Oliver Weschenfelder hat die elektronische Tanzmusik im Blut. Wenn der DJ und Eventmanager aus Mainleus darüber spricht, dann pocht sein Herz vor Freude wie ein pumpender Bass auf einer Raver-Party, ergießt sich ein Redeschwall aus dem Telefonhörer, der einem Wasserfall gleicht. An diesem sonnigen Nachmittag im September schwingt aber auch eine gehörige Portion Stolz mit. Schließlich ist Weschenfelder ein Coup gelungen, den ein Hobbyveranstalter und Freizeit-DJ nicht alle Tage vollbringt. Für seine Veranstaltungsreihe "Housemarke", die in diesem Jahr ihr 20-jähriges Bestehen feiert, hat er niemand Geringen als Dr. Motte verpflichtet, den Erfinder der "Loveparade".


Party im Schützenhaus

Für Weschenfelder kam kein anderer Diskjockey für das Jubiläum am 29.
Oktober um 20 Uhr im Schützenhaus Presseck in der Helmbrechtser Straße 44 infrage: "Er stammt aus der Zeit, als wir die ,Housemarke' ins Leben riefen. Damals war er die Gallionsfigur der "Loveparade, der wohl bekanntesten und größten Musikparty der Welt. Auch heute noch ist er bekannt wie ein bunter Hund."


Underground-Sound

Bei dem Gedanken, aktuell erfolgreiche Discjockeys wie Felix Jaehn ("Ain't Nobody") zu verpflichten, kriegt der Mainleuser das kalte Grausen: "Das ist Musik für die breite Masse. Die ,Housemarke' hingegen steht für Underground-Sound mit Ecken und Kanten. Das hat den Erfolg unserer Veranstaltungsreihe ausgemacht. Und dafür steht auch Dr. Motte. Unser Publikum möchte neue Tracks entdecken und dabei abtanzen."
Angefangen hatte alles Mitte der 90er Jahre, als die Techno-Musik ihre erste Blütezeit erlebt hatte, mit einer simplen Idee: Man nehme die besten DJs Oberfrankens und locke deren Anhänger in das Schützenhaus von Presseck. Das Konzept ging für Weschenfelder und seine Freunde auf. Und bescherte dem Mainleuser, der unter dem Künstlernamen DJ Sinclair auflegt, Auftritte im Vorprogramm von bekannten Techno-Größen wie Marusha, Paul van Dyk, Westbam oder Dr. Motte.


Die Bühne geteilt

"Auf drei Veranstaltungen teilte ich die Bühne mit dem ,Loveparade'-Erfinder", erzählt der 42-Jährige nicht ohne Stolz. In seinen Erinnerungen hat er den langjährigen Organisator der "Loveparade" als "Chamäleon, das mal im feinen Sakko, mal kunterbunt auf die Bühne kam" und als "Ökofreak", abgespeichert, der ihm die Benutzung der Nebelmaschine untersagt habe, weil sich darin angeblich krebserregende Stoffe befänden. Darauf angesprochen, ob sich Matthias Roeing, wie Dr. Motte mit bürgerlichem Namen heißt, noch an ihn erinnere, erklärt Weschenfelder nüchtern: "Er legt bis zu fünf Mal in der Woche auf. Bei so vielen Auftritten dürfte die Erinnerung an mich wohl verblasst sein."


Überzeugungsarbeit

Der Mainleuser musste viel Überzeugungsarbeit bei Mottes Konzertagentur leisten, bevor er den Top-Star für seine Jubiläumsveranstaltung verpflichten konnte. "Schließlich geht es für einen solchen Künstler um seinen Ruf." Als die Damen und Herren begriffen hatten, dass es sich bei der "Housemarke" um eine seriöse und qualitativ anspruchsvolle Techno-Veranstaltung handle, und grünes Licht gaben, fiel Weschenfelder ein Stein vom Herzen. Jetzt ging sein Traum, einen Hauch der "Loveparade" in das Kulmbacher Oberland zu bringen, in Erfüllung.


Gänsehaut

Die Gedanken des Mainleusers schweifen zurück in die Jahre 1995 und 1996, wo er auf der "Loveparade", umringt von Hunderttausenden von Fans, auf dem mit Sonnenblumen geschmückten "Franconia Love-Truck" auflegen durfte. "Es war fürchterlich an den Plattenspielern Musik zu machen. Alles hat gewackelt und gehupft. Aber es war ein unbeschreibliches Erlebnis, vor fast einer Million Menschen aufzulegen. Bei dem Gedanken daran kriege ich noch heute Gänsehaut."

Die 90er Jahre waren für den heute 42-Jährigen eine spannende Zeit. Wie denkt der Mainleuser über die derzeitige Entwicklung im Bereich der elektronischen Musik? "Es macht wieder Spaß, aufzulegen und Veranstaltungen zu organisieren. Techno und House erleben eine Renaissance. Junge DJs bringen frischen Wind in die Szene und die alten Technogänger von anno dazumal gehen inzwischen mit ihren Kindern auf die Raves", frohlockt Weschenfelder, der zugleich nicht ausschließt: "In zehn Jahren fahren dann vielleicht unsere Enkel auf den Rhythmus ab, bei dem man mit muss."