Trotz einer umfangreichen Straftatenserie im Zusammenhang mit illegalen Drogen kam eine junge Frau aus Kulmbach vor dem Amtsgericht gerade noch einmal mit einem blauen Auge davon. Zwei Jahre auf Bewährung lautete das Urteil, unter anderem wegen 36 Fällen des Handels, 40-maliger Abgabe, des Erwerbs in 16 Fällen, sowie mehrfacher Beihilfe, Handel, Besitz. Im Wesentlichen ging es dabei um Crystal, vereinzelt auch um Marihuana.
Die Aussetzung der Strafe auf Bewährung sei nur durch das umfangreiche Geständnis der 25-jährigen Angeklagten möglich geworden, sagte die Vorsitzende Richterin Nicole Allstadt bei der Urteilsbegründung. Dadurch sei dem Gericht eine langwierige, umfangreiche und schwierige Beweisführung erspart geblieben. Trotzdem gäben die Fülle der Taten und der lange Tatzeitraum von Anfang 2013 bis Mitte 2015 Anlass zur Sorge.
"Sie müssen das Ruder schnellstens herumreißen, wenn sie ihr Leben noch in den Griff bekommen wollen", sagte die Richterin. Die Strafe Bewährungsstrafe sei nur "mit Ach und Krach" möglich gewesen.
Die Angeklagte war die Freundin eines szenebekannten Kulmbacher Großdealers, der mittlerweile zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt wurde. Sie habe durchaus aber auch eigenständige Drogengeschäfte betrieben, sagte der zuständige Sachbearbeiter von der Kriminalpolizei in Bayreuth. Zusammen mit seinen Kollegen hatte der Beamte rund 20 000 Datensätze ausgewertet. 1500 Datensätze davon hatten auch mit der Angeklagten zu tun. Die jetzt angeklagten Fälle seien sicherlich aber nur die Spitze eines Eisbergs, sagte der Beamte.
Wenn die Strafe gegen die junge Frau doch relativ niedrig ausfiel, dann auch deshalb, weil sie fast nur mit kleinsten Mengen von jeweils unter einem Gramm gedealt hat. In mehreren Fällen soll sie sogar einer Minderjährigen Crystal verkauft haben, was vor Gericht allerdings nicht mehr genau bewiesen werden konnte.


Drogenübergabe am Amtsgericht

Meistens fanden die Übergaben vor Spielotheken statt, manchmal aber auch in Privatwohnungen in Kulmbach und Mainleus, einige Male aber auch im öffentlichen Raum, etwa vor einem Supermarkt oder, man glaubt es kaum, im Bereich des Amtsgerichts.
Ihr Motiv sei gewesen, die eigene Sucht zu finanzieren, sagte die junge Frau. Schon im Alter von 13 Jahren habe sie ersten Kontakt zu Drogen gehabt, sie war im Heim aufgewachsen, hatte weder Schulabschluss noch Berufsausbildung, lebte zeitweise auf der Straße, landete auch schon mal hinter Gitter und bestreitet ihren Lebensunterhalt mittlerweile von Hartz-IV-Leistungen. Im Bezirkskrankenhaus hat sie Hausverbot, weil sie ihrem Ex-Freund eine Kräutermischung einschmuggeln wollte.
Neben den Drogendelikten sprach das Gericht die Angeklagte auch wegen Betrugs und andere Straftaten schuldig. Zum einen hatte sie unter falschem Namen zwei Benutzerkontos bei einem Versandhändler angelegt und sich zwei Smart-Phones im Wert von zusammen fast 500 Euro ergaunert. Außerdem fand die Polizei bei einer Wohnungsdurchsuchung Pistolenmunition und verbotene tschechische Böller. Die seien noch von Silvester übrig gewesen, sagte die Angeklagte, die Munition habe lediglich Dekorationszwecke erfüllt.
Zusätzlich zu der Strafe verhängte das Gericht als Auflage 180 Stunden gemeinnütziger Arbeit sowie die Weisung, sich künftig von Drogen fernzuhalten. Das soll auch in regelmäßigen Tests kontrolliert werden.