Von wegen Frauen haben kein Konfetti im Blut! Durch die Adern von Margit Sponheimer fließt jede Menge Frohsinn. Damit rockte die aus Funk und Fernsehen bekannte Fastnachts-Ikone am Samstagabend die Weismainer Stadthalle. 280 Faschingsfans aus nah und fern waren aus dem Häuschen, als sie ihre Gassenhauer "Gell, du hast mich gelle gerne" und "Am Rosenmontag bin ich geboren" zum Besten gab. Alt und Jung hielt es nicht mehr auf den Sitzen, man sang und schunkelte im Stehen mit.


Hauch von "Mainz bleibt Mainz"

Der Mainleuser Carnevals Club (MCC) hat sein Glück an einem neuen Ort gefunden - in der Fastnachtshochburg Weismain. Ein dreifach donnerndes "MCC weiß blau helau" und ein ebenso kräftiges "Kaulhaazia Helau" feierten bei der Prunksitzung eine fröhliche Verbrüderung. Es klang nicht übertrieben, als Gesellschaftspräsident Wolfgang Hartman aus Kulmbach resümierte: "Das war schon vom Feinsten." Dank Margit Sponheimer, der zwölften Preisträgerin des Sonderordens des "Goldenen Schuhs", wehte ein Hauch der ZDF-Fernsehsendung "Mainz bleibt Mainz" durch die Stadthalle. Der prominente Gast aus Rheinhessen fühlte sich wohl bei der "Fastnacht am Obermain", "wo der Mutterwitz pur noch regiert und der Spaß an der Freud dominiert".

Niemand Geringerer als der Bajazz mit der Latern, Rene Pschierer, der ebenfalls im Mainzer Fasching aktiv ist und im vergangenen Jahr mit dem goldenen Schuh ausgezeichnet worden war, schüttete das Füllhorn des Lobes über die erste weibliche Preisträgerin aus. Der Laudator stieg auch in die Bütt, wo er sich als Meister des geschliffenen Wortes und der spitzen Zunge erwies. Mitunter zauberte er die Pointe aus der unterschiedlichen Bedeutung ein- und desselben Wortes: Angela Merkel wurde "zur Friedenstaube, in Journalen karikiert" Und Vladmir Putin? "Zum Friedenstauben, der den Frieden ignoriert."


Goldener Orden aus Schokolade


In diesem Jahr gab es den Orden nicht nur aus Metall, sondern auch aus "golden gegossener Schokolade". Dafür sorgte der Weismainer Konditormeister Franz Besold, der als witziger Zuckerbäcker die Lacher auf seiner Seite hatte. Windbeutel sind für ihn "nicht nur schön, groß und fein, sondern können ausgemerkelt sein", stellte er mit Blick auf Merkels "Wir schaffen das"-Politik fest. Gemeinsam mit seiner Frau Barbara und seinen beiden Söhnen Sebastian und Martin reaktivierte er den alten Faschingsgassenhauer über den Feldsalat. Während Marktfrau Barbara beim Gang durchs Publikum mit frischem Salat hungrige Münder stopfte, stillten ihre drei Männer den Appetit nach einem eingängigen Ohrwurm.

Gar seltsame Blüten trieben die Gedankengänge des Kronacher Unikums Wolfgang Baumann, der doch tatsächlich sein Hirn auf eine Reise durch Franken schickte, wobei einem - im positiven Sinne - der Stoßseufzer "Herr, lass Hirn vom Himmel regnen" einfiel.

Auch der Tanz kam bei der Prunksitzung nicht zu kurz. Dafür sorgten die Marschtanzgarden des MCC und des Staffelsteiner Karnevals-Klubs, die Rock'n'Roll-Tanzgruppe Kronach und die Weismainer Jugend, MCC-Tanzmariechen Melissa Freitag aus Marktzeuln sowie die drei Tanzmariechen von Schwarz-Weiß Bayreuth Franziska Späth, Eva-Maria Rauh und Ronja Keller. Sie alle waren bei atemberaubenden Sprüngen und perfekten Flickflacks in ihrem Element.

In magisches Schwarzlicht getaucht tanzten die "Crazy Birds" aus Erlangen über die Bühne. Auch das Prinzenpaar des MCC Rüdiger I. (Gust) und Andrea II. (Auring), beide aus Kasendorf waren mit dabei und gaben dem Tanz den Vorzug vor gereimten Worten. Nicht fehlen durfte bei der Prunksitzung, durch die souverän Christine Friedlein aus Kulmbach führte, das Weismainer Prinzenpaar Dietmar I. und Tatjana I. (beide Klinger). Die MCC-Hymne sangen Wolfgang Hartmann und Franziska Buß aus Neuenmarkt. Im Anschluss an den offiziellen Teil spielte das Musikduo "Frankentop" (Bernd Kern und Peter Birk aus dem Landkreis Kulmbach), das bereits die Prunksitzung umrahmt hatte, zum Tanz auf.


Thomas Nagel ein Senator

In die illustre Riege der Senatoren des MCC wurden von Senatspräsidentin Doris Riedel drei Persönlichkeiten aufgenommen, unter ihnen der Kulmbacher Stadt- und Kreisrat Thomas Nagel.

Bei der Prunksitzung herrschte närrisches Sprachengewirr: Bayreuth awaaf! Berlin Heijo! Bruck a Gaß! Kronach Dunnerkeil! Staffelstein ra ra ra! hallte es durch die Stadthalle und machte Weismain einen Abend lang zum Nabel der Narrenwelt - dem MCC sei Dank!