In Omas Küchenbüfett ganz hinten findet sich das Objekt der Begierde: ein Kaffeefilter aus Porzellan. Stabil, temperaturresistent, für die Ewigkeit gefertigt und in einem Weiß, das alle Farbtrends dieser Welt verächtlich belächelt.
Beim Griff nach dem formschönen Utensil drängt sich die Frage auf: Wann genau hat das menschliche Hirn ersonnen, diesen wunderbaren Werkstoff Porzellan, dessen Name aus dem Italienischen stammt und von "porcellino" herrührt (was übersetzt "Schweinchen" bedeutet), durch so etwas Freud loses wie Plastik zu ersetzen? Noch dazu ist der Erdöl-Hybrid von seiner Darreichungsform offensichtlich ein Plagiat der Ursprungsform. Nur hat hier der Hersteller von sich selber abgekupfert, denn auf beiden Filtern steht Melitta!
Einen neuen aus Porzellan - bei welchem Kaffeeröster bekäme ich den heute? Die Teile werden, wenn überhaupt, nahezu ausschließlich aus Plastik angeboten. Eine Schande für die keramische Industrie...
Doch zu einem plastiklosen Kaffee am Morgen gehört es nicht nur, sein Heißwasser durch einen Wertstoff statt Kunststoff zu gießen, sondern das Wasser gleichsam auch nicht vom Design-Kocher auf Erdöl-Basis erhitzen zu lassen. Hier fällt die Wahl wieder auf Zubehör aus Omas Schrank: Edelstahl, mit geschätzten 60 Jahren auf dem Ausgießer. In meinem Fall tat es ein mit Emaille beschichtetes Gefäß, auf der Glaskeramik-Herdplatte erwärmt.
Um die ganze Wahrheit zu schildern: In Sachen Energieeffizienz zieht der Plastik-Vermeider hier den Kürzeren. Höchstens ein Deckel auf und eine moderne Induktionsplatte unter dem Metall-Gefäß können das Wasser mit etwa dem gleichen geringen Stromaufwand erwärmen wie der Wasserkocher.
Bleibt noch der Kaffee an sich. Selbst wenn er sich letztlich ohne Plastik zubereiten und trinken lässt - in den Haushalt kommt das Pulver (oder wahlweise die ganze Bohne) ohne Kunststoffhülle nicht. Als Trost bleibt der grüne Punkt, der auf der Außenseite klebt und immerhin eine Wiederverwertung suggeriert.
Gibt es keine Möglichkeit, das Verwöhnaroma zu erhalten, ohne dabei Kaffee in beschichteter Folie einzuschweißen? Und wenn doch: wo? Das soll in der nächsten Folge der Serie geklärt werden, wenn es um den Kunststoff-freien Einkauf geht.