Das wurde der Bild-Zeitung aus internen Kreisen des Meinungsforschungsinstituts durchgestochen.

56 Prozent gaben an, sie würden lieber nicht mehr wählen, als derart falsch zu wählen.

Hand aufs Herz: Haben Sie kurz überlegen müssen, ob das eine echte Nachricht ist? Dann willkommen in unserer Demoskopiekratie! Politiker fragen schon lange nicht mehr, ob sie eine eigene Meinung brauchen; es genügt zu wissen, dass es eine Meinungsforschung gibt, die man öffentlich äußern kann. Wussten Sie, dass unter keinem Kanzler dieser Republik je so viele Erhebungen zu Volkes Stimmung in Auftrag gegeben wurden wie unter Angela Merkel? Die wollte offenbar ständig wissen, was wir hören möchten, um das dann zu verkünden, ohne den mühsamen Umweg nehmen zu müssen, uns wirklich "aufs Maul zu schauen", wie Martin Luther es einst forderte.

Die Zahlenklauber und Datendrechsler haben eine Macht erlangt, die mich irritiert. Bei all den Wirtschaftsheimern - vom ifo-Institut München über das DIW Hamburg bis zum Institut für Wirtschaft (IW) Köln - ahnt man zumindest, dass es sich in nicht unerheblichen Teilen um Lobby-gesteuerte Interessengruppen handelt, die mit ihren Darstellungen selber Politik machen oder diese maßgeblich zu beeinflussen trachten. Die Schnösel/innen jener Häuser geben sich ja nicht mal mehr die

Mühe, das zu verbergen, allen voran ihr bärbeißiger "Käpt'n Ahab" Hans-Werner Sinn.

Wie aber steht es um Einrichtungen wie der Forschungsgruppe Wahlen, dem Institut für Demoskopie Allensbach, um Forsa, Infas, Emnid? Wer legitimiert die oder hinterfragt ihr Tun? Wer hat die bestellt - und wer bezahlt? Antwort: sehr oft die Medien. Sat.1 und RTL,

n-tv, das ZDF. Ein sich selbst speisendes Perpetuum mobile, denn befragt wird doch mittlerweile ständig und zu jedem Fliegenschiss. Streng genommen müsste bei jeder dieser staatstragend aufgezogenen Kaffeesatzlesereien im TV "Dauerwerbesendung" eingeblendet werden. Oder der ehrliche Hinweis: "Diese Sendung kann Spuren von Voodoo und Volksverblödung enthalten."