Die Kindertagesstätte am Lehenthaler Weg platzt aus allen Nähten. Deshalb mussten die Krippenkinder bereits umziehen und Räume in den sogenannten Postbauten beziehen. Und die Nachfrage steigt weiter: So ist schon von einer weiteren Gruppe die Rede.

Eine Grundsatzentscheidung

Hinzu kommt, dass das Kita-Gebäude in die Jahre gekommen ist. Erhebliche Sanierungsmaßnahmen sind notwendig. Vor diesem Hintergrund stehen die Verantwortlichen aus Stadt und katholischer Kirchenstiftung vor einer Grundsatzentscheidung: Was ergibt mehr Sinn: Die Sanierung und Erweiterung des bestehenden Gebäudes oder ein kompletter Neubau?

Das Gebäude ist Eigentum der katholischen Kirchenstiftung St. Michael Stadtsteinach. Unter diesem Aspekt steht zunächst einmal die Kirche in der Verantwortung, wenn es um die Finanzierung von Maßnahmen geht. Doch ganz so einfach verhält es sich nicht: Mit der politischen Gemeinde, also der Stadt Stadtsteinach, besteht ein Defizitvertrag. Endet das Wirtschaftsjahr der Kita mit einem Minus, so muss die Kommune die Lücke schließen - und zwar zu 100 Prozent.

Darüber hinaus ist es gängige Praxis, dass sich bei Baumaßnahmen Kirche und Stadt die anfallenden Kosten teilen. Insofern ist die Stadt mit eingebunden, wenn es darum geht, wie die Zukunft der Kindertagesstätte aussehen soll.

Dringender Handlungsbedarf

Und jetzt besteht dringender Handlungsbedarf. Die Immobilie ist 41 Jahre alt und längst nicht mehr auf Höhe der Zeit. Reparaturbedürftig sind Dach und Einzäunung. Auch die Heizung hat ihre besten Zeiten schon hinter sich. Um die Kinder aufnehmen zu können, müsste ein Anbau verwirklicht werden. Doch das Grundstück am Lehenthaler Weg gibt das kaum her. Im Stadtrat hat man sich hierüber bereits Gedanken gemacht - allerdings in zumeist nichtöffentlicher Sitzung.

Allerdings dürfte klar sein, dass eine grundlegende Sanierung nebst Anbau immense Kosten nach sich ziehen würde. Da liegt man rasch im Bereich zwischen 1,5 und zwei Millionen Euro. Bei einer zukunftsfähigen Lösung sollen auch die Kinder des Horts einbezogen werden. Sie sind im vergangenen Jahr ausgezogen - in ein Gebäude der ehemaligen Postbauten, das der Deckenreuther Unternehmer Benno Dressel erworben hat. Dort wurden Umbauten in Höhe von 200 000 Euro vorgenommen, um die Räume den Erfordernissen anzupassen. Bei dieser Lösung handelt es sich um ein zeitlich befristetes Provisorium. Wollten die Kinder, denen es in ihrer neuen Heimstatt gut gefällt, auf längere Sicht bleiben, wären weitere hohe Investitionen unvermeidbar. Unter den genannten Aspekten steht der Stadtrat vor einer grundsätzlichen Entscheidung: Die bestehende Kindertagesstätte erweitern und sanieren oder einen kompletten Neubau realisieren?

Alles noch nicht spruchreif

Die Freien Wähler brachten nach einem Ortstermin eine weitere Variante ins Spiel. Sie erwägten, die Kita komplett in die Postbauten auszulagern. Fraglich erscheint, ob dieser Vorschlag mehrheitsfähig ist, da weder Kirche noch Stadt Eigentümer der Liegenschaft sind. Zudem würde diese Lösung hohe Ausgaben nach sich ziehen.

In Abwägung aller Argumente ist es kein Wunder, dass viele in Richtung Neubau denken. Der böte dem Planer größere Gestaltungsfreiheit und die Möglichkeit, ein Gebäude nach dem neuesten Stand der Technik zu erstellen. Hinzu kommt, dass für einen Neubau eine weitaus bessere Förderkulisse besteht als für eine Erweiterung mit Sanierung. Deshalb ist es verständlich, dass im Stadtrat eine gewisse Tendenz zu einem komplett neuen Kindergarten vorherrscht. Das bestätigte Bürgermeister Roland Wolfrum (SPD) auf Anfrage der Redaktion. Er warb um Verständnis, dass er keinerlei Details nennen könne, da die Beratungen in nichtöffentlicher Sitzung erfolgt seien und daher eine Pflicht zur Geheimhaltung bestehe. Allerdings sei es klar, dass die Angelegenheit entschieden werden müsse, weil man für die Krippe an der Alten Pressecker Straße nur eine befristete Genehmigung habe. Die läuft in vier Jahren aus.

"Wir sind bemüht, eine zukunftssichere Lösung zu finden für Kindertagesstätte und die Krippe", versicherte Wolfrum. Das Gremium werde sich noch im alten Jahr mit dem Thema befassen.

Geeignetes Grundstück

Die Stadt steht in engem Austausch mit der katholischen Kirche. Nach unseren Informationen fand bereits eine Besprechung bei der Erzdiözese Bamberg statt, an der neben Wolfrum auch dessen Stellvertreter teilgenommen hatten. Dort gab es bereits Überlegungen zum potenziellen Standort eines neuen Kindergartens. Das bestätigte Kirchenpfleger Klaus Geier. Die Kirchenstiftung verfügt über ein geeignetes Grundstück, das mit einer Größe von rund einem Hektar üppig dimensioniert ist und damit viel Gestaltungsmöglichkeit bietet. Es liegt strategisch günstig zwischen den Heimgärten, Skater-Anlage und der Firma P+R. "Das Gelände befindet sich relativ nahe am Stadtkern und ist fußläufig gut zu erreichen", so der Kirchenpfleger. Geier sieht dort die Möglichkeit, eine großzügige Lösung zu realisieren.

Ein Wermutstropfen allerdings besteht: Die verkehrstechnische Erschließung. Sie sollte sinnvollerweise über die Brücke erfolgen, die das Gelände mit der Wehrstraße verbindet. Diese Konstruktion ist allerdings marode und nicht mehr tragfähig. Sie ist nur noch freigegeben für Fußgänger und Radler. Beim Bau eines Kindergartens müsste sie erneuert werden.