Die Wildschweinrotte, die sich im aufgelassenen Basalt-Steinbruch am Paters berg häuslich eingerichtet hat, erlebt am Samstagmittag einen gehörigen Schrecken: Urplötzlich brechen Menschen ein in das grün überwucherte Idyll, das wohl schon lang kein Zweibeiner mehr betreten hat. Zur Beruhigung der Wildschweine ziehen die menschlichen Störenfriede rasch wieder ab - nicht minder froh darüber, dass die Begegnung glimpflich abgelaufen ist.

Mehr als 70 Menschen, die sich der Leserwanderung der Bayerischen Rundschau angeschlossen haben, bleiben im weiteren Verlauf des Tages von ähnlich aufregenden Begegnungen verschont. Stattdessen erleben sie eine reizvolle Strecke und erhalten von Robert Hirschmann, dem bestens vorbereiteten Wanderführer, eine Fülle von Informationen.

Eingeladen hatte die Bayerische Rundschau im Rahmen der derzeit laufenden Aktiv-Wochen. Angenommen haben die Einladung nicht nur Kulmbacher, sondern auch Leser der Schwesterzeitungen aus benachbarten Landkreisen. Ihnen präsentiert Robert Hirschmann ein nicht nur landschaftlich, sondern auch historisch und geologisch hochinteressantes Stück Kulmbach.

Die erste Etappe führt an der Dobrach entlang durchs Gründlein zur Schwedenschanze. Haben von dort aus die Schweden einst tatsächlich die Stadt Kulmbach belagert? Ein Gerücht, sagt Robert Hirschmann. Schon der Lage wegen: "Man hätte ja um die Ecke schießen müssen oder über den Berg." Aber immerhin: Oberhalb der markanten Felsformation sind noch die Reste einer rund 1000 Jahre alten Turmhügel-Anlage zu erkennen - ein Zeugnis der frühen Geschichte.


Geologische Besonderheit

Eine geologische Besonderheit liegt am Patersberg-Abhang oberhalb von Höfstätten: Hier befindet sich ein ehemaliger Vulkanschlot; erkaltete Magma ist bis an die Oberfläche gedrungen und wurde bis vor rund 100 Jahren dort abgebaut. Verwendung fand das Gestein vor allem im Straßen- und Wegebau. Heute ist der kleine Steinbruch aufgelassen, zugewachsen und so gut wie nicht begangen - was die bereits erwähnten Wildschweine zu schätzen wissen.

Den höchsten Punkt der gut zwölf Kilometer langen Strecke erreichen die Wanderer auf dem 528 Meter hohen Patersberg. Der Aussichtsturm wurde auf Initiative des Naturforschers Johann Apolonius Weltrich 1838 errichtet und trägt seinen Namen "Schau dich um" zu Recht: Von der Aussichtsplattform reicht der Blick zu den markanten Erhebungen von Frankenwald und Fichtelgebirge, zum Rauhen Kulm und weit hinaus in die Fränkische Schweiz.

Eine alte Karte zeigt, nach Wegstunden angeordnet, was vom Turm aus zu sehen ist. Es wäre schön, so meint Robert Hirschmann, wenn auf der Grundlage dieser Karte eine Panoramatafel entstünde, die den Besuchern erläutert, was sie von oben sehen.

Bei Oberdornlach erwartet die Wanderer eine kleine Brotzeit: Die Bäckerei Kreuzer und Bad Brambacher haben Laugenstangen und Getränke spendiert; die Rast etwa auf halber Strecke ist willkommen. Letzter markanter Punkt der Tour ist der Ameisenknock, der eigentlich "Am Eisenknock" heißen müsste: Im Jura-Gestein wurde hier einst Eisen abgebaut. Aber nicht das macht den Hügel so interessant. Vielmehr liegt wenige Meter weiter ein weiterer Hügel - und hier steht Buntsandstein an: Die so genannte Kulmbacher Verwerfung, eine gedachte Linie, entlang derer nach Verschiebungen in der Erdkruste Gesteinschichten aus ganz verschiedenen Erdzeitaltern auf einer Höhe liegen, zieht sich entlang des Wanderwegs.

Steil geht es nun hinunter nach Sackenreuth und von dort aus über Wiesenwege und den Radweg zurück zum Ausgangspunkt der Tour. Ein kleiner Regenschauer erwischt die Wanderer auf den letzten zwei Kilometern. Kein Problem: In Zeiten wie diesen ist man froh, wenigstens die Hauptstrecke trocken hinter sich gebracht zu haben.