Kröll punktete mit oberbayerischer Gelassenheit und Charme. Seit neun Jahren steht der Feldkirchener mit einem eigenen Kabarettprogramm auf der Bühne. Beim Kulmbacher Brettla punktete er mit Wortwitz und musikalischen Einlagen.

Das Fazit des Abends: Bayerischer Charme kommt auch in Oberfranken an, vor allem dann, wenn man die Metropolregion München, die allzu stolzen Oberbayern auf die Schippe nimmt. Stefan Kröll präsentierte bei seinem Auftritt Auszüge aus seinem aktuellen Programm "Gruam - Bayern von unten". Er blickte auf saukomische Art in die Welt der Mythen und des Aberglaubens und erzählte von modernen Abgründen.


Die Ingwerisierung Münchens

Die Zusammenhänge, die er herstellte, gefielen dem Publikum. Denn Stefan Kröll unterschied sich deutlich von den anderen Kandidaten: Er schaffte es, einen Bogen zwischen alten Legenden, Aberglauben und modernen Zeiterscheinungen zu schlagen und er sorgte in jedem Themenbereich, den er ansprach, für Lacher. So brauche sich München aktuell nicht wegen einer möglichen Islamisierung sorgen, sondern schon eher wegen einer Ingwerisierung, ausgelöst von Sternekoch Alfons Schuhbeck, frotzelte er.

Stefan Kröll deutete seine Gags nur an - und begeisterte durch seine Punktierung. Ein Witz folgte dem nächsten. Zwischendurch setzte er sich ans Piano, sang beispielsweise "Riders on the storm" und hatte sich für diesen Megahit der Kultband "Doors" einen eigenen Text über einsame Mountainbike-Fahrer über 40, mit Hightech-Ausrüstung ausgedacht. Er witzelte über U-Bahn-Begegnungen mit Skinheads und der Einkaufsunlust der Männer, ging auf die Legende der Trud in Niederbayern ein und enthüllte, dass Fahrschüler im Bayerischen Wald - wegen der Rehunfälle - am Ende ihrer Prüfung unter Beweis stellen müssen, dass sie ein Reh ausnehmen können.

Ganz unaufgeregt holte sich der gelernte Schreiner, der seit neun Jahren auf der Bühne steht, den Kleinkunstpreis des Kulmbacher Brettla. Er stach die anderen Teilnehmer um Längen aus und konnte 343 Punkte auf seinem Konto verbuchen. Damit hatte er mehr als hundert Punkte Vorsprung auf den Zweitplatzierten, den Kabarettisten Henning Schmidtke. Schmidtke, der immerhin noch ein Preisgeld in Höhe von 600 Euro mit nach Hause nehmen durfte, setzte in seiner Präsentation ebenfalls auf einer Mischung aus bissigen Frotzeleien und musikalischem Kabarett. Er trat als erster auf. Allerdings hatte sein Programm am Anfang Längen.


Kölsch kam nicht so gut an

Bei den Auftritten im Kulmbacher Brettla bewarben sich zudem Nora Boeckler und Sertac Mutlu (beide wurden mit einem Preis in Höhe von 300 Euro belohnt) um den begehrten Kleinkunst-Preis. Nora Boeckler begeisterte mit schwäbischem Witz. Sertac Mutlu konzentrierte sich auf Probleme mit seinem Namen, mit seiner Figur und konnte weniger punkten. Der Kölsche Einschlag seines Humors gefielen weniger.

In der vierten Runde des Kulmbacher Kleinkunst-Preises gab es keine Vorrunden. Manfred Spindler, der Moderator des Abends, betonte, dass sich eine Jury vorab auf vier potenzielle Kandidaten geeinigt habe. Tatsächlich war die Auswahl der Juroren überaus gelungen und kurzweilig.
Der Sieger ließ den Abend mit einer witzigen Zugabe ausklingen und machte so manchem Zuschauer Lust auf sein gesamtes Programm über die Abgründe Bayerns.