Weil der einzige Fahrkartenautomat in Mainleus (Landkreis Kulmbach) defekt war, stieg ein 15-Jähriger ohne Karte, aber mit Beweisbild in den Zug nach Kulmbach ein. Eine Kontrolleurin erlegte ihm daraufhin eine Strafe von 60 Euro auf. Ist die Verärgerung seiner Mutter gerechtfertigt?
- Mainleus: Jugendlicher auf Weg nach Kulmbach beim "Schwarzfahren" erwischt
- Einziger Automat defekt - 15-Jähriger macht Beweisfoto
- Mutter enttäuscht von Reaktion von Agilis - und erhält Mahnschreiben
- Agilis erklärt Regelung: So musst du bei einem defekten Automaten reagieren
Sabine Laufmann hat nach eigenen Angaben inzwischen einige für sie unbefriedigende Begegnungen mit dem Eisenbahnverkehrsunternehmen Agilis hinter sich. Am 2. Dezember 2022 sei ihr 15-jähriger Sohn zum ersten Mal alleine mit dem Zug unterwegs gewesen, um nach der Schule mit dem Zug von Mainleus nach Kulmbach zu fahren, um dort einen Freund zu besuchen. Wie sie inFranken.de berichtet, sei der einzige Fahrkartenautomat in Mainleus defekt gewesen. Mit einem Beweisfoto sei er eingestiegen und prompt von einer Kontrolleurin als Schwarzfahrer ausgewiesen worden. Ein Entgegenkommen von Agilis erreichte Laufmann zu ihrem Unmut nicht. Was sagt Agilis selbst dazu?
"Interessiert sie nicht": Oberfränkin verärgert über 60-Euro-Strafe ihres Sohnes bei Zugfahrt
"60 Euro für eine Station", die Fränkin findet die Folge dieser Fahrt überzogen. Die Familie sei durch ihren ländlichen Wohnort auf das Auto angewiesen und fahre kaum mit dem Zug. Dementsprechend habe der Sohn auch keine App, mit der er ein Ticket hätte kaufen können. Einen Alternativautomaten oder Servicekräfte am Bahnhof gebe es in Mainleus nicht. "Wer weiß, wie lange er auf den nächsten Zug hätte warten müssen und ich konnte ihn nicht fahren, weil ich auf der Arbeit war", fügt sie hinzu.
Als die Kontrolleurin im Zug auf ihn zukam, "wollte er ihr das Bild vom Handy zeigen. Sie meinte, es interessiert sie nicht. Er müsse eine Fahrkarte vorzeigen." Laufmann habe daraufhin bei Agilis angerufen und das Foto zugesendet. "Sie meinten, sie klären es und auf einmal kommt eine Mahnung, dass wir es noch nicht bezahlt haben." Die Antwort auf Laufmanns zweiten Anruf bei Agilis sei knapp gewesen: "Es stehe auf dem Zug, dass man nicht einsteigen darf, wenn man keine Fahrkarte hat", schildert die Mutter.
Sie habe sich gewünscht, dass ihr Sohn "vielleicht 15 oder 30 Euro" zahlen muss. Doch letztlich habe sie die 60 Euro überwiesen, da sie das nicht habe erreichen können. inFranken.de erkundigte sich bei Agilis nach der Regelung und der Möglichkeit einer Ermäßigung in Einzelfällen. "Der geschilderte Sachverhalt ist uns bekannt. Der Fahrgast ist von einer Servicekraft am 2.12.2022 in unserem Zug ohne gültigen Fahrschein angetroffen worden", schreibt der Pressesprecher der agilis Eisenbahngesellschaft Thomas Thomaschek auf Anfrage.
Automat defekt - was tun? Agilis weist auf Tarif- und Beförderungsbedingungen hin
"Mit dem Betreten unserer Züge erkennt jeder Reisende die Eisenbahnverkehrsordnung sowie die geltenden Tarif- und Beförderungsbedingungen an." Laut diesen sei vor Fahrtantritt ein Fahrschein zu lösen, da andernfalls eine Verpflichtung zur Zahlung eines erhöhten Beförderungsentgeltes bestehe. Ein Fahrschein-Kauf sei in Agilis-Zügen im Dieselnetz Oberfranken auch noch sofort nach dem Zustieg am Automaten im Zug gestattet.
"Im Fall einer Automatenstörung sind Fahrgäste laut Paragraf 6 der Agilis-Beförderungsbedingungen verpflichtet, unverzüglich das im Zug anwesende Personal in Kenntnis zu setzen, um dort ein Ticket zu erwerben. Das hat der Fahrgast in diesem Fall unterlassen, indem er sich in den Zug setzte, ohne aktiv einen Mitarbeiter aufzusuchen oder sein Ticket am Automaten im Zug zu erwerben", stellt Thomaschek klar.
Was steht einem als Inhaber einer gültigen Fahrkarte eigentlich zu, wenn Agilis seinerseits nicht den vertraglichen Verpflichtungen nachkommt? Würde ich für jeden Zugausfall nur auf der von meiner Tochter befahrenen Strecke und nur in der wirklich in Frage kommenden Zeit ebenfalls 60€ Strafgebühr verlangen, hätte ich die Jahreskarte schon längst wieder refinanziert...
In Agilis Zügen sind eingebaute Ticketautomaten die man mit Sicherheit nicht übersehen kann..
Es geht hier um das Organisationsversagen der Agilis und nichts weiter. Die richtige Reaktion der Schaffnerin wäre gewesen, sich für den Hinweis auf den Defekt zu bedanken und diesen schnellstmöglichst weiterzuleiten. Dann hätte sie dem jungen Mann eine Fahrkarte verkaufen können. In dem Wort "Schaffnerin" steckt das Wort "schaffen" .... manche schaffen aber auch gar nichts.
Nein! Der Schaffnerin ist hier wirklich nichts vorzuwerfen. Der junge Mann hätte nur zum Fahrkartenautomaten im Zug gehen müssen, um dort seinen Fahrschein zu lösen. Zumindest hätte er aktiv auf die Schaffnerin zugehen müssen!
Durch den Fahrkartenautomaten im Zug(!) gab es die Möglichkeit, einen gültigen Fahrschein zu erwerben, diese muss man als Fahrgast dann auch nutzen und kann sich nicht darauf berufen, dass der andere Automat am Bahnhof defekt war.
Für Leute ohne Fahrschein zahlen die anderen Kunden quasi mit, es gehört auch zur Aufgabe des Zugpersonals, dies zu verhindern, im Sinne aller Kunden!
Ja, so sehe ich das auch. Arbeiten die Kontrolleure eventuell auf Provisionsbasis?