Markus Söder verlor keine Zeit und sprach gleich das heiße Eisen "Flüchtlinge" an. "Die Migration ist eine zentrale Herausforderung für unser Land und unsere Gesellschaft. Wer nach Deutschland will, dem helfen wir gern. Aber alles hat seine Grenzen. Wir werden eine unbegrenzte Zuwanderung nicht schaffen", stellte er fest.

Und traf damit den Nerv der über 100 Zuhörer im Saal der Gaststätte "Zur Linde", die seine Worte immer wieder mit Applaus bedachten. Eingeladen hatte den Minister für Finanzen, Heimat- und Landesentwicklung die Mainleuser CSU.


Probleme der Lehrerinnen

Im Gespräch mit dem Minister beklagte ein Lehrer mangelnden Respekt von jungen unbegleiteten Flüchtlingen aus dem Irak, Iran, Syrien und Afghanistan vor weiblichen Lehrkräften: "Die lassen sich ungern von Frauen was sagen. Hat die Regierung eine Idee, die Lehrerschaft so zu gestalten, dass wieder mehr Männer Lehrer werden?"

Söder erklärte, er wisse, dass einige Berufsgruppen mehr und mehr von Frauen besetzt werden (Lehrer, Ärzte). Deshalb sei es schon in der Schule wichtig, die Integration voranzutreiben. Und er ergänzte: "Wer meint, dass hier nicht die richtige Gesellschaft für ihn ist - es gibt genügend Plätze auf der Welt, wo er glücklich werden kann."

Der Minister verdeutlichte die soziale Herausforderung durch die Flüchtlinge: "Es sind Menschen aus ganz anderen Kulturkreisen." Die würden Gleichberechtigung nicht so definieren wie Westeuropäer, hätten ein anderes Demokratieverständnis und eine andere Akzeptanz von staatlichen Autoritäten. Doch jeder, der bleiben wolle, habe sich den Sitten und Gebräuchen anzupassen - "und nicht umgekehrt".

Die vorgesehene Abschaffung der Grenzkontrollen hält Söder mit Blick auf die Terrorgefahr für keine gute Idee. "Das ist ein falsches Signal, nur weil einmal einen Monat die Flüchtlingszahlen sinken", sagte er.

CSU-Bürgermeister-Kandidat Robert Bosch griff das Thema Schule auf und fragte nach Fördermöglichkeiten für die Sanierung des Gebäudekomplexes. Söder verwies auf mehrere Fördertöpfe und ging auch auf die Erschließung des ländlichen Raums mit dem schnellen Internet ein. Denn eines seiner Ziele als Heimatminister sei, gleiche Lebensbedingungen in Ballungsräumen und auf dem Land zu schaffen.

Mit Blick auf die Zinspolitik sprach der Landespolitiker von einer schleichenden Enteignung. "Wir müssen in Geldfragen in der EU Flagge zeigen. In Deutschland gehen Sparer vor Aktionäre."

Die großen Stallungen befinden sich außerhalb von Motschenbach, etwa 800 Meter vom Wohnhaus von Norbert Erhardt entfernt. 240 Rinder (darunter 115 Milchkühe) sind in den hellen Hallen untergebracht, die der Landwirt dort ab 1995 errichtet hat. Erhardt bewirtschaftet außerdem 140 Hektar Land (90 Hektar Acker, 50 Hektar Wiesen). Über den Betrieb informierte sich Landwirtschaftsminister Helmut Brunner.

Erhardt führte den Minister zusammen mit vielen Landwirten sowie Politikern über den Hof. "Man braucht eine Frau und Kinder, die einen unterstützen. Bei uns funktioniert's", erklärte Erhardt dem Minister.

Der freute sich, dass der Betrieb für eine Besichtigung seine Tore geöffnet hatte. "Man muss den Leuten zeigen, wie gearbeitet wird." Kleine Betriebe, keine Massenproduktion, hochwertige Lebensmittel, kurze Wege - das seien die Markenzeichen der bayerischen Landwirte. Sein Appell an die Verbraucher lautet deshalb: "Wenn wir hier höchste Standards haben, sollte das durch einen Kauf honoriert werden, auch wenn es etwas teurer kommt als Massenprodukte."

Brunner verwies auf die vielen Herausforderungen, vor denen die Landwirte stehen - unter anderem auf die "besorgniserregende Preissituation" bei Fleisch, Milch und Getreide. Die Molkereien würden sich bei den Preisverhandlungen mit den Discountern gegenseitig unterbieten.

Brunner verwies darauf, dass die Politik zwar nicht die Preise für landwirtschaftliche Produkte festsetzen kann, wohl aber die förderlichen Rahmenbedingungen. Die sollten einfach umzusetzen sein, was aber nicht immer gelinge. Er wisse wohl, dass die Bauern über eine ausufernde Bürokratie klagen. "Angesichts der prekären Lage muss Schluss sein mit neuen Auflagen."

CSU-Bürgermeister-Kandidat Robert Bosch versicherte, sich für die Belange der Landwirte einzusetzen. "Die Gemeinde muss die passenden Rahmenbedingungen schaffen."