Die Etablierte

Emmi Zeulner tritt nach 2013 und 2017 zum dritten Mal für die CSU im Bundestagswahlkreis an. Mitte Mai wurde sie mit 98,45 Prozent der Delegiertenstimmen wieder nominiert. In den beiden zurückliegenden Wahlen hat sie sich das Direktmandat mit jeweils deutlichem Vorsprung gesichert.

Die 34-jährige gebürtige Lichtenfelserin ist ausgebildete Krankenschwester. Sie ist Mitglied in Stadtrat und Kreistag in Lichtenfels. Aktuell ist sie im Bundestag Obfrau im Ausschuss für Bau, Wohnen, Stadtentwicklung und Kommunen sowie Mitglied im Gesundheitsausschuss.

Die Chancen: Emmi Zeulner steht auf Platz 10 der CSU-Liste für die Bundestagswahl und wäre damit auch ohne Direktmandat weiter im Parlament. 2017 holte sie 55,4 Prozent der Stimmen.

Der Erfahrene

Der Sozialdemokrat Simon Moritz hat 2013 bereits Erfahrungen im Bundestagswahlkampf gesammelt. Damals erreichte er 22,8 Prozent der Stimmen - zum Einzug über die Landesliste reichte das Ergebnis nicht. Nun will der 37-Jährige einen zweiten Anlauf nehmen.

Mit den drei Regionen des Wahlkreises ist Moritz eng verbunden: geboren in Lichtenfels, fünf Jahre Studium und wissenschaftliche Tätigkeit an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, dann sechs Jahre an der Frankenakademie Schney beschäftigt, seit zweieinhalb Jahren selbstständig als Dozent in der politischen Bildung und als Digitalisierungsberater für kleinere und mittlere Unternehmen. Der Kandidat, seit 2008 im Stadtrat und seit 2014 Vorsitzender der Kreistagsfraktion seiner Partei, ist verheiratet und lebt in Kulmbach.

Die Chancen: Er steht auf Platz 35 der Landesliste. Aktuell sitzen 18 Abgeordnete der Bayern-SPD im Bundestag. Sollte Moritz das Direktmandat nicht erobern, hat er also keine realistische Chance auf den Einzug.

Der Ökologe

Martin Pfeiffer erfüllt mit seiner beruflichen Orientierung in gewisser Weise die stereotype Erwartung an einen Kandidaten der Grünen, denn tatsächlich ist er Ökologe. Der gebürtige Nördlinger hat am Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasium in Kulmbach sein Abitur gemacht, dann sein Biologie-Diplom an der Uni Bayreuth, ehe er den Doktor der Naturwissenschaften in Würzburg drangehängt und an der Uni Ulm die Habilitation in Zoologie und Ökologie geschrieben hat. Seit 2015 ist er Privatdozent am Lehrstuhl für Biogeografie an der Universität Bayreuth.

Für seine Partei hat er 2020 erfolglos auf der Stadtratsliste kandidiert. Er ist Schriftführer im Kreisverband. Martin Pfeiffer ist 60 Jahre alt, verheiratet und lebt in Kulmbach.

Die Chancen: Er steht auf Platz 62 der bayerischen Landeslist seiner Partei. Aktuell sitzen elf Abgeordnete der bayerischen Grünen in Berlin. Markus Tutsch, der 2017 für die Grünen im Wahlkreis antrat, erreichte 4,4 Prozent.

Der Berater

Claus Ehrhardt ist in München geboren, als selbstständiger Wirtschafts- und Unternehmensberater tätig und tritt für die FDP an. Er hat Wirtschaftswissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität in München studiert. Seit zehn Jahren setzt der 58-jährige Diplom-Kaufmann (Univ.) und ausgebildete Projektmanager gemeinsam mit einem Team aus Partnern Projekte um, die sich mit Unternehmenssteuerung, Digitalisierung, IT-Anwendungsentwicklung und ihrer Implementierung beschäftigen.

Ehrhardt wohnt seit rund sechs Jahren in Kulmbach, hat zwei erwachsene Töchter und einen knapp zweijährigen Sohn. Für die FDP hat er bei den Kreistags- und Stadtratswahlen im vergangenen Jahr kandidiert, wurde aber nicht in die Gremien gewählt.

Die Chancen: Auf der Landesliste der bayerischen FDP steht Ehrhardt auf Platz 64 von 71 Bewerbern. Stefan Wolf, der vor vier Jahren im Wahlkreis für die FDP angetreten war, hatte vier Prozent der Stimmen geholt.

