Wenn der Tanklaster mit Flüssiggas vor dem Haus hält, weiß Peter Penning: Jetzt wird es kostspielig, aber muss ja... Mindestens 1100 Euro sind immer fällig, will der Ködnitzer sein Einfamilienhaus für einige Monate beheizen. So weit, so normal.

Dieses Mal aber fällt die Rechnung um 190 Euro höher aus als bisher - nicht zuletzt aufgrund der neuen CO 2 -Steuer (siehe Infobox). 46 Cent netto pro Liter muss der 66-Jährige berappen - und damit annähernd zehn Cent mehr als vor Jahresfrist. Er hat damit gerechnet. "Es ist bekannt, dass aufgrund der neuen Besteuerung fossiler Brennstoffe auch Gas stärker belastet wird. Ich kann immerhin sparen, indem ich bei Bedarf zusätzlich mit Holz schüre." Trotzdem wurden für die gezapften 3496 Liter schlappe 1931 Euro fällig.

Seit fast 40 Jahren hat der Ködnitzer Brenngas, wie es offiziell heißt. Sein Tank im Garten fasst 5000 Liter. "Damals, als wir das Haus gebaut haben, waren Öl oder Gas der Brennstoff der Wahl. An Pellets oder Wärmepumpe hat da noch keiner gedacht. Und als Landkreisgemeinde ohne Industrie war auch klar, dass wir seitens eines Versorgers auf lange Sicht keinen Ferngasanschluss werden bekommen können." So ist er angewiesen auf den Brennstoff Gas in Flüssigform - und an den Anbieter, von dem er seinen Leihtank gemietet hat. Und damit abhängig von dessen Preisen.

Preis kennt aktuell nur eine Richtung

Derzeit dreht sich die Preisspirale wieder kräftig, wie Online-Vergleichsportale zeigen. Laut Verivox steigen die Preise für Erdgas über den Großhandel seit Monaten. Dabei hatte es im Frühjahr 2020 - just mit Beginn der Corona-Krise - noch danach ausgesehen, als würde sich der Gaspreis verhältnismäßig günstig entwickeln. Peter Penning kann die Kalkulationen aus dieser Zeit anhand seiner Rechnungen nachzeichnen: Da stand der Preis knapp über 30 Cent/Liter (netto). Doch Anfang dieses Jahres erfolgte der Turnaround. Laut Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle sind die Gaspreise bis Juli um mehr als 40 Prozent gestiegen. Das treibt zeitgleich die Inflation, die nun die Vier-Prozent-Marke knackt.

Die Datensammler von Verivox rechnen nicht mit einer Entwarnung. Im Gegenteil: "Wir erwarten für diesen Herbst eine noch größere Gaspreiswelle", sagt Sprecher Thorsten Storck. 32 Gasanbieter, die unter die Lupe genommen wurden, haben Preiserhöhungen von durchschnittlich 12,6 Prozent angekündigt. Das trifft eine Menge Bürger, denn fast die Hälfte aller deutschen Haushalte heizt ihre Wohnungen und Häuser mit Gas, wie eine Erhebung des Bundeswirtschaftsministeriums ergibt.

"Keine Lieferprobleme"

Ein regionaler Verkäufer von Gas sind die Stadtwerke Kulmbach. Auch bei Werkleiter Stephan Pröschold landen die Anfragen besorgter Kunden. Immerhin könne er sicherstellen, dass es bei der mengenmäßigen Versorgung keine Probleme gebe. "Wegen des außerordentlich gut ausgebauten Erdgasnetzes erwarten wir auch im Winter keine Lieferprobleme."

Richtig sei aber, dass der Erdgaspreis (korrekt heißt es: der börsennotierte Energiepreisanteil des Erdgaspreises) enorm angestiegen ist. Hier spielten, unter anderem aufgrund des langen und kalten Winters 2020/2021, niedrige Speicherfüllstände eine Rolle. Auch die schnellere Erholung asiatischer Märkte in der Corona-Pandemie gegenüber Europa wirke sich aus, da in Folge des dort höheren Preises Tanker bevorzugt zunächst nach Asien und nicht nach Europa führen. Und letztlich spiele die fertiggestellte, aber noch nicht freigegebene Tiefsee-Pipeline Nord Stream 2 eine Rolle, "da von Russland wohl geringere Kapazitäten in der Gasleitung über die Ukraine gebucht wurden".

