Schon kurz nach 18 Uhr waren die ersten Besucher in die Sommerhalle gekommen, eineinhalb Stunden später war kein Platz mehr frei: Rund 600 Mainleuser verfolgten die Podiumsdiskussion mit den drei Bürgermeister-Kandidaten, zu der die Bayerische Rundschau eingeladen hatte.

Zwei Stunden lang stellten sich Robert Bosch (CSU), Jürgen Karg (SPD) und Günther Stenglein (FW) den Fragen von BR-Redaktionsleiter Alexander Müller.

Natürlich wurden die "heißen Eisen" angesprochen: Es ging um den Bau der Windkraftanlagen bei Schimmendorf und um die Frage, warum die CSU in der jüngsten Gemeinderatssitzung den Bauplan für das Seniorenheim nicht befürwortet hat. Und natürlich um die Entwicklung des Spinnerei-Geländes, das seit der Insolvenz eine Industrieruine mitten in Mainleus bildet.

Robert Bosch würde in Sachen Spinnerei-Entwicklung gerne an Tempo zulegen und das Gelände erwerben - noch vor einem Architekten-Wettbewerb. "Das ist eine Chance, die Gemeinde zu entwickeln. Ich möchte keine Planungen abwarten, die noch ein Jahr dauern."


Karg: Langsam und vernünftig

Etwas ruhiger will dagegen Jürgen Karg die Sache angehen, um sicher zu sein, möglichst alle Fördertöpfe ausschöpfen zu können. "Deshalb lieber langsamer und vernünftig alles durchplanen." Und: nur die öffentlich nutzbaren Flächen kaufen.

Für Günther Stenglein ist dort eine Mischung aus Grünanlagen, Gewerbe und Wohnen möglich. Es sollte zudem eine Verbindung zum Spinnstubenareal geschaffen werden.

Zu den Schimmendorfer Windkraftanlagen: Hier wollte Moderator Müller von Jürgen Karg wissen, wie er zu dem Thema steht. Der zeigte sich als Befürworter und möchte ein Nutzungskonzept ausarbeiten lassen, wie Mainleus bei den erneuerbaren Energien aufgestellt ist.


Stenglein: Man muss abwägen

Günther Stenglein kann die Bedenken der Menschen mit Blick auf die Windräder nachvollziehen: "Hier muss man abwägen." Er verdeutlichte, dass sich der Bauverkehr nur auf wenige Tage konzentrieren wird, ein Fundament für ein Windrad müsse an einem Tag fertiggestellt werden.

"Der Windpark Schimmendorf wird kommen", bekräftigte Robert Bosch. Er sieht bei den erneuerbaren Energien mit der Mühle am Main noch Potenzial bei der Wasserkraft und bei der Photovoltaik. Hier solle man die Dächer der Schule nutzen.

Nicht verstehen konnten die Kandidaten das Verhalten der Nachbarn aus Burgkunstadt, den Baustellenverkehr für den Windpark Hain-Ost nur über Mainleuser Gebiet abzuwickeln. "Das ist nicht nachvollziehbar", sagte Stenglein. Robert Bosch erklärte: "Es war nicht klug, dass wir hier nicht mehr Rabatz gemacht haben." Und auch für Jürgen Karg ist das Verhalten "eine absolute Frechheit".


Bosch: Die Frist lief noch

Viel diskutiert wurde in den vergangenen Tagen über die jüngste Gemeinderatssitzung. Denn da hatte die CSU-Fraktion den Bauantrag für das geplante Seniorenheim abgelehnt. Robert Bosch erklärte, den Hintergrund: "Wir haben dagegen gestimmt, weil das Projekt in der direkten Umgebung nicht nur auf Gegenliebe stößt. Und die Frist für die Einwände war bis zur Sitzung noch nicht abgelaufen. In der nächsten Gemeinderatssitzung sind diese Einwände zu würdigen und dann der Bebauungsplan zu beschließen. Erst dann ist der Bauantrag gültig."


Wie gut kennen die Kandidaten ihre Heimatgemeinde? Mit einem kleinen Quiz ging die Podiumsdiskussion nach der Halbzeitpause in die zweite Runde. Wie viele Einwohner hat Mainleus? Wann wurde Mainleus Bahnstation?
Bei den Einwohnerzahlen hatte jeder Kandidat ein anderes Ergebnis - und die unterschieden sich alle von der Zahl (6467), die Moderator Alexander Müller der Homepage des Marktes entnommen hatte. Bahnstation wurde Mainleus übrigens 1846.


Es wurde wieder ernst

Ernst wurde es wieder, als es um den Stammtisch der AfD ging, der in dieser Woche in Mainleus abgehalten wurde und für eine Protestkundgebung gesorgt hatte. Natürlich war dazu die Meinung der Bürgermeister-Kandidaten gefragt.

Jürgen Karg: "Die AfD ist im Augenblick noch eine demokratische Partei und hat nicht wie die NPD Dreck am Stecken. Mir passt sie zwar nicht, aber man muss schauen, wie sie sich entwickelt."

Moderate Töne auch von Günther Stenglein: "Der AfD-Stammtisch muss toleriert werden. Man kann nur an die Vernunft der Bürger appellieren, nicht hinzugehen. Dann erledigt sich das von allein."

Für Robert Bosch ist der Wahlerfolg der AfD ein Zeichen für die Unsicherheit in der Bevölkerung. Durch Demonstrationen nehme man der Partei keinen Prozentpunkt. Vielmehr müsse man den Menschen politische Lösungen aufzeigen.

An die Kandidaten wurde auch die Frage gestellt, ob sie für eine Zusammenlegung der Bürgermeisterwahl mit der Kommunalwahl wären. Klare Ansage dazu von Robert Bosch: "Ich würde in der ersten Sitzung als Bürgermeister beantragen, die beiden Wahlen wieder zusammen durchzuführen." Jürgen Karg: "Dann wäre in drei Jahren ja schon wieder Wahlkampf. Man muss abwägen, ob das wirklich sinnvoll ist." Günther Stenglein: "Das haben wir Freien Wähler ja schon vor der letzten Wahl beantragt - und sind überstimmt worden."

Übereinstimmend lobten alle drei die Vereine in der Gemeinde mit Blick auf die Jugendarbeit. Die seien nicht zu ersetzen, hieß es unisono. Günther Stenglein hält zudem einen Jugendtreff für nötig. Den sieht Jürgen Karg im Spinnstubenareal, das wiederbelebt werden soll. Robert Bosch setzt dagegen auf eine bessere ÖPNV-Anbindung nach Kulmbach, damit die jungen Leute das Jugendzentrum dort besuchen können.

Als Abschlussfrage wollte Alexander Müller noch wissen: Wie gestalten Sie die letzten Wochen vor der Wahl? Neben den Wahlveranstaltungen, die alle drei noch auf dem Programm haben, erwartet Robert Bosch noch Landwirtschaftsminister Brunner und Finanzminister Söder, für Jürgen Karg steht noch ein Firmenbesuch auf dem Programm. Und Günther Stenglein erklärte, dass Wahlen nicht durch Reden entschieden werden, sondern durch Taten.