Wie ist das Klima im Gemeinderat? Wie stellen sich die Bürgermeister-Kandidaten die Zusammenarbeit im Gremium vor? Wie viele Dienstaufsichtsbeschwerden hat Bürgermeister Volker Schmiechen schon erhalten? Fragen, die Moderator und BR-Redaktionsleiter Alexander Müller bei der Podiumsdiskussion in der Schulturnhalle stellte. Fragen, die beim SPD-Amtsinhaber sowie den Herausforderern Helmut Bergmann (FW-WGU) und Harald Kleiber (UBG) durchaus unterschiedliche Reaktionen hervorriefen. Rund 200 Besucher verfolgten die Debatte am Dienstag gespannt und teils amüsiert.

"Wenn man seine Meinung sagt und die anders ist als die des Gemeinderats, hat das nichts mit Unfrieden zu tun", erklärte Bergmann. Für ihn gebe es keinen Unfrieden in Untersteinach. Er sprach sich dafür aus, den Gemeinderat mit jungen Leuten zu besetzen und alte Zöpfe abzuschneiden. "Es sollte kein Kandidat über 50 Jahren rein", sagte er und sorgte damit angesichts seines Alters von 70 Jahren für Erheiterung. Für Bergmann ist das allerdings kein Widerspruch - er wolle ja schließlich Bürgermeister werden. Hintergrund der 50-Jahre-Grenze: Jüngere Gemeinderäte würden zukunftsgerichteter entscheiden.

Harald Kleiber zufolge ist das Verhältnis im Gemeinderat besser geworden und habe sich normalisiert. "Bei der Trennung einer Gruppierung war es eher schwierig." Inzwischen würden viele Beschlüsse wieder einstimmig gefasst. Dass er als Kämmerer der Verwaltungsgemeinschaft Untersteinach gegen seinen Dienstherrn antritt, sieht er weder als "Meuterei" noch als Problem. "Ich bin studierter Diplom-Verwaltungswirt und will mein Wissen in den Dienst der Gemeinde stellen. Da kann von einer Palastrevolution keine Rede sein."

Das bestätigte auch Volker Schmiechen. "Wir haben ein kollegiales Verhältnis. Unsere Zusammenarbeit hat sich nicht verändert."

Der Amtsinhaber erklärte, dass die Gemeinderatssitzungen inzwischen konstruktiv, manchmal aber langatmig verliefen. Das liege mitunter daran, dass sich Räte nicht richtig auf die Treffen vorbereiten. "Sie müssen sich halt die Unterlagen vorher anschauen."

Thema Dienstaufsichtsbeschwerden: Wie viele Schmiechen schon erhalten hat, das kann er gar nicht mehr sagen. "Drei Dutzend reichen jedenfalls nicht." Wobei er das nicht auf eine flächendeckende Unzufriedenheit zurückführt: "Das kommt immer von den gleichen zwei, drei Leuten." Und selbst Kleiber gestand: "Ich hab' auch schon welche bekommen." Bergmann räumte ein, dass es ihm nicht gefallen würde, wenn er als Bürgermeister ständig mit solchen Beschwerden zu tun hätte.

Ferner ging es um den Vorwurf, es werde zu viel hinter verschlossenen Türen beraten. Doch das wies Schmiechen von sich und erhielt dabei Rückendeckung von Harald Kleiber: "Das, was öffentlich behandelt werden muss und was nichtöffentlich, ist eindeutig in der Gemeindeordnung geregelt." Zudem habe jeder Gemeinderat zu Beginn einer Sitzung die Möglichkeit, den Antrag zu stellen, einen Punkt aus der nichtöffentlichen in die öffentliche Sitzung zu verlegen.

Zudem wollte Moderator Müller von den Kandidaten wissen, wen sie im Falle einer Stichwahl unterstützen würden. Die Antworten von Bergmann und Kleiber fielen kurz aus: keinen. Schmiechen sagte: "Ich gehe davon aus, mindestens 51 Prozent zu bekommen."

"Ich bin froh, dass sie da ist. Aber ich bin auch überrascht, dass sie so groß geworden ist." Sogar Bürgermeister Volker Schmiechen (SPD) staunte über die Dimensionen der Ortsumgehung von Untersteinach. Ob die Straße eine Chance für die Geschäftswelt ist oder der Ort verwaist, darüber wurde auf dem Podium seitens der Bürgermeister-Kandidaten lebhaft diskutiert.

"Kein Freund der Umgehung" ist Helmut Bergmann (FW-WGU). Grund: "Die ist für Untersteinach fünf Nummern zu groß." Bei Luftbildern könne man denken, es handele sich ums Frankfurter Kreuz. Seiner Ansicht nach werde es für die Geschäftswelt schwieriger, wenn die Straße einmal freigegeben ist und der Verkehr am Ort vorbeifließe. "Wer an Untersteinach vorbeifährt, der kauft da nicht ein", sagte er.

Bürgermeister Schmiechen dagegen zeigte sich überzeugt davon, dass die Leute weiter in den Untersteinacher Geschäften einkaufen, "wenn die Qualität passt. Dafür fahren die Kunden schon von der Umgehung ab".

Ein großer Vorteil in den Augen von Schmiechen ist der Umstand, dass die Ortsdurchfahrt ("wie eine Autobahn") in das Eigentum der Gemeinde übergehen wird und zurückgebaut werden kann. Dazu regte er eine Zusammenarbeit von Bürgern und Gartenbauverein mit den Gemeinderäten an. Der Asphalt solle verschwinden, viel Grün kommen. Sprich: "Wir wollen den Ortskern liebenswert machen."

Das wäre auch ein Ziel von Harald Kleiber (UBG), der als Anlieger selbst betroffen von der vielbefahrenen Bundesstraße durch den Ort ist. Wenn die Umgehung freigegeben sei und der Verkehr durch den Ort nachgelassen habe, könne man weitere Maßnahmen zur Beruhigung treffen, zum Beispiel durch Tempo 30-Beschränkungen und Anpflanzungen, schlug er vor.

Eine kleine Einkaufsmeile?

Zugleich müsse man schauen, wie man die leerstehenden Gastwirtschaften entwickeln und Drogeriemärkte ansiedeln kann. "Vielleicht kann man eine kleine Einkaufsmeile hinbekommen", erklärte Kleiber.

Gar nicht begeistert davon, die aufwendig sanierte Straße zurückzubauen, ist Helmut Bergmann. "Die Leute wollen doch weiter dort fahren." Um mehr Grün an die Ortsdurchfahrt zu bekommen, sah er auch die Grundstücksanlieger in der Pflicht. Kleibers Vision einer Einkaufsmeile erteilte er eine klare Absage: "Das wird nie eine werden."

Volker Schmiechen sagte, dass auch die Einzelhändler und Gastwirte eine Verantwortung haben. "Wenn ich ein Wirtshaus betreibe und nur sehr eingeschränkte Öffnungszeiten habe, dann muss ich mich nicht wundern ..."

Die Diskussion zu diesem Thema beendete schließlich ein Wortbeitrag aus dem Publikum. Jörg Ehrhardt erklärte zum Themenblock Umgehung und Geschäftswelt: "Ich finde die Umgehung zwar auch groß. Aber es gibt viele Orte mit Umgehungsstraßen, die nicht ausgestorben sind. Wenn jeder in seinem Ort einkaufen würde, könnten alle Geschäfte gut leben."