Braucht ein Wirtshaus einen Wirt? "Ja", sagt Michael Kaim, der neue Vorstand der Drossenfelder Bräuwerck AG, der sich mittelfristig auch für die Brauereigaststätte in der Neudrossenfelder Ledergasse einen "Kapitän" wünscht. "Wenn diese Geld abwirft und es möglich ist, sie eigenständig zu betreiben", betont Kaim, der einst Vorstand der Sparkasse Kulmbach-Kronach war und jetzt die Aktiengesellschaft flott machen will. Der 60-jährige Neudrossenfelder ist Nachfolger von Rainer Schimpf (siehe "Der Führungswechsel").


Nicht über dem Berg

Vier Jahre nach ihrer Gründung steckt bei der AG noch mächtig Sand im Getriebe. "Wir sind noch lange nicht über dem Berg", hat ein Kleinaktionär gesagt. Michael Kaim macht keinen Hehl daraus, dass er ein sehr schwieriges Amt übernommen hat, das Ruder schnellstmöglich herumgerissen werden muss. Zwar konnte der Jahresfehlbetrag 2016 auf 25 000 Euro (Vorjahr: 75 000 Euro) reduziert werden, doch wurden auch diesmal die Abschreibungen nicht ganz erwirtschaftet. "Mit einem Cash-Flow von 15 000 Euro hatte die AG zumindest keinen Liquiditätsabfluss", sagt Finanzexperte Kaim, führt jedoch an: "Wir müssen unsere Abschreibungen schnellstmöglich verdienen. Denn die Zeit läuft weiter. Es werden ja auch wieder neue Investitionen nötig sein."


Ziel: Umsatz schnellstmöglich steigern

Der Umsatz, der 2016 bei rund 600 000 Euro lag, müsse dringend gesteigert werden. Es müssten mehr Veranstaltungen durchgeführt und damit mehr Besucher ins Bräuwerck gelockt werden. Es gelte auch, den Außer-Haus-Verkauf des Bieres zu forcieren. In der Brauerei gebe es, so der neue Vorstand, genug Kapazitäten. "Wir könnten 1200 Hektoliter im Jahr brauen, haben 2016 aber nur 420 Hektoliter verkauft. Da ist noch genügend Luft nach oben", sagt Kaim, der das "anerkannt gute Bier" nicht nur in mehr Getränke- und Einkaufsmärkten anbieten, sondern auch Gaststätten beliefern will. "Wenn in anderen Wirtshäusern unser Bier ausgeschenkt wird, dann ist das doch für uns eine gute Werbung."
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Eine große Last

ine große Last seinen die hohen Personalkosten. Neun Festangestellte und 16 Mitarbeiter, die geringfügig beschäftigt sind, zählt das Bräuwerck. Die Personalkosten lagen im vergangenen Jahr bei 340  000 Euro. "Das sind 55,4 Prozent des Umsatzes. Branchenüblich sind maximal 45 Prozent", teilt Kaim mit. Änderungen seien erforderlich, die aber nicht mit einem Personalabbau einhergehen müssten. Es gelte, die Mitarbeiter effektiver einzusetzen.


Viele Baustellen

Baustellen habe das Bräuwerck genug. Michael Kaim spricht die Parkplatzproblematik, aber auch die Beschwerden von Nachbarn an, die über eine Geruchs- wie auch Lärmbelästigung klagen. Er werde auf die Anwohner zugehen, sich deren Anliegen anhören, um nach Lösungen zu suchen, so der Vorstand, der nicht länger als drei Jahre im Amt bleiben wird. "Das steht für mich fest."


208 die schwarze Null?

Er wolle das Bräuwerck in der Zeit voranbringen und die Führung der AG dann "mit gutem Gewissen in andere Hände geben", so Kaim, der weiß, dass das kein leichtes Unterfangen sein wird. Auch 2017 ist alles andere als rosig angelaufen. Nach schwachen Umsatzzahlen in den ersten vier Monaten wird es wohl auch in der nächsten Bilanz einen Jahresfehlbetrag geben, sagt Kaim, der hofft, "dass 2018 die schwarze Null steht."


Der Führungswechel

Die Drossenfelder Bräuwerck AG hat seit dem 1. Juni eine neue Führung: Der früherer Sparkassenvorstand Michael Kaim wurde zum Vorstand bestellt. Der 60-Jährige löst Rainer Schimpf ab, der Verwaltungsleiter im Neudrossenfelder Rathaus ist.
Kaim wird alleiniger Vorstand sein. Der bisherige Mitvorstand Peter Schuhmann, der in der Gemeindeverwaltung arbeitet, soll Prokurist bei der Bräuwerck AG werden. Die personellen Veränderungen werden am 27. Juli auch Thema bei der ordentlichen Hauptversammlung der Aktiengesellschaft sein, deren Aufsichtsratsvorsitzender der Neudrossenfelder Bürgermeister Harald Hübner (CSU) ist.