Nicht nur Marketingstrategen, sondern auch Kommunalpolitiker handeln nach dem Motto "Tue Gutes und rede darüber". Ein Beispiel ist die Bewerbung Kulmbachs als Modellregion für mögliche Lockerungen im Corona-Lockdown. Erster war hier Kulmbachs Bürgermeister Frank Wilzok (CSU), der uns am 23. März informiert, dass er sich für das Modellprojekt stark mache. Bewerben kann er sich nicht - da braucht er OB oder Stadtrat.

Schon am Folgetag meldet sich Landtagsabgeordneter Rainer Ludwig (FW), der - nach Rücksprache mit Landrat Klaus Peter Söllner (ebenfalls FW) - längst eine Bewerbung eingereicht hat. Stolz berichtet er, er sei sicher einer der schnellsten gewesen - aber auch schneller als Wilzok!? Wieder einen Tag später lässt auch Kulmbachs OB Ingo Lehmann (SPD) wissen, dass er die Initiative für eine Bewerbung der Stadt unterstütze (was auch sonst?). Ob er nun die Wilzoks meint (der ihn jedenfalls nicht erwähnt hat) oder die Ludwigs (der ihn auch nicht erwähnt hat), wissen wir nicht.

Jedenfalls sichert kurz darauf die Kulmbacher SPD-Fraktion der "Initiative ihres OB" (die darin bestand, eine laufende Initiative zu unterstützen) ihre Unterstützung zu.

Nun nölt dann die FDP, dass sie (und viele andere) nicht eingebunden worden sei (ob sie sich geärgert hat, dass sie nicht selber auf die Idee gekommen ist?).

Anfang April unterstreicht dann der Landrat, dass man - gemeint hat er sicher erst(!) - mit der Teststrategie des Landkreises die notwendigen Voraussetzungen für die Bewerbung geschaffen habe.

Am Freitag haben alle (nur der Landrat durfte nicht unterschreiben, er wurde nur erwähnt) in trauter Einigkeit einen Brief an den Gesundheitsminister geschickt, in dem alle nochmals um Berücksichtigung Kulmbachs bitten.

Jetzt werden sich alle Erwähnten ärgern, uns wissen lassen, dass wir angesichts des Themas den nötigen Ernst vermissen lassen und nur ständig ihre wichtige Arbeit schlechtschreiben wollen.

Nein, wollen wir nicht. Aber dass es drei Wochen bis zu einem gemeinsamen Brief gedauert hat, darf man schon einmal nachzeichnen - sich freuen, dass er jetzt - endlich - abgeschickt wurde und die Daumen drücken.