"Es geht um die Existenz vieler Betriebe, vieler bäuerlicher Familien und um den Erhalt unserer Dörfer", sagte Kreisobmann Wilfried Löwinger beim Schirradorfer Bauerntag. Löwinger konnte wenige Lichtblicke erkennen. Die Exporte, etwa nach China, seien eingebrochen, das Russland-Embargo bestehe immer noch, dazu kämen die Krisen im Nahen Osten. "Unsere Bauern können dafür nichts", sagte Löwinger. Gleichzeitig genieße die Bevölkerung in Europa eine nie dagewesene Fülle an Lebensmitteln in den Regalen der Discounter. Aber diese Ernährungssicherheit habe ihren Preis, sagte er. Zum Nulltarif gehe dies nicht.

Von der Politik forderte Löwinger, dass sie Gelder kurzfristig und unbürokratisch in die Hand nimmt, um die landwirtschaftlichen Betriebe zu stützen.
"Bei der Bankenkrise wurden Milliarden ausgegeben, bei der Krise der Automobilindustrie wurde die Abwrackprämie eingeführt, da muss doch auch der Landwirtschaft geholfen werden", so der Kreisobmann. Er forderte ein Ende der Preisschlachten mit Lebensmitteln in den Supermärkten und nahm auch die Verbraucher in die Pflicht, denn hochwertige Lebensmittel müssten nun mal ihren Preis haben.
Die Landwirtschaft dürfe vor allem auch nicht als "Watschenonkel der Nation" missbraucht werden, sagte Hauptredner Peter Bleser, Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium.


"Völlig absurde Diskussionen"

Er kreidete vor allem die Arbeit von Umweltverbänden und die Einstellung mancher Parteien an, die teilweise völlig absurde Diskussionen führten. "Wir werden keine gesellschaftliche Stigmatisierung zulassen", sagte Bleser, der nach eigenen Worten bereits im Alter von 16 Jahren den elterlichen Hof im rheinland-pfälzischen Brachtendorf übernommen hatte und der bereits seit 1990 Mitglied des Deutschen Bundestages ist.

Höchster Anspruch der Landwirte sei es, qualitativ sichere Lebensmittel zu produzieren. Diese Sicherheit und Qualität der deutschen Lebensmittel sei weltweit anerkannt, der Tierschutz werde nirgends überboten. Deshalb müsse auch die Produktion im Land bleiben. Den Bauern müsse es dabei aber gelingen, die Menschen von ihrer Arbeit zu überzeugen. "Die Politik kann nichts machen, wenn es die Bevölkerung nicht mitträgt. Einfach sei dies freilich nicht bei einer Bevölkerung, die keinen Hunger mehr kennt.


Kritik an "Regulierungswut"

Zuvor hatte Edwin Nicklas, Chef des gleichnamigen Landtechnikunternehmens in Schirradorf, ein düsteres Bild von der Landwirtschaft gezeichnet. Seit mittlerweile gut einem Jahr seien die Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse katastrophal, gegengesteuert werde aber nicht, sagte er. Stattdessen, lege die Politik immer noch etwas drauf. Diese Regulierungswut stelle viele landwirtschaftliche Familienbetriebe vor große Probleme. "Wenn ein Milchviehstall erst einmal ausgeräumt ist, dann fängt da niemand mehr an", so Nicklas. Die Landtechnikbranche spüre dieses Desaster bereits in einer nachlassenden Investitionsbereitschaft.

Mit den derzeitigen Preisen, gerade bei Milch und Schweinefleisch könne jedenfalls kein Bauer mehr auskommen, sagte Landrat Klaus Peter Söllner. Gerade für die kleinstrukturierte Landwirtschaft in den hiesigen Breiten sei die Reglementierungswut der Politik ein Riesenproblem.

Staatssekretär Bleser zeigte sich aber trotzdem felsenfest davon überzeugt, dass es auch in hundert oder 200 Jahren noch Bauern geben werde, denn "Landwirtschaft ist Leben, und ohne Bauern gibt es kein Leben".