Es bleibt nach wie vor ein Rätsel, wie der kleine Paul aus der Ludwigschorgaster Kindertagesstätte ausbüxen und in der Folge auf einem Nachbargrundstück in einem Wasserauffangbecken ertrinken konnte. Hat der Zweijährige einen Weg durch den Maschendrahtzaun gefunden, der das Tagesstättengrundstück abgrenzt? Ist es ihm irgendwie gelungen, über den Zaun zu klettern? Fragen, auf die noch keine Antworten gefunden wurden.

Kein Loch im Zaun

Die Tragödie hatte sich am 20. Juli ereignet und nicht nur in Ludwigschorgast für große Trauer gesorgt. Die Ermittler haben das Areal genauestens unter die Lupe genommen. Sie haben, so teilte ein Polizeisprecher wenige Tage später mit, kein Loch entdeckt, durch das der Zweijährige hätte hindurchschlüpfen können. Wie Leitender Oberstaatsanwalt Martin Dippold gestern auf Nachfrage der Bayerischen Rundschau mitteilte, laufen die Ermittlungen nach wie vor. Es sei damit zu rechnen, dass erste Ergebnisse in vier bis sechs Wochen veröffentlicht werden können.

Es wird weiter ermittelt

Untersucht werde unter anderem, ob es eine Verletzung der Verkehrssicherungspflicht gegeben habe, ob die Tagesstätte nicht richtig abgesichert gewesen sei. Eine Frage, die sich den Ermittlern auch stellt: Haben die drei Erzieherinnen, die die Kindergruppe um den kleinen Paul betreut haben, ihre Aufsichtspflicht verletzt? "Auch das wird geprüft. Es wird deshalb wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung ermittelt", so Martin Dippold.

Keine Rettung

Die Erzieherinnen hatten, nachdem das Verschwinden des kleinen Jungen bemerkt worden war, zusammen mit Kindern und Privatpersonen nach Paul gesucht. Der Zweijährige wurde auf dem Nachbargrundstück leblos in dem Wasserbecken aufgefunden. Versuche der Ersthelfer, ihn zu reanimieren, blieben ohne Erfolg.

Das sagt der Jurist

Der Kulmbacher Rechtsanwalt Alexander Schmidtgall vertritt die Erzieherin, die speziell für die Betreuung von Paul zuständig war. Im Gespräch mit unserer Zeitung warnt der Jurist vor vorschnellen Vorverurteilungen. Man müsse abwarten, was die Ermittlungen ergeben, ob seiner Mandantin oder einer ihrer Kolleginnen ein Verstoß gegen die Sorgfaltspflicht vorgeworfen werden könne. Es sei dann aber auch die Frage, "ob ein möglicher Fehler ursächlich für den Tod des kleinen Jungen war".

"Furchtbare Geschichte"

Es sei eine "furchtbare Geschichte", die sich in Ludwigschorgast ereignet habe, erklärt der Jurist, der eine Verkettung vieler unglücklicher Umstände sieht, die letztlich dazu geführt haben, dass das Kind ertrunken ist.

Schmerz und Schuld

Keiner könne ermessen, welchen Schmerz den Eltern zugefügt worden sei, welches Leid sie durch den Verlust des Kindes ertragen müssen, so Alexander Schmidtgall.

Bei den Erzieherinnen sieht er nicht nur die Frage der juristischen Bewertung. Auch für seine Mandatin, die nach wie vor krankgeschrieben sei, sei es eine große Tragödie. "Die moralische Schuld wird sie bis an ihr Lebensende begleiten."