Es war wahrscheinlich wirklich nur als harmloser Scherz gedacht, ging aber gründlich in die Hose. Ein 31-jähriger Mann aus dem nördlichen Landkreis Kulmbach hatte im Juli 2014 während der Fußball-Weltmeisterschaft mit seinem Handy ein Hitlerbild mit dem Satz "Keine Sorge, Freunde, Frankreich ist machbar" an eine 41-köpfige Whats-App-Gruppe verschickt. Mit ungeahnten Folgen: Per Strafbefehl wurde er wegen der Verwendung von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen zu 15 Tagessätzen zu jeweils 30 Euro (450 Euro) verurteilt.


"Empfand das als Gag"


Hintergrund der Nachricht war das damals anstehende WM-Spiel der deutschen Fußballnationalmannschaft gegen Frankreich. "Wegen der damaligen Euphorie empfand ich es als Gag", sagte der Angeklagte vor Gericht. Er habe gedacht, das wäre doch lustig.

Es sei alles andere als das, sagte Richterin Sieglinde Tettmann. Das Versenden eines solchen Bildes verharmlose die unglaublich schlimmen Gräueltaten der Nationalsozialisten, deshalb habe der Gesetzgeber die Schwelle zur Strafbarkeit ziemlich niedrig angesetzt.

Verteidiger Achim Taubald aus Helmbrechts versicherte, dass sein Mandant nichts mit der rechten Szene zu tun habe. "Er hat das Bild einfach nur so aus dem Internet herausgefischt", sagte der Rechtsanwalt, der auch darauf hinwies, dass vor dem Hofer Amtsgericht ähnliche Verfahren bereits eingestellt worden seien.

In einer anderen Sache habe man Handys sichergestellt und Whats-App-Nachrichten ausgewertet, so sei man auf den Angeklagten gestoßen, sagte der als Zeuge geladene Sachbearbeiter der Kriminalpolizei Bayreuth. Der Zeuge meinte aber auch, es gebe keinerlei Hinweise darauf, dass der Angeklagte so etwas schon einmal gemacht habe.


Keine Satire


Das Foto zeigte Adolf Hitler im Kreise ranghoher Nationalsozialisten bei einer Lagebesprechung oder bei der Planung eines Feldzuges. Es sind darauf aber keine Hakenkreuze zu sehen. Hitler werde auch nicht ikonenhaft dargestellt, merkte der Verteidiger an, wobei ihm der Kripobeamte widersprach.

Das Bild sei schon so zu deuten, dass es sich auf den Frankreich-Feldzug bezieht, so der Beamte. Auch der Hinweis auf Satire seitens des Verteidigers sollte nichts bringen. Nach nochmaliger Belehrung zog der Angeklagte seinen Einspruch gegen den Strafbefehl zurück, es bleibt bei der ohnehin niedrigen Geldstrafe von 450 Euro.