Das Museum ist nämlich geschlossen. Und eigentlich hat der Ruhestand für Dietel schon am 19. Oktober begonnen. Seitdem baut er Urlaub und Überstunden ab und war nur ab und an noch im Museum zugange.

Am 17. Dezember 1984 hatte Dietel seinen ersten Arbeitstag im DDM, das 1977 eröffnet wurde. Zuvor war der Museumsleiter bei der Bayreuther Stadtverwaltung angestellt. Als Vorsitzender des Fördervereins Deutsches Dampflokomotiv-Museum hatte er allerdings schon beste Kontakte nach Neuenmarkt.


Rekord zum Beginn

Gleich zum Amtsantritt stand eine große Herausforderung an: die Feier "150 Jahre Deutsche Eisenbahn". 65 Sonderzüge mit bis zu elf Eisenbahnwagen kamen damals nach Neuenmarkt, erinnert sich Dietel. In diesem Jubiläumsjahr verzeichnete das DDM 70.000 Besucher. Bis heute Rekord. Die Veranstaltung war für den jungen Dietel der Sprung ins kalte Wasser.
"Ich bin nicht abgesoffen", schmunzelt er.

Heute habe sich die jährliche Besucherzahl stabil bei 40.000 eingependelt. "An normalen Sommer-Wochenenden sind 600 bis 700 Besucher da." Anders bei den Großveranstaltungen wie Pfingstdampftage, Kohlenhoffest oder 01-Treffen. Das ziehe bis zu 20.000 Leute nach Neuenmarkt. "Die großen Feste kosten zwar eine Menge Geld, aber draufgezahlt haben wir noch nicht. Damit haben wir bewiesen, dass solche Veranstaltungen nicht nur Leute locken, sondern auch rentabel sind", ist er mit dem Erfolg zufrieden. Besonders freut es ihn zudem, dass bisher alles ohne einen Schaden an Mensch und Material über die Bühne gegangen ist.


Mehr Grund, mehr Lokomotiven

Unter Dietels Leitung expandierte das DDM. Die Museumsfläche stieg von 15.000 auf über 100.000 Quadratmeter, die Zahl der Normal- und Schmalspur-Lokomotiven von 16 auf 31. "Vor allem nach der Wende wurde das eine oder andere Exponat in der damaligen DDR gekauft." Das Museum lockte nach der Grenzöffnung auch viele Besucher aus den neuen Bundesländern. "Weil die sich mehr für das Thema Dampflok interessieren", hat der 65-Jährige festgestellt. Schon als Junge faszinierte Volker Dietel die Eisenbahn. Ausflüge als Schüler nach Neuenmarkt und an die Schiefe Ebene waren regelmäßig angesagt.

Später zählte er zu den Gründungsmitgliedern des Modellbahnclubs Bayreuth, in der Studienzeit rief er den Eisenbahnclub Bavaria ins Leben. Und er war Gründungsmitglied beim Förderverein Deutsches Dampflokomotiv-Museum.

Drei Jahre war Dietel dort Vorsitzender, dann musste er das Amt abgeben, weil ein Interessenskonflikt mit seiner Position als Museumsleiter befürchtet wurde. Als zweiter Vorsitzender blieb er jedoch dem Förderverein treu, seit März dieses Jahres steht er wieder an der Spitze.

Mit dem Erreichten ist der scheidende Museumsleiter zufrieden. "Ich weiß, dass das Museum so aufgestellt ist, dass es nicht nur bestehen bleibt, sondern sich auch weiterentwickelt." Das sehe man schon daran, dass gerade wieder eine Baumaßnahme läuft, die alte Bahnmeisterei in ein Archiv umgewandelt wird.


Die Politik half mit

Besonders freut ihn die Unterstützung durch die Politik, die mit viel Herzblut die Entwicklung des DDM unterstützt habe. "Es gab nie einen Stillstand."

Dem Zweckverband Deutsches Dampflokomotiv-Museum gehören der Bezirk Oberfranken, der Landkreis Kulmbach und die Gemeinde Neuenmarkt an.

Dass Dietel wirklich mit Leib und Seele Eisenbahn-Fan ist, merkt man nicht nur daran, dass er kein Auto besitzt und jeden Tag mit dem Zug von Bayreuth nach Neuenmarkt fährt. Dietel nennt natürlich auch eine Modellbahn-Anlage sein Eigen: ein elf Meter langes Modell des Bahnhofs Neuenmarkt-Wirsberg.