An der alten Mainbrücke zwischen Katschenreuth und Melkendorf wird gebohrt: Mitarbeiter einer österreichischen Spezialfirma nehmen dort Bodenproben, die für die Detailplanung der Melkendorfer Ortsumgehung notwendig sind. Deswegen wird es eng auf der Straße. Zeitweise staut sich's tüchtig.

Die Autofahrer tun gut daran, sich an diese Zustände schon einmal zu gewöhnen. Einschränkungen nämlich werden dort spätestens ab dem nächsten Jahr an der Tagesordnung sein: Das Staatliche Bauamt beginnt in wenigen Monaten mit dem Bau der Ortsumgehung, die sich viele Melkendorfer seit Jahren sehnlich wünschen.

Ganz ohne Behinderungen wird es dabei nicht abgehen, so betonten Oberbürgermeister Henry Schramm und der zuständige Abteilungsleiter des Bauamts, Siegfried Beck in einem Pressegespräch.
Letztlich sei es aber höchst erfreulich, dass man die Umgehung für Melkendorf, um die lange gerungen und über die auch vor Gericht gestritten wurde, nun endlich realisieren könne.

Der Staat zahlt

Elf Millionen Euro soll die etwa 2,8 Kilometer lange Umgehung kosten. Das finanziert überwiegend der Freistaat. Die Stadt Kulmbach allerdings muss die Kosten für die Entsorgung einer alten Mülldeponie schultern, die östlich von Melkendorf liegt.

Das Staatliche Bauamt Bayreuth, das für Planung und Bauleitung verantwortlich zeichnet, hat bereits mit dem Grund erwerb begonnen - auch für Grund, der dann für Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen im Rahmen des Naturschutzes zur Verfügung steht. Anfangs- und Endpunkt der Umgehung sind die Einmündung nach Katschenreuth beim Getränkemarkt Rausch und der östliche Ortsrand von Melkendorf unweit des Friedhofes.

Die neue Trasse verläuft zunächst weitgehend auf der alten. Erst in Höhe der Sandsteinbrücke über den Roten Main schwenkt die Trasse dann ab und läuft südlich um Melkendorf herum. Am Endpunkt soll dank Brücken und einem Kreisel eine direkte Anbindung an die Theodor-Heuss-Allee und damit an die als "Nordumgehung" bekannte Bundesstraße 289 erfolgen. Über die wiederum gibt es eine direkte Anbindung zur Bundesstraße 85. "Das Bauwerk bei Melkendorf hat damit eine wichtige Verteilfunktion", sagt Beck, der darauf hinweist, dass die derzeitige Belastung für Melkendorf vor allem daraus resultiert, dass nahezu der gesamte Pendlerverkehr aus dem Südwesten der Region durch den Ort laufe.

Radfahrer sollen profitieren

Profitieren sollen von den Bauarbeiten auch die Radfahrer, denen teils verbesserte, teils auch völlig neue Trassen angeboten werden sollen.

Der 1. Bauabschnitt wird schon im Herbst 2013 mit der Radwegeunterführung an der Gemeindeverbindungsstraße nach Oberzettlitz begonnen werden. In einem zweiten Bauabschnitt werden ab Frühjahr 2014 eine neue Brücke über den Roten Main erstellt - die alte ist in ihrer Tragfähigkeit eingeschränkt - und die Bauarbeiten zwischen Katschenreuth und der Brücke in Angriff genommen werden. Hierfür muss eigens eine Behelfsstraße errichtet werden.

Ab 2015 will das Staatliche Bauamt dann den dicksten Brocken in Angriff nehmen: die Trasse, die südlich um den Ort herumführt. Wann die neue Umgehung komplett fertig ist, steht derzeit noch nicht fest. "Es gibt da viele Unwägbarkeiten", sagt Abteilungsleiter Beck. Wenn das Wetter mitspielt, derWinter mild bleibt und es wenig Hochwasser gibt, lässt sich zügig arbeiten. Wenn nicht, kommt es zu Verzögerungen. "Wir fangen 2015 an", sagt Beck. "Ungefähr zwei Jahre Bauzeit sind realistisch."

Merkliche Entlastung

Aber egal, ob zwei oder drei Jahre gebaut wird: "Wir sind froh, dass wir die Umgehung endlich in Angriff nehmen können", sagt Oberbürgermeister Schramm. Die Umgehung werde die Ortsdurchfahrt von Melkendorf merklich entlasten. "Wir schaffen für den Ort völlig neue Nutzungsmöglichkeiten, wir können die Gefahr durch die engen Gehsteige beseitigen - und die historische Brücke über den Roten Main, deren Tragfähigkeit eingeschränkt ist, wird entlastet."

Skeptiker überzeugen

Von dem neben dem Flutmulden-Neubau zweiten großen Millonenprojekt, das man heuer in Angriff nehme, profitiere auch die Region: "Da fließen insgesamt rund 20 Millionen Euro." Zuversichtlich ist der OB, dass nach Abschluss der Arbeiten auch die Skeptiker zufrieden sind: "Ich hoffe, dass dann auch sie sehen, dass diese Umgehung etwas Gutes ist."


Zahlen und Fakten


Erste Vorschläge
seit den neunziger Jahren

Planungsbeginn Oktober 1998

Baurecht seit 19. April 2011

Baubeginn für den 1. Bauabschnitt im Herbst 2013

Bauzeit abhängig von Wetter, Winter, Hochwasser usw., 2015 ist Start für das größte Teilstück, Bauzeit hier etwa zwei Jahre

Länge der Umgehung 2,8 Kilometer, dazu Arbeiten an Gemeindeverbindungsstraßen, Feld- und Waldwegen.

Brückenbauwerke unter anderem über den Prosser Bach, über den Roten Main (parallel zur bestehendenBrücke), über Geh- und Radwege, über die Staatsstraße

Kosten ca. 11 Millionen Euro

Kostenträger Freistaat Bayern, Stadt Kulmbach (Entsorgung Mülldeponie)

Planung und Bauleitung Staatliches Bauamt Bayreuth

Und das sagt der Bund Naturschutz

Für die allermeisten Anwohner der Ortsdurchfahrt von Melkendorf geht mit dem Bau der Umgehung ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung: Sie haben in der Vergangenheit oft über Lärmbelästigung geklagt und um ihre Sicherheit geführchtet, wenn wieder einmal Raser unterwegs waren.

Die Umgehung hat freilich auch Gegner, die damit argumentieren, dass der Nutzen für die Autofahrer in keiner Relation stehe zur Gefährdung einer noch weitgehend intakten Naturlandschaft. Die Kreisgruppe Kulmbach im Bund Naturschutz hat sogar in mehreren Instanzen gegen das Projekt geklagt - war letztlich aber gescheitert.

Für Wolfgang Schenker, den Vorsitzenden der Kreisgruppe, kommt die Nachricht, dass noch in diesem Jahr mit den ersten Arbeiten begonnen werden solle, überraschend. "Ich bedaure das sehr", sagte er. "Die Umgehung ist ein schwerwiegender, grober Eingriff in die Natur."

Das Bauwerk verlaufe mitten durch den Lebensraum von Tierarten wie Weißstorch oder Rebhuhn, die als gefährdet auf der Roten Liste stehen. Zudem bedeute die Straße eine immensen Flächenverbrauch. "Und sie schneidet die Menschen in Melkendorf vom Rotmaintal ab." Überzeugt ist Schenker zudem davon, dass die Umgehung die eigentlichenVerkehrsprobleme nicht löst - sondern nur verlagert.