Werdende Eltern haben die Qual der Wahl: Wie soll unser Kind heißen? Während in den "Neunzigern" Kevin, Marcel, Sarah, Jennifer und Vanessa Modenamen waren, hat sich das Bild in den vergangenen Jahren gewandelt: Amerikanische und britische Einflüsse verschwanden zusehends, der Trend ging zu alten, vornehmlich deutschen Namen aus der Generation unserer Großeltern.

Und dieser Trend hat sich im vergangenen Jahr verfestigt, wie eine Auswertung des Kulmbacher Standesamts zeigt. 750 Kinder wurden dort im Zeitraum vom 1. Januar bis 31. Dezember 2017 registriert. Marie und Lukas (Lucas) waren die beliebtesten Vornamen, zwölf Mädchen und 13 Jungen heißen so. In der Liste der Top 30 finden sich außerdem alte Namen wie Lina, Ida, Leni oder Mia, Paul, Emil, Anton und Elias auf den vorderen Plätzen.

Abgesehen von dem Lukas aus dem ersten Jahrhundert nach Christus, der das gleichnamige Evangelium verfasst hat, ist der Name als Kurzform von Lucanus lateinischen Ursprungs. Laut Wikipedia bezeichnet er jemanden, der aus der süditalienischen Landschaft Lucania stammt. Wenn man eine Herkunft aus dem Griechischen annimmt, bedeutet Lukas "ins Licht hineingeboren", die Variante mit "c" heißt so viel wie "Der Leuchtende".


Der Name gefällt

Doch sind Kinder mit beliebten Namen damit auch zufrieden? Lucas Ohnemüller aus Kulmbach wurde 2004 getauft - in einem Jahr, als Luk(c)as sogar bundesweit Spitzenreiter war. Haben seine Eltern, die das bei der der Geburt am 29. September freilich noch nicht wissen konnten, also alles richtig gemacht? Lucas bejaht das, sein Name gefällt ihm. In der 8. Klasse des MGF-Gymnasiums, die er zurzeit besucht, hat er einen Namensvetter, einen weiteren Lukas gibt es in der Parallelklasse. "Und drei Bekannte heißen auch Lukas", ergänzt der 13-Jährige, der in seiner Freizeit leidenschaftlich gern Fußball spielt und bis zu dessen Verlegung nach Friesen sogar dem Junioren-Stützpunkt angehörte, in dem Talente gefördert werden.


Kein Fan von "Poldi"

Als Anhänger des FC Bayern München läge es da doch nahe, dass er ein Fan seines Namensvetters Lukas Podolski ist, der mit den "Bayern" 2008 immerhin Deutscher Meister und Pokalsieger wurde. Lucas schüttelt mit dem Kopf: "Nö, der ist zu alt", nennt er wie aus der Pistole geschossen den Grund. Und seine Mutter verrät, dass über dem Bett ihres Sohnes ein Poster des 19-jährigen Kylian Mbappé vom FC Paris Saint-Germain hängt.

Karin Ohnemüller erzählt auch, was für sie und ihren Mann Ralf bei der Geburt ihrer Kinder - Lucas hat noch eine ältere Schwester namens Hanna - wichtig war: "Es sollten keine sogenannten Modenamen sein, sondern deutsche, kurze Namen ohne Schnickschnack, die nicht verfälscht werden können." Statt Lucas waren laut Karin Ohnemüller zwar noch Marc und Tim im Gespräch, seien aber wegen der zu befürchtenden fränkischen Aussprache ("Maag und Dim") letztlich ausgeschieden.
Allerdings: Von manchen Kumpels wird der 13-Jährige schon mal "Lucki" gerufen, was ihn aber nicht sonderlich stört: "Das geht schon noch."


Marie schafft den Hattrick

Bemerkenswert: Bundesweit schafften es Lukas und Marie 2017 nur knapp in die Top Ten, Ben und Emma waren hier die Spitzenreiter. Aus Kulmbacher Sicht tauchte Lukas im Jahr 2015 nicht unter den ersten 30 auf, 2016 immerhin auf Rang 13. Marie hingegen landete beständig auf dem ersten Platz - und hat nun den Hattrick geschafft.

Übrigens: Lucas' Schwester ist 17 Jahre alt. In ihrem Geburtsjahr 2001 waren die beiden beliebtesten Mädchennamen Anna und Hanna(h).

Die Ohnemüllers hatten auch damals alles richtig gemacht.


Die Top 20 der beliebtesten Vornamen in Kulmbach

Mädchen
1. Marie
2. Lina
3. Ida
4. Mila
5. Emma
6. Leni
7. Mia
8. Anna
9. Lena
10. Sophia
11. Theresa
12. Clara
13. Ella
14. Emilia
15. Hanna
16. Leonie
17. Annika
18. Frida
19. Klara
20. Lara

Jungen
1. Lukas
2. Paul
3. Emil
4. Anton
5. Elias
6. Maximilian
7. Felix
8. Jakob
9. Leon
10. Noah
11. Theo
12. David
13. Luis
14. Ben
15. Jannik
16. Jonas
17. Max
18. Maxim
19. Moritz
20. Alexander