Es waren herrlich unbeschwerte Stunden, die der 34 Jahre alte russische Künstler Fedor (Name von der Redaktion geändert, um den Künstler zu schützen) vor der Corona-Pandemie beim Künstlersymposium "Focus Europa" in Neudrossenfeld verbracht hat. Fedor genoss das internationale Flair, knüpfte schnell Kontakte. Ihm gefiel es in Oberfranken. Aus diesem Grund nahm er auch am Künstlersymposium auf der Plassenburg teil und stellte im Schaufenster der Galeristin Monika Kotyba aus. Inzwischen ist Fedor wieder zu Hause - in Russland. Seine Bilder sind in Kulmbach geblieben.

"Ich habe mich gewehrt"

Doch jetzt erreichten Galeristin Marion Kotyba schlimme Nachrichten. "Ich möchte, dass alle wissen, dass ich zu den Protesten in Russland gegangen bin und dass ich mich gewehrt habe", schreibt Fedor der Kulmbacherin. Doch Kritik an der Kreml-Politik bleibt in Russland nicht ungesühnt. "Wir werden geschlagen und in Gefängnissen gefoltert. Es gibt nicht viele von uns. Ich habe Angst um mein Leben. In Russland gibt es Faschismus", schreibt der 34-Jährige, der nach Teilnahme an einer Demo inhaftiert war, aber wieder auf freiem Fuß ist.

Erlös für Ukraine-Flüchtlinge

Fedor hat die Kulmbacher Galeristin nun kontaktiert. Er möchte, dass all seine Bilder, die noch in Kulmbach sind, jetzt verkauft werden: Nicht, damit für ihn der Rubel rollt. Er will den kompletten Erlös für Flüchtlinge aus der Ukraine spenden. Der 34-Jährige schämt sich für die Gräueltaten, die Putin im Namen Russlands verüben lässt. Der Künstler verurteilt die "Militäroperation" und möchte sich nicht den Mund verbieten lassen. "In Russland sind 90 Prozent der Menschen der Propaganda zum Opfer gefallen. Alle sind verrückt geworden. Um ehrlich zu sein, fühle ich mich hier nicht wohl", schreibt Fedor. Die kuriosesten Narrative seien im russischen Fernsehen im Umlauf. So werde behauptet, dass die schrecklichen Bilder aus Butscha, die die Welt aktuell erschüttern, nur Kulisse seien, dass die Fotos der Leichen, die auf offener Straße liegen, "gefakt" seien. Die Propaganda im russischen Staatsfernsehen gehe sogar soweit, "dass behauptet wird, dass es sich bei den Leichenbildern um Schauspieler handeln würde und dass Videos existieren würden, in denen die Schauspieler nach dem Fotoshooting aufstehen". Doch diese Videos seien nirgends zu sehen.

"Er hat doch selbst nichts"

Galeristin Marion Kotyba war sichtlich gerührt von der Kontaktaufnahme des russischen Künstlers. "Als ich die Nachrichten bekam, hatte ich Gänsehaut. Er bräuchte doch selbst Geld. Er hat doch selbst nichts. Aber er spendet das Geld für die Menschen in der Ukraine", so Kotyba. Konkret geht es um drei großformatige Natur-Impressionen, um zwei zauberhafte Kulmbach-Bilder und um andere Naturbilder in den Formaten 60 mal 80 Zentimeter, 50 mal 70 Zentimeter, 60 mal 40 Zentimeter und 30 mal 24 Zentimeter. Die Preise für die Werke sollen zwischen 110 Euro und 3000 Euro liegen. "Ich hoffe, dass ein bisschen Geld für die Ukraine-Hilfe zusammenkommt", sagt die Galeristin. Und Kotyba hofft natürlich auch, dass sich die Kulmbacher Kunstfreunde spendabel zeigen.

Auf Verhandlungsbasis

Veräußert werden sollen die Bilder am 13. Mai um 18 Uhr. "Die Bilder sollen auf Verhandlungsbasis verkauft werden", so Kotyba. Und natürlich verzichtet auch sie auf ihre Provision. "Es geht ja um die gute Sache." Sie hofft, dass dem Künstler die Ausreise aus Russland gelingt.

"Putin ist nicht der Präsident, er ist ein Tyrann und Mörder. Den Russen zu vertrauen ist ein katastrophaler Fehler", schreibt Fedor, der verzweifelt ist. Er selbst sei des öfteren in der Ukraine gewesen. "Ich bin dort immer gut behandelt worden." Die Gräuel-Fotos, die in der freien Welt zu sehen sind, kennt er nicht. Die bekommt man in Russland nicht zu sehen. "Ich werde versuchen zu gehen. Ich bin mir aber nicht sicher, ob es klappen wird", sagt der Künstler.