Beim Treffen im Rathaus präsentiert Sebastian Türk einen kleinen Schatz: ein Ölgemälde von der "Spinnstube" aus den dreißiger Jahren. Unschwer, sich vorzustellen, welches Leben früher in der Gastwirtschaft und dem schlossähnlichen Wohnkomplex in Hornschuchshausen herrschte.

Das Bild, vergleichbar mit den Arbeiten des Kulmbacher Künstlers Christian Schmidt, hat Qualität. Außer der kaum leserlichen Signatur ist vom Maler bisher nichts bekannt. Aber man kann sicher sein, dass Werner Krauß, Helmut Bär, Karl-Günter Krauß und Sebastian Türk den Namen herausbekommen werden. Denn sie stöbern leidenschaftlich gern in der Mainleuser Geschichte.

"Allerdings nicht zum Selbstzweck", wie Werner Krauß betont. "Wir wollen nicht, dass Bilder und Dokumente von heimatgeschichtlichem Wert einmal verschwinden, sondern für die interessierte Öffentlichkeit erhalten bleiben."

Deshalb haben sich Krauß und seine Mitstreiter zu einer Arbeitsgruppe zusammengeschlossen. Sie sind Idealisten, ehrenamtlich tätig und nennen sich: Mainleuser Geschichts- und Heimatfreunde.


Rückenwind aus dem Rathaus

Im Büro des Bürgermeisters absolvieren sie ihren ersten öffentlichen Auftritt und bekommen Rückenwind aus dem Rathaus. "Wir freuen uns über die Geschichts- und Heimatfreunde", sagt Robert Bosch. Der Bürgermeister bezeichnet die Geschichte eines Ortes als "Teil der Identität". Neben den großen Entwicklungen wie Geschichte der Spinnerei, Kriegsereignisse, Flüchtlingszuzug oder Gebietsreform gehöre dazu auch "der Alltag der kleinen Leute, ohne deren Leistungen es nicht weitergegangen wäre".

Das dörfliche Leben im Hauptort Mainleus haben die Geschichts- und Heimatfreunde besonders im Blick. "Wir können unsere eigenen Sammlungen einbringen, das ist aber nur ein Teil eines großen Mosaiks", sagt Werner Krauß. Um ein Gesamtbild der neueren Geschichte von Mainleus zu erhalten, sei man vor allem auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen. "Ich bin mir sicher, dass vieles auf den Mainleuser Dachböden schlummert", so der Pölzer Sammler alter Ansichtskarten. Man sei besonders an Fotos interessiert, die eingescannt und wieder zurückgegeben werden. So solle ein Bildarchiv aufgebaut werden. "Aber wir nehmen auch gerne persönliche Erlebnisse auf, die in keinem Geschichtsbuch stehen."


Nicht nur im stillen Kämmerlein

Sein Wissen und die Ergebnisse seiner Arbeit will der Freundeskreis nicht nur im stillen Kämmerlein aufbewahren. Man will auch öffentlichkeitswirksam in Erscheinung treten. Es ist daran gedacht, so Werner Krauß, "dass wir Vorträge halten, Ausstellungen machen oder uns beim Heimatkundeunterricht in der Mainleuser Schule einbringen."

Vom Bürgermeister ausdrücklich erwünscht ist eine fachliche Beratung bei der weiteren Entwicklung des Ortes. Mit der Revitalisierung des Spinnereigeländes oder des denkmalgeschützten Ensembles in Hornschuchshausen hat Mainleus laut Karl-Günter Krauß "eine Riesenaufgabe" zu schultern.

Die Geschichts- und Heimatfreunde wollen dabei kein elitärer Kreis bleiben. "Jeder, der möchte, kann mitmachen oder zu unserem Stammtisch kommen", sagt Werner Krauß und freut sich auf weitere Mitstreiter.


So nehmen Sie Kontakt auf

Telefon 09229/7499 (Werner Krauß)

E-Mail info@heimatfreunde-mainleus.de

Stammtisch immer am letzten Donnerstag im Monat im Gasthaus "Fränkischer Hof", Beginn 17.30 Uhr, erstmals am 18. Mai.