Die Natur hat den Kulmbacher Güterbahnhof, der seit vielen Jahren brach liegt, zurückerobert: Das alte Schotterbett, üppiger Bewuchs zwischen den Gleisen wurden längst von Tieren in Beschlag genommen, die streng geschützt sind: Die Mauereidechse und die Schlingnatter sind heimisch geworden.


LBV sieht es kritisch

Pläne, auf dem verlassenen Areal einen großen Universitäts-Campus zu errichten, sieht der Landesbund für Vogelschutz (LBV) kritisch, wie Ralph Pfeiffer, stellvertretender Vorsitzender der Kreisgruppe Kulmbach, deutlich macht. Pfeiffer weiß, dass Gleise bereits zurückgebaut, in diesem Zug auch Ausgleichsflächen geschaffen wurden. Dass die Population - er spricht von mehreren Hundert Exemplaren der Mauereidechse - weitere bauliche Eingriffe überstehen würde, bezweifelt er aber. Grundsätzlich begrüße man, dass nicht auf der grünen Wiese im Außenbereich, sondern auf einer innerstädtischen Brachfläche gebaut werden soll. Sollte der innerstädtische Trockenstandort Campus werden, müssten aber Ersatzflächen geschaffen werden, um den Kriechtieren eine Überlebenschance zu bieten.


Stadt ist nicht der Besitzer

Noch gehört das Areal der Brauerei, die selbst einmal Pläne hatte, auf dem Güterbahnhof einen Übergang zwischen den Braustätten EKU und Kulmbacher zu errichten. Dass die Fläche schon untersucht worden ist, als die Bahn das Gelände verkauft hat, stellt Alexander Kusche von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt fest. Die Mauereidechse, die nach FFH-Richtlinien streng geschützt sei, sei damals von einem Spezialisten ebenso kartiert worden wie die Schlingnatter. Schadstoffbelasteter Schotter wie auch Gleisschwellen seien schon beseitigt, Ausgleichsflächen geschaffen worden.

Die Mauereidechse wird wohl kein K.O.-Kriterium für die Pläne der Stadt Kulmbach sein, dort einen Campus zu errichten, ist Kusche überzeugt. "Es wird kein Schutzgebiet werden." Die Pläne der Stadt kenne er nicht, doch werde das riesige Areal sicher nicht komplett bebaut.


"Tiere sind anpassungsfähig"

Platz für die Tiere gebe es genug. "Mauereidechsen sind sehr anpassungsfähig", so Kusche. In Trockenbeeten, Kiesstreifen, aber auch in Steinbrocken oder Mauerresten würden diese einen Unterschlupf finden. "Der Schutz der Tiere ist ein Punkt, der ebenso wie mögliche Altlasten zu beachten ist, wenn es zu einer Bebauung kommen sollte", erklärt der Sprecher der Unteren Naturschutzbehörde.


Kommission prüft

Dass das Areal im Besitz der Kulmbacher Brauerei ist und noch überhaupt keine Entscheidung getroffen wurde, wo der Campus realisiert werden soll, stellt Oberbürgermeister Henry Schramm (CSU) fest.
Eine Kommission von Stadt Kulmbach, Universität Bayreuth und Ministerium sei auf der Suche nach einem geeigneten Standort. Und wo letztlich auch gebaut werde, würden wie bei jedem Projekt der Stadt Kulmbach natürlich auch die naturschutzrechtlichen Belange berücksichtigt, so der Oberbürgermeister.