Geschenktes Abi? Denkste. Nach der Matheprüfung, die am Dienstag über die Bühne gegangen ist, sei die Verzweiflung bei vielen seiner Mitschüler groß, sagt Marius Michel, Kollegstufensprecher am Caspar-Vischer-Gymnasium. Einen Pandemie-Bonus hat es für die Schüler, die in der zweijährigen Qualifikationsphase oft keinen Präsenzunterricht hatten, offenbar nicht gegeben.

"Große Hürden"

Im Gegenteil: Selbst Mathelehrer haben geäußert, dass die Prüfung eine der kompliziertesten der vergangenen Jahre gewesen sei, sagt wie Marius Michel auch Abiturientin Emma Küfner, die frühere Aufgaben kennt und feststellt: "Es war wirklich schwieriger. Für die ganz guten Matheschüler war es machbar, die anderen hatten kaum eine Chance. Es waren große Hürden eingebaut. Und es gab nicht wie sonst leichtere Aufgaben, bei denen man auch mal Punkte sammeln kann."

"Nicht verhältnismäßig"

Geschenkt wollen die Abiturienten 2021 ihren Abschluss nicht, versichert Küfner - damit sie nicht als Corona-Jahrgang abgestempelt werden. Sie hätten sich aber zumindest gewünscht, dass auf die besondere Situation im Pandemie-Jahr, in dem über viele Monate nur Distanzunterricht stattgefunden hat, Rücksicht genommen wird und faire Bedingungen herrschen. Dem sei das Ministerium nicht nachgekommen. Die Aufgaben seien "nicht verhältnismäßig gewesen". Das Feedback ihrer Mitschüler sei zwiegespalten. "Ein großer Teil der Schüler ist sehr verzweifelt."

Der Unmut ist groß

Dass es oberfrankenweit Kritik an den äußerst anspruchsvollen Aufgabenstellungen gibt, sagt Uschi Prawitz, die nicht nur Elternbeiratsvorsitzende am CVG, sondern auch Vorsitzende der Arge Bayreuth/Kulmbach der Landes-Eltern-Vereinigung der Gymnasien in Bayern (LEV) ist. Prawitz hatte zur Delegation gehört, die in der vergangenen Woche das Gespräch mit dem Kultusministerium gesucht und auf die Benachteiligung der Schüler aus den ostoberfränkischen Hochinzidenzgebieten aufgrund des teils monatelangen Distanzunterrichts verwiesen hatte. Nach dem Termin hatte der Sprecher der oberfränkischen LEV-Arbeitsgemeinschaften, Stefan Peter aus Coburg, erklärt: "Wir sind unsere Ängste und Besorgnisse losgeworden, hatten den Eindruck, dass wir gehört und ernst genommen werden."

"Unnötiger Druck"

Da standen die Aufgaben aber wohl längst fest. Uschi Prawitz teilt mit, dass sie nach der Matheprüfung - Abi-Start war in der vergangenen Woche mit Deutsch - viele Rückmeldung erhalten hat und der Unmut groß ist. "Ich bin persönlich enttäuscht, dass Mathe wieder einmal zur Angstprüfung geworden ist. Natürlich kann man mit einer großzügigen Bewertung vermutlich noch einiges richten, aber unterm Strich gehen doch die Schülerinnen und Schüler mit verstärkten Ängsten und wieder mehr Druck, den es eigentlich gerade in dieser Corona-Sondersituation zu vermeiden galt, in ihre nächsten Prüfungen." Schon am Freitag steht die Englisch-Prüfung an. Prawitz: "Gerade in Nordostoberfranken hatten viele Abiturienten ihre Lehrer seit November letzten Jahres nicht mehr persönlich gesehen. Und da frage ich mich: Was wollen wir dieser jungen Generation hier mitgeben?"

Wie die Schüler des Kulmbacher Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasiums das Mathe-Abi bewerten? Kollegstufensprecher An­dreas Buchmann konnte gestern nur seine persönliche Meinung kundtun, weil er keine Rückmeldung von seinen Mitschülern hatte. "Für mich war es okay."

Kein Coronabonus

Ein Zuckerschlecken war es für viele Abiturienten aber nicht, und auch Mathelehrer, die namentlich nicht genannt werden wollen, sprechen von einer sehr schweren Prüfung. Einen Coronabonus habe es vom Kultusministerium keinesfalls gegeben.

Petition wurde gestartet

Es hagelt Kritik, und es wurde bereits eine Petition an das Kultusministerium gestartet (https://bit.ly/33UYBlA). Darin heißt es: "Das Einzige, was sich die SchülerInnen gewünscht haben, war eine faire Mathematik-Prüfung, welche Rücksicht nimmt auf den Missstand, der seit April 2020 herrscht." Es sei aber eine der schwersten Abiprüfungen gewesen. Was in der Petition, die gestern Mittag schon über 16 000 Unterzeichner hatte, gefordert wird? Dass die noch nie dagewesene Situation zumindest im Nachgang berücksichtigt wird durch eine faire Anpassung des Notenschlüssels.

Und was sagt das Ministerium? "Wir haben noch keine Auswertungen, können deshalb noch nichts sagen", stellte Ministerialbeauftragter Harald Vorleuter, der früher Schulleiter am MGF-Gymnasium war, auf Anfrage unserer Zeitung fest.