Jenny Hugel (35) aus Gössmannsreuth hatte morgens ihrem Pferd, das in Sanspareil steht, einem Besuch abgestattet. Auf dem Weg von Sanspareil nach Hause begegnete ihr ein herrenloses Pony - mitten auf der Straße. Das Pony war ziemlich frech und übermütig. Gemeinsam mit ihrem Freund fing Jenny Hugel das Pony ein und führte es nach Gössmanssreuth. "Wir haben überall rumgefragt, wem das Pony gehören könnte", erzählt die 35-Jährige. In Rottlersreuth hat sie die Besitzerin schließlich ausfindig gemacht.
"Ja, das Pony gehört uns", freute sich Hanna Wachter vom Erlebnisbauernhof "Kunterbunt". Tatsächlich hatte Hanna Wachter ihr Pony keine fünf Minuten aus den Augen gelassen. "Wir haben Dexter erst seit November", berichtet sie. Das zehnjährige Shetland-Pony ist ziemlich dickköpfig und liebt es, draußen herum zu tollen. "Weil es so kalt war, blieb Dexter gestern im Stall. Heute habe ich ihn raus, habe ihn an ein Seil angebunden, so dass er richtig viel Freilauf hat", erzählt die Erlebnisbäuerin. Doch nach nur fünf Minuten war Dexter weg. "Ich habe seine Spuren verfolgt, aber er war schneller - ich habe ihn nicht mehr gefunden", erzählt Wachter.


Erlösender Anruf

Als sie dann aus Gössmannsreuth den Anruf bekam, dass das Pony gefunden wurde, fiel Hanna Wachter ein Stein vom Herzen. Die Landwirtin vom Erlebnishof organisierte schnell einen Pferdeanhänger und holte höchstpersönlich das freiheitsliebende Pony wieder ab.
Tatsächlich machte Dexter nicht zum ersten Mal Kapriolen. Schon einmal ist er ausgerissen: Damals wurde er in Leuchau aufgegriffen und wieder nach Hause gebracht. Diesmal kam er nur bis nach Gössmannsreuth, legte immerhin fünf Kilometer zurück.
Das Pony wird seinen Ausflug wohl in guter Erinnerung behalten. Es wurde in Gössmannsreuth gleich mit Wasser, Pferdefutter und Leckerlis versorgt. Auch Jenny Hugels elfjährige Tochter Sandy verstand sich auf Anhieb mit Dexter. "Der ist ja ganz süß", war sie begeistert.
Das Shetlandpony war von dem weiten Ausflug ganz schön geschafft, gähnte immer wieder und ließ sich brav in den Hänger verfrachten.
Die Polizei Kulmbach wurde wegen der kuriosen Fundsache übrigens nicht eingeschaltet, Radio Plassenburg dagegen schon. "Wenn die Leute sich mit Ponys auskennen und es - wie in diesem Fall - selbst einfangen und unterstellen können, ist das natürlich ganz ideal für uns", sagt Harald Hufgard von der Polizei in Kulmbach. "Wir haben allerdings auch schon Ponys einfangen müssen, auch andere Tiere. Wir haben eine Leine da. Normalerweise stellen wir Ponys oder Pferde dann erst einmal bei einem Bauern unter und machen uns dann auf die Suche nach den Besitzern." Auch Polizist Harald Hufgard freute sich, dass Dexter wieder an seinen rechtmäßigen Besitzer vermittelt werden konnte. Eine Geschichte mit Happy End.