An die 6000 Pilger verteilt auf durchschnittlich 60 Wallfahrten besuchen alljährlich den beschaulichen Wallfahrtsort Marienweiher - wenn nicht gerade Corona ist.

Eigentlich hätten die vielen Akteure rund um die Basilika 2020 gerne das 300-Jahr-Jubiläum des heutigen Kirchengebäudes gefeiert, aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. "Marienweiher besitzt durch seine fast 500-jährige Wallfahrtstradition schon eine große Strahlkraft", sagt der Marktleugaster Bürgermeister Franz Uome. "Unser Gemeinderat will Marienweiher als Glaubens- und Erlebnisort bekanntmachen."

Aktuell ist Josef Daum, Leiter des Pilgerbüros, Ansprechpartner für die Wallfahrer. Er organisiert Wallfahrten, ist Problemlöser und plant Veranstaltungen. "Die weiteste Wallfahrt, die zu uns führt, stammt aus Unterfranken, da sind die Pilger drei Tage lang unterwegs", erklärt Josef Daum. Auch die Egerer Wallfahrt habe man nach längerer Pause wieder reaktivieren können.

Zur Freude von Landrat Klaus Peter Söllner, Vorstandsmitglied in der Stiftung Wallfahrtsbasilika Marienweiher. "Die Wallfahrt hat in den letzten Jahren eine Renaissance erlebt, Menschen sind auf der Suche nach einer Werteorientierung, sie sind auf dem Weg der Selbstfindung, suchen Spiritualität und genießen die Ruhe und Atmosphäre, die von einer Wallfahrtsbasilika ausgeht." Speziell das Wiederaufleben der traditionsreichen Egerer Wallfahrt war für ihn ein wichtiger Baustein. "Als Verein haben wir das Ziel, das Pilgerwesen zu stabilisieren, aber wir haben neben der kirchlichen auch die kulturelle Bedeutung des Wallfahrtsorts im Blick." Als Landkreis habe man Interesse an einem sanften Tourismus, erkenne das Potenzial von Marienweiher.

So kam es, dass seit Januar 2017 Sigrid Daum-Sauermann mit ins Team gebeten wurde, um gemeinsam mit Pilgerbüroleiter Josef Daum ein alljährliches attraktives Kulturprogramm auf die Beine zu stellen. Spirituell-meditative Veranstaltungen, Vorträge, Seminare und auch Konzerte sind darin enthalten.

Reizvolle Aufgabe

"Mich reizte die Aufgabe, einen Ort der Begegnung zwischen Kirche und Welt in mehreren optionalen Modulen mitzugestalten", sagt die Museumsexpertin Sigrid Daum. "Die Botschaft ist: Der Geist Mariens lebt! Unter ihrem Schutz stehen Begegnung, Neubeginn und Integration."

Sie sieht Maria als eine sehr mutige Frau, die ein uneheliches Kind geboren habe zu einer Zeit, in der die Gesellschaft sie dafür hätte steinigen können. Sigrid Daum selbst habe Marienweiher als einen Ort starker spiritueller Kraft kennengelernt, "an Marias Stärke kann ich wachsen und Trost finden." Der Wunsch, der sich aus ihrer wachsenden Affinität zu dem Wallfahrtsort im Kulmbacher Oberland entwickelte, war es schließlich, ein Begegnungs- und Pilgerzentrum zu gründen.

"Wir analysierten die Ausgangssituation und formulierten Ziele in einem Konzept, in dem vorhandene Bemühungen der Kirchengemeinde gebündelt und unterstützt werden sollten." Als Immobilie sprang Sigrid Daum das ehemalige Gasthaus "Weißes Lamm" ins Auge, das direkt gegenüber der Basilika liegt und schon früher als Pilgerherberge diente. "Es führte seinerzeit der Pilgerweg sogar vom Westen her durch das Haus, zur Haustüre wieder hinaus, die Treppe hinauf und in die Basilika hinein", ergänzt sie. So sollte doch erneut zusammenwachsen, was zusammengehöre.

Eine Sanierung des Anwesens würde auch das Ortsbild signifikant aufwerten. Mit ihrem Ursprungskonzept konnte sie auch das Amt für ländliche Entwicklung in Bamberg davon überzeugen, die Umsetzung des Vorhabens "Begegnungs- und Pilgerzentrum" als gemeindliches Projekt mit öffentlichen Geldern zu fördern.

Ein Vorhaben, das ganz im Sinne von Bürgermeister Franz Uome ist, der den "Gnadenort" Marienweiher für einen größeren Personenkreis durch zielgruppengerechte Angebote interessant und anziehend machen will. "Unser Pilgerbüro hat hier hervorragende Arbeit geleistet, der Bekanntheitsgrad ist durch die Jahresprogramme stark gestiegen." Auch das jährlich zu Himmelfahrt stattfindende "Klosterspitzen-Festival" hätte bereits Rundfunk und Fernsehen aufmerksam und neugierig gemacht.

"Durch den Kauf des "Weißen Lammes" kann jetzt in Marienweiher eine neue positive Dynamik entstehen." Insgesamt würden hier in den nächsten zwei Jahren 4,8 Millionen Euro investiert, um ein neues Pilger- und Begegnungszentrum zu schaffen. Darüber hinaus soll es einen Treffpunkt für die Bürgerinnen und Bürger sowie Seminar- und Übernachtungsräume bieten. "Während sich andere Wallfahrtsorte als ‚Das Herz Bayerns' oder die ‚Sakrale Mitte der Fränkischen Schweiz' bezeichnen, wirkt Marienweiher als ‚Der Wallfahrtsort im Frankenwald' recht undynamisch. Das wollen wir ändern. Mit einer gemeinsamen Marketingstrategie aller am Ort Beteiligten sollen neue Wege gegangen werden", sagt der Bürgermeister.

Und warum eben der Wallfahrtsort Mariaweiher eine solche Würdigung absolut verdient, wird im dritten Teil des Jubiläumsbeitrags dargelegt, in dem es um die historische Entwicklung und Bedeutung dieses Wallfahrtortes geht.

Das Veranstaltungsprogramm der Basilika Marienweiher für das Jahr 2021 wurde umfassend, aber auch coronakonform geplant. Beginnend im Mai mit der Feuerwehrwallfahrt soll es übers Jahr Konzerte (z. B. Maiserenade, Hearts of Gold oder Viva Voce), Vorträge zu kirchlichen und historischen Themen und sogar eine Baumpflanzaktion geben. Junge Menschen sind mit der Aktion "Rosenkranz for future" angesprochen, und natürlich hoffen die Veranstalter darauf, das beliebte "Klosterspitzen-Festival" im August durchführen zu können. red