Die Stadtwerke haben, so Pröschold, bereits vor dem Preisanstieg größere Teile der für nächstes Jahr benötigten Mengen zu "noch günstigen Preisen" gekauft. "So sind zwar auch wir mit der Beschaffung der Restmengen von dem Anstieg betroffen, aber nicht so stark."

Alternativen sind vorhanden

Energieberater weisen auf die Möglichkeit einer Heizungsumstellung hin. Als Beispiel nennt Jürgen Ramming von der Energieagentur Oberfranken Holzpellets, die als nahezu klimaneutraler Brennstoff gelten und auf den keine CO 2 -Abgabe erhoben wird. "Wenn sowieso eine Neuanschaffung angedacht ist, dann sind Pellets eine gute Option."

Zu überlegen sei zudem der Einbau einer Wärmepumpe. Wobei nicht pauschal zu beantworten ist, was besser sei, das müsse jeder im Einzelfall entscheiden. "Bei Pellets braucht man zusätzlichen Platz für die Lagerung des Brennstoffs. Bei der Wärmepumpe kommt es darauf an, ob womöglich eine PV-Anlage eigenen Strom erzeugen kann, der mitverwendet wird", sagt Ramming. Zudem sollte man auf die Vorlauftemperaturen im Heizzyklus achten: je niedriger, etwa bei einer Fußbodenheizung, desto günstiger. Und der Zustand des Gebäudes spiele bei der Berechnung der Effizienz eine große Rolle.

Während beim Strom die Frage nach dem Tarif entscheidend ist (immerhin sinkt - als Entlastung der Bürger - die EEG-Umlage in den nächsten Jahren kontinuierlich), schlagen sich beim Preisvergleich die hölzernen Energiesticks dauerhaft gut. Im Rückblick der vergangenen fünf Jahre waren laut Branchenverband Pellets gegenüber Erdgas 25 Prozent kostengünstiger, gegenüber Heizöl machte der Vorteil noch 15 Prozent aus. Pelletsanbieter gehen davon aus, dass sich dieses Verhältnis durch die jährlich steigende Klima-Abgabe weiter zugunsten des Brennstoffes Holz verschieben wird. Aktuell kostet eine Tonne Pellets rund 225 Euro (ohne Steuer). Um ein Einfamilienhaus zu beheizen, sind im Schnitt - und je nach energetischem Zustand - zwischen drei und sieben Tonnen nötig.

Es war schon wesentlich teurer

Peter Penning hat bereits mit einer Umstellung des Heizsystems geliebäugelt, ist aber dem Gas treu geblieben. Er hofft auf bessere Zeiten. Seine Rechnungen hat er lückenlos aufgehoben und kann deswegen dokumentieren: Der Brennstoff hat ihn schon wesentlich mehr gekostet als aktuell: Vor zehn Jahren rief sein Versorger stolze 57 Cent netto pro Liter auf. Und damals stand eine CO 2 -Abgabe noch in den Sternen.

So berechnet sich die CO 2 -Steuer pro Kilowattstunde

Laut Umweltbundesamt stößt eine moderne Gasheizung pro Kilowattstunde (kWh) 202 Gramm Kohlendioxid aus, daher liegen die Emissionen bei einem (für ein älteres Einfamilienhaus typischen) Verbrauch von 20000 Kilowattstunden im Jahr bei rund vier Tonnen CO 2 . 2021 fallen dafür 120 Euro Mehrkosten an; die setzen sich zusammen aus den 25 Euro CO 2 -Preis plus 19 Prozent Mehrwertsteuer. In vier Jahren wären es laut dieser Rechnung rund 264 Euro. Wer mit Öl heizt, muss (noch) mehr abdrücken. Das liegt am höheren CO 2 -Ausstoß des Brennstoffs: 266 Gramm pro Kilowattstunde klimaschädliches Gas kommen hier zusammen. Beim angenommenen Verbrauch von 20000 kWh (umgerechnet 2000 Liter) sind das kumuliert 5,3 Tonnen. Folglich muss der Ölheizer dieses Jahr geschätzt 158 Euro mehr bezahlen, 2025 wäre es bereits das Doppelte.