformen geschalteten Fernsehwerbespots. "Alle elf Minuten verliebt sich ein Single bei..." Stelter rechnet nach - aber: "Nur ein Single? Gehören dazu nicht zwei?"

Aus seiner Erfahrung als inzwischen schon "silbern" Verehelichter plädiert Stelter unumwunden für die altehrwürdige Institution Ehe, schließt in den Erfolg seiner Dauerbeziehung aber auch die Tatsache mit ein, dass er als tourender Sänger, Schauspieler und Karnevals-Magnet nicht ununterbrochen zu Hause ist.

Nostalgisch, eigentlich sogar ganz anrührend, erinnert sich Bernd Stelter mit dem Lied "Ein Leben lang" an seine Eltern: "Mama, ich weiß, das war nicht schön, dass ich nicht Pastor werden wollte. Doch weißt du, Clowns und Pastöre, sind aus unterschiedlichem Holz. Doch dann das erste Mal im Fernsehen, meine Güte, warst du stolz.". Ein wenig Seelsorge kann auch ein Clown, wenn er Bernd Stelter heißt.