Der Finanzer

Für die Alternative für Deutschland (AfD) tritt Theo Taubmann aus Schammendorf bei Weismain an. Der 65-Jährige ist im Rödentaler Ortsteil Weißenbrunn vorm Wald aufgewachsen und hat nach der Mittleren Reife und einem nebenberuflichen Aufbaustudium elf Jahre in der Sparkasse Coburg gearbeitet, ehe er in den Genossenschaftssektor gewechselt ist. Dort, so heißt es in seinem Lebenslauf weiter, sei er 35 Jahre lang an den internationalen Finanzmärkten tätig gewesen. Seit November vergangenen Jahres ist er im Ruhestand.

In der AfD ist er seit 2014. Zwei Jahre später wurde er zum Schatzmeister des Kreisverbands Kulmbach-Lichtenfels gewählt. 2018 löste er Georg Hock im Kreisverband Kulmbach/Lichtenfels/Hochfranken als Vorsitzenden ab, inzwischen ist er wieder Schatzmeister des Kreisverbands Lichtenfels. Taubmann ist verwitwet und hat einen erwachsenen Sohn.

Die Chancen: Theo Taubmann steht nicht auf der Landesliste seiner Partei. Georg Hock, der 2017 für die AfD im Wahlkreis antrat, holte 11,6 Prozent der Stimmen.

Der Sozialpädagoge

Ludwig Baumgartner ist Diplom-Pädagoge (Univ.) und seit vielen Jahren als Sozialpädagoge in der beruflichen Aus- und Weiterbildung sowie Rehabilitation tätig. Der gebürtige Priener wohnt in Himmelkron, ist ledig und kandidiert für die Linke. In seiner Partei ist er seit 2014. Hier gehört er dem Kreisvorstand Coburg an und ist Bildungsbeauftragter.

Die Chancen: Er steht nicht auf der Landesliste seiner Partei. Oswald Greim sicherte sich 2017 im Wahlkreis 3,78 Prozent der Stimmen.

Der Ehrenamtler

Jochen Bergmann ist seit Jahren ehrenamtlich engagiert, im Technischen Hilfswerk, an seiner Schule oder im Kreisjugendring. Heute ist er stellvertretender Vorsitzender im Kreisverband Bayreuth/Kulmbach der Deutschen Polizei-Gewerkschaft und bei der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG, Ortsverband Kulmbach).

Bei den Freie Wähler seiner Heimatgemeinde Neudrossenfeld ist er stellvertretender Vorsitzender. Dort hatte er 2013 erstmals für den Gemeinderat kandidiert und ist aktuell Mitglied. Außerdem gehört er dem Jugendhilfeausschuss des Landkreises Kulmbach an.

Nach der Mittleren Reife ist Bergmann als Polizeibeamter an verschiedenen Stationen in Lichtenfels und Kulmbach tätig gewesen, aktuell ist er bei der Kriminalpolizei Bayreuth Drogenpräventionsbeamter. Jochen Bergmann ist verheiratet und lebt in Neudrossenfeld.

Die Chancen: Rang 12 der 57 Plätze umfassenden Landeslist der Freien Wähler gehört Bergmann. Die Freien Wähler sitzen bisher nicht im Bundestag - bei Umfragen rangieren sie bundesweit aktuell bei rund drei Prozent und würden damit den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde nicht schaffen.

Darüber hinaus treten vier Kandidaten von Parteien an, die in noch keinem Parlament sitzen:

Der gebürtige Bautzener Kay-Uwe Zenker lebt in Kulmbach, ist als selbstständiger Bauingenieur mit dem Abschluss als Diplom-Ingenieur (FH) tätig und kandidiert für die ÖDP. Politisch aktiv ist der 43-Jährige seit Anfang 2019. Für die Bayernpartei kandidiert der Reckendorfer Gunther Sedlmeyer. Der Amberger wurde 1958 geboren und ist Diplom-Sozialpädagoge (FH). Der Politikwissenschaftler Sven Goller aus Bamberg tritt für die Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative (Die PARTEI) an. Er wurde 1990 in Lichtenfels geboren. Otto Gebelein, der 1961 in Thurnau geboren ist, geht für die Basisdemokratische Partei Deutschland

(dieBasis) ins Rennen. Der technische Zeichner wohnt in Hof.