Gute Chancen für ein dreijähriges Streetworker-Modellprojekt in Kulmbach sah Landrat Klaus Peter Söllner (FW) im Mai, Oberbürgermeister Henry Schramm (CSU) hatte sich im Vorfeld in München um finanzielle Mittel bemüht, die im Zusammenhang mit den gewaltbereiten Jugendlichen eingesetzt werden könnten.

Nachdem eine Jugendgang im Januar und Februar das Areal um den Bahnhof unsicher gemacht und wochenlang für groß angelegte Polizeieinsätze, Schlagzeilen und sogar Fernsehberichte gesorgt hatte, beschäftigte das Thema Stadt und Landkreis intensiv weiter. Man war sich einig, dass ein Streetworker dazu beitragen sollte, die Probleme zu lösen.
Doch bislang hat sich dieses Vorhaben nicht verwirklichen lassen.

Antrag auf Förderung abgelehnt

Warum gestaltet sich die Umsetzung der Idee so schwierig? Es habe eine vielversprechende Option gegeben - mit einem freien Träger, zu dessen Konzept Streetwork gehöre und der sich um die in Aussicht gestellten Fördermittel bemüht habe, so der Leiter des Jugendamts, Klaus Schröder. "Der Antrag wurde aber vom zuständigen Ministerium leider abgelehnt."

Aktuell führe man Gespräche mit einem zweiten möglichen Träger. "Wenn das auch nicht klappt, müssen wir neu nachdenken und etwas ausarbeiten, das für unsere Verhältnisse passt und finanzierbar ist."

Was kann Streetwork leisten?

Wie dringend braucht Kulmbach denn die so genannte auf suchende Sozialarbeit auf den Straßen der Stadt? "Wir haben einen gewissen Bedarf, aber der ist bei weitem nicht so eindeutig wie in den großen Städten", sagt Klaus Schröder. "Bei uns handelt es sich um vergleichsweise wenige junge Menschen, die häufig ihre Treffpunkte wechseln. Die Frage ist: Wie erreiche ich diese Jugendlichen?"

Der Jugendamtsleiter ist Realist: "Es ist fraglich, ob ein Streetworker eine eskalierende Situation, wie wir sie Anfang des Jahres hatten, hätte verhindern können." Man dürfe keine unrealistischen Erwartungen stellen: "Ein Streetworker kann sich der Szene annähern, versuchen, Vertrauen aufzubauen,Gespräche führen. Aber er ist kein Aufpasser, der eingreift."

Auch ohne Streetworker seien Problem-Jugendliche in Stadt und Landkreis nicht einfach sich selbst überlassen. Das Jugendamt versuche, Familien bei Problemen mit Einzelmaßnahmen zu helfen. Meist gehe es um Erziehungsbeistand, um ambulante pädagogische Hilfen, bei denen sehr intensiv mit den einzelnen Jugendlichen gearbeitet werde. Trotzdem wäre der Einsatz eines Streetworkers aus Schröders Sicht wünschenswert - "eine gute Geschichte, die für die Zukunft dabei helfen kann, anders mit solchen Situationen umzugehen, und die mittel- bis langfristig vielleicht auch verhindern kann, dass sie überhaupt auftreten".

Stadt will am Ball bleiben

Genau das ist auch das Anliegen der Stadt, so Pressesprecher Simon Ries. "Das ist für uns ein wichtiges Thema, das wir unbedingt weiterverfolgen wollen. Wir sind dankbar, dass der Landkreis dabei die Führungsrolle übernommen hat, nachdem die Jugendhilfe fachlich beim Landkreis angesiedelt ist." Die Stadt sehe aber nicht den Kreis allein in der Verantwortung, sondern wolle am Ball bleiben und sich auch engagieren. "Sobald konkrete Umsetzungsvorschläge auf dem Tisch liegen, kann sich der Stadtrat mit den Details befassen, auch was die Finanzierung betrifft."

Akute Probleme mit randalierenden Jugendlichen gibt es derzeit nicht, sagt Reinhard Eber, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Kulmbach. "Die Situation hat sich beruhigt." Dazu hätten sicher auch die gerichtlich verhängten Strafen für die Haupttäter beigetragen.

Das bedeute allerdings nicht, dass die Probleme gelöst sind. "Es bilden sich immer wieder mal Gruppen, die sich aggressiv verhalten." Dem Thema Streetworker stehe die Kulmbacher Polizei deshalb nach wie vor positiv gegenüber. "Wir haben unsere rechtlichen Möglichkeiten, aber soziale Probleme kann die Polizei nicht lösen." Die auf suchende Jugendarbeit auf den Straßen wäre eine gute Ergänzung zur Arbeit der Polizei.