Die Euphorie in der SPD ist groß. Vom "Schulz-Effekt" ist die Rede. Seit feststeht, dass der frühere Präsident des Europaparlaments, Martin Schulz, die Partei als Kanzlerkandidat und Parteivorsitzender in den Bundestagswahlkampf führen soll, sind die Sozialdemokraten im Stimmungshoch. Im Sonntagstrend des Meinungsforschungsinstituts Emnid ist die SPD um sechs auf 29 Prozent in die Höhe geschossen.


Absturz seit den 90ern

Und die Partei hat auch neue Mitglieder gewonnen: Tausende Aufnahmeanträge sollen seit der Antrittsrede von Martin Schulz am 29. Januar ausgefüllt worden sein. Eine Trendwende? Dass die SPD seit den 1990er-Jahren wie alle anderen großen Parteien einen gewaltigen Mitgliederschwund verzeichnet hat, kommt manchem bei all dem Jubel zu kurz. Die Partei halluziniere einen Mitgliederboom herbei, sagen Kritiker, die darauf verweisen, dass die Sozialdemokraten 1990 noch über 900 000 Mitglieder hatten. 2015 waren es gerade mal noch um die 440 000.


So viele wie lange nicht mehr

Dass mit Martin Schulz die Kehrtwende kommt, dass hofft die SPD nicht nur auf Bundesebene. Das wünscht sich auch die Parteibasis. Von einem Befreiungsschlag spricht der Kulmbacher Ortsvereinsvorsitzende Ingo Lehmann. Und der mache sich auch in der Stadt bemerkbar. Fünf neue Parteibücher habe er kurz vor und kurz nach der Antrittsrede von Martin Schulz ausgegeben. So viele wie schon lange nicht mehr, sagt Lehmann, der sich auch über die jüngsten Meinungsumfragen freut, die die Partei an der 30-Prozent-Hürde kratzen lassen.


Der Zehn-Jahres-Vergleich

Dass die Parteibücher gefragt sind, das hat auch Heike Schweens von der Kulmbacher Geschäftsstelle der BayernSPD ausgemacht. Sie freut sich über den "Schulz-Effekt", der offenbar dafür verantwortlich war, dass die Mitgliederzahl im Kreisverband Ende Januar wieder leicht auf 858 gestiegen ist. Dabei war die Zahl der Genossen im Kreis Kulmbach schon mal höher. Im Januar 2016 gab es 887 Mitglieder, deutlich mehr waren es noch vor zehn Jahren. Im Januar 2007 zählte die SPD im Landkreis laut Heike Schweens 1117 Mitglieder.


"Mann der klaren Worte"

Ob Martin Schulz der Heilsbringer ist? Er sei zumindest ein Mann der klaren Worte, sagt der Kulmbacher SPD-Ortsvereinsvorsitzende Ingo Lehrmann, der dem neuen Mann der Spitze der Partei das Kanzleramt zutraut: "Martin Schulz versteht es, komplizierte Sachverhalte den Menschen vernünftig zu erläutern. Jetzt liegt es an der gesamten Partei, das bis zur Bundestagswahl weiter zu tragen."