Die Stadt Kulmbach hat die Kehrtwende eingelegt. Sie hebt die Ausschreibung für die Mittagsverpflegung an den Ganztagsschulen auf, nachdem Eltern heftige Kritik an der angekündigten Preiserhöhung geübt hatten. Möglich ist das, weil die Arbeitwohlfahrt und die Diakonie, die das Essen liefern, ihre Angebote zurückgezogen haben. Angebote, mit denen sie selbst nicht so richtig glücklich waren, weil es aufgrund einer Fünf-Jahres-Bindung zu einem deutlichen Preissprung gekommen wäre. 4,50 statt 3,70 Euro hätte die "Menüfaktur" der Diakonie künftig für ein Essen verlangt, von 3,90 auf stolze 5,83 Euro wäre der Preis bei der Awo gestiegen. Die Geschäftsführer Karl-Heinz Kuch (Diakonie) und Elisabeth Weith (Awo) hatten unserer Zeitung erklärt, dass über so einen langen Zeitraum keine realistische Kalkulation möglich ist.

Das Treffen im Rathaus

Am Dienstagabend hat die Stadt nach all dem Trubel die Elternvertreter und Leiter der betroffenen Schulen (Max-Hundt-Schule, Obere Schule, Hans-Edelmann-Schule, Melkendorfer Schule) sowie die Anbieter zu einem Gespräch ins Rathaus eingeladen. Das Ergebnis: Awo und Diakonie haben mitgeteilt, dass sie ihr Angebot zurückzuziehen. Vereinbart wurde, dass die bisherigen Anbieter die Schulen auch im Schuljahr 2021/22 beliefern. Es könne zwar zu minimalen Preissteigerungen kommen, "diese sind allerdings im Rahmen einer jährlichen, preislichen Anpassung der Anbieter bereits üblich", heißt es aus dem Rathaus. Für 2022/23 werde eine neue Ausschreibung erstellt, die dann bei Zustimmung des Stadtrats auf zwei Jahre ausgelegt werden soll - mit der Möglichkeit auf ein Jahr Verlängerung. "Ich bin sehr dankbar, dass beide Bieter ihr Angebot zurückgezogen haben. So stellen wir sicher, dass im September die Schüler weiterhin mit einem Mittagessen versorgt werden können", sagt OB Ingo Lehmann (SPD).

Eltern werden künftig eingebunden

Für die neue Ausschreibung werde die Verwaltung ein Konzept anhand der Vorgaben des Fachplaners erarbeiten und dieses frühzeitig mit den Elternvertretern beraten. "So können alle Eltern ihre Wünsche und Anregungen einbringen und sind aktiv an der Zusammensetzung der Ausschreibungskriterien beteiligt."

Hohe Kosten

Dass die Eltern bis dato außen vor geblieben sind, war in all den Diskussion ein Kritikpunkt. Auch die hohen Kosten für die Ausschreibung - das externe Büro hat 22 700 Euro erhalten - hatte für Kopfschütteln gesorgt. Mit der jetzigen Lösung können die Eltern leben. "Damit können wir uns anfreunden", sagte gestern die Elternbeiratsvorsitzende der Max-Hundt-Schule, Stephanie Urbansky, deren Töchter Mila (6) und Maya (8) die erste beziehungsweise zweite Klasse besuchen. Sie weiß, dass auf viele Eltern wöchentliche Mehrkosten von zehn Euro zugekommen wären. Was sie kritisiert: In einem Schreiben war den Eltern von der Stadt mitgeteilt worden, dass mit der Ausschreibung keine gravierenden Änderungen verbunden seien. Hätten die Eltern geahnt, dass es zu einer Preisexplosion kommen könnte, hätte es schon vorab Einwände gegeben, ist Stephanie Urbansky überzeugt.

"Sternstunden" atmen auf

Die Ausschreibung hätte gerade die Schule in Mangersreuth getroffen, denn dort hätte es einen neuen Lieferanten gegeben. Die Awo hätte die Gaststätte "Sternstunden" ersetzt. "Sternstunden"-Wirtin Natascha Schleu zeigte sich nun erleichtert, dass ihr Team weiterhin die Mittagsverpflegung übernehmen kann. Sie werde sich an der Ausschreibung für 2022/23 beteiligen, betonte Schleu, die weiß, dass die anvisierte Preissteigerung auf fast 6 Euro viele Eltern getroffen hätte, die auf jeden Cent schauen müssen.

Die Arbeiterwohlfahrt hat zurückgezogen, obwohl sie die Ausschreibung gewonnen hat. Geschäftsführerin Elisabeth Weith spricht dennoch von einem "guten Weg", den man gefunden habe. Die in der Ausschreibung enthaltene Bindungsfrist von fünf Jahren sei nicht glücklich gewesen, stellte sie fest.

Ein Wunsch geht in Erfüllung

Diakonie-Geschäftsführer Karl-Heinz Kuch hatte den Sinn einer Ausschreibung, die nach Mitteilung der Stadt aus rechtlichen Gründen erforderlich ist, grundsätzlich angezweifelt. Er ist der Meinung, dass an jeder Schule Eltern und Kinder am besten wüssten, ob sie mit der Verpflegung zufrieden sind. "Jede Schule sollte selbst entscheiden, wer das Essen liefert", sagte Kuch, dessen Vorschlag keine Berücksichtigung finden wird. Ein Wunsch, den er geäußert hat, geht jedoch in Erfüllung: Die Mittagsverpflegung läuft ab September erst einmal so weiter wie bisher.