Die Stadt Kulmbach hat eine doch stattliche Erhöhung der Schlachtgebühren für Schweine beschlossen - doch der Aufschrei der Metzger bleibt aus. "Das ist völlig in Ordnung. In anderen Städten wird ohnehin längst mehr verlangt. Wir müssen froh sein, dass wir den Schlachthof vor der eigenen Haustür haben", sagt etwa Florian Kleinheinz.

Lieferprobleme bei neuer Anlage

Eigentlich wollte die Stadt vor einer Preisneugestaltung erst die Mehrkosten ermitteln, die sich durch den Umstieg auf die Heliumbetäubung in der Schlachtpraxis ergeben werden. Da sich die Installation der neuen Anlage aber aufgrund von Lieferproblemen bei Bauteilen verzögert, der für Sommer geplante Start verschoben werden muss und sich gleichzeitig die Kosten etwa durch die Preisexplosion im Energiesektor deutlich erhöhen, sah man sich schon jetzt zu einer Anpassung gezwungen - um ein größeres Haushaltsdefizit zu vermeiden. "Wir müssen das jetzt machen", sagte OB Ingo Lehmann (SPD) in der Sitzung des Stadtrates am Donnerstagabend mit dem Hinweis darauf, dass die Entscheidung von den Metzgern "weitestgehend" mitgetragen werde.

Die von der Verwaltung ermittelte Unterdeckung beträgt derzeit durchschnittlich für die Schlachtung eines Schweines 8,67 Euro. Die neuen Preise sind gestaffelt. Wer in Kulmbach wöchentlich bis zu drei Schweine in der Woche schlachten lässt, zahlt bis dato 24,81 Euro pro Tier, künftig werden es 33,50 Euro sein. Bei der höchsten Staffelung mit einer Schlachtzahl von mehr als 30 Schweinen erhöht sich der Preis von 22,81 auf 31,50 Euro. Ein Preis, der die von uns befragten Metzer allerdings nicht abschreckt. "In anderen Schlachthöfen wird teils schon längst viel mehr verlangt. Die Anhebung ist aus meiner Sicht völlig in Ordnung", sagt etwa der Thurnauer Metzgermeister und Viehhändler Jürgen Müller.

"Ein kostenintensiver Betrieb"

Als der Schlachthof wegen Corona im Winter geschlossen gewesen sei, sei er nach Kronach ausgewichen, teilt Metzgermeister Florian Kleinheinz mit. "Dort war es teurer", sagt Kleinheinz, der auch vollstes Verständnis dafür hat, dass der städtische Eigenbetrieb aufgrund der in allen Bereichen steigenden Kosten seine Preise erhöht. "Man muss ja sehen, dass es ein kostenintensiver Betrieb ist, der den Anstieg des Gas- und Strompreise deutlich zu spüren bekommt."

Er und viele seiner Kollegen seien froh, dass der Schlachthof erhalten wird. "Müssten wir zum Schlachten in andere Städte fahren, käme uns das doch viel teurer."