Wenn man seine Umwelt einigermaßen aufmerksam beobachtet, ist das, was Herr Doppel vom ACE auf Kulmbachs Straßen beobachtet hat, nicht überraschend. Fast ein Drittel der Leute kriegt von der Umwelt nichts mehr mit, weil sie mit dem Smartphone beschäftigt sind. Sie sind "Smombies" und leben im Straßenverkehr - um's mal etwas retro auszudrücken - saugefährlich.

Nun wollen wir den ernsten Hintergrund der Aktion keinesfalls infrage stellen. Aber man muss doch wissen, wo diese Wortneuschöpfung herkommt. Die Melange aus Smartphone und Zombie entstammt der Jugendsprache und wurde 2015 vom Langenscheidt-Verlag zum Jugendwort des Jahres gewählt. Leider landete "merkeln" damals nur auf Platz 2. Ein Verbum (deutsch: Tätigkeitswort), das Untätigkeit ausdrückt, abgleitet vom Regierungsstil der Kanzlerin.


"Hopfensmoothie" alias Gerstensaft

Beim Jugendwort 2016 siegte "fly sein", was so viel bedeutet wie: Jemand ist besonders gut drauf. "Isso" (Bestätigung, dass etwas so ist) wäre auch nicht schlecht gewesen. Oder: "Tintling" für Tätowierter, "Hopfensmoothie" für Bier und "Bambusleitung" für schlechte Internetverbindung. Heuer sind "Bae" (Before anyone/anything else - allerbeste/r Freundin/Freund), "Egoshooter" (Selfie) oder "Banking" (chillen, ausruhen auf einer Parkbank) im Gespräch.

Jedenfalls zeigen die Beispiele, dass Sprache lebt. Und dass Jugend kreativ ist. Fast so wie der großartige Grantler und Welterklärer Gerhard Polt, der auch als Wortfinder gelten kann. In seinem unlängst veröffentlichten Konversationslexikon finden wir eine Neuschöpfung für: ins Fettnäpfchen treten - "einitrumpen, hineingetrumpt". Oder das Konkurrenzwort zu "merkeln": "herumschildkröteln", inspiriert durch die ungeheuere Langsamkeit des Tieres, wenn es ein Salatblatt frisst.