Jammern darüber, dass der Universitätsstandort Kulmbach (noch) keinen Campus hat, hilft nicht. Improvisieren ist angesagt, um zum Start des Wintersemesters Präsenzvorlesungen zu ermöglichen. Die Uni Bayreuth und die Stadt Kulmbach haben dafür nach unkonventionellen Lösungen gesucht, dabei auch Partner mit ins Boot geholt. Und durchaus originelle Räumlichkeiten gefunden: Dass der Kinosaal 2 im Cineplex einmal angemietet und zum Hörsaal umfunktioniert werden würde - wer hätte das vor ein paar Jahren schon gedacht???

Zellbiologie statt James Bond

Nicht "James Bond", der in Kulmbach seit Tagen in "Keine Zeit zu sterben" über die Leinwand jagt, war gestern Mittag im Kino der Hauptdarsteller. Nein, es war der Gründungsdekan der Fakultät VII für Lebenswissenschaften, Professor Dr. Stephan Clemens, der vor 35 Bachelor-Studenten, die vordere Plätze bis hin zu Logen-Sitzen in Beschlag genommen hatten, über Zellbiologie, Molekularbiologie und Genetik referierte.

"Suboptimal"

Es ist ein Start, "der suboptimal ist", wie Professor Clemens deutlich machte. "Unsere Möglichkeiten im Kino sind begrenzt." Nicht nur die Lichtverhältnisse, auch die Leinwand als Projektionsfläche stellen die Verantwortlichen vor eine Herausforderung.

"Sitze sind bequem"

Eine Einschätzung, die die Erstsemester teilen - wie die 20-jährige Kate Botterill aus Genf, die in dieser Woche den Bachelor-Studiengang "Lebensmittel- und Gesundheitswissenschaften" gestartet hat. Die Kinositze seien zwar bequem, die Verhältnisse ansonsten aber alles andere als optimal. Keine Tische als Schreibunterlage, auch die WLAN-Verbindung lässt zu wünschen übrig. "Wir kommen auf keine Website", sagen Kommilitonen. Uni-Sprecherin Anja-Maria Meister versichert, dass hier schnellstmöglich Abhilfe geschaffen werden soll.

Wird es schon im Frühjahr besser?

Nicht nur im Kinosaal, auch im Nebenraum der Stadthalle finden derzeit Vorlesungen statt. "Wir könnten auch die Volkshochschule nutzen, das ist aber unter Einhaltung der Abstandsregeln derzeit nicht möglich", sagt Stephan Clemens. Für die Uni habe der provisorische Auftakt "den Charme eins Start-ups und passt damit sehr Gut zum Geist der Fakultät". "Allerdings hoffen wir natürlich auf die Bereitstellung von eigenen Räumen für Lehre und Forschung", so der Gründungsdekan. Verbessern könnte sich die Situation aus seiner Sicht schon etwas, wenn im Frühjahr das Obergeschoss im Spinnereigebäude zur Verfügung stünde.

Der Andrang ist groß

Trotz aller Raumprobleme: Die Zahl der Studenten steigt mit dem wachsenden Angebot. "Wir sind mit der Entwicklung sehr zufrieden", stellte gestern dann auch Stephan Clemens fest. Wie er mitteilte, hat der Bachelorstudiengang weitere 50 neue Studenten nach Kulmbach gelockt, wobei die Immatrikulation noch bis zum 15. November möglich ist. Im Wintersemester rechnet der Gründungsdekan mit insgesamt 180 Studierenden an der Fakultät VII der Uni Bayreuth.

Vorführung nach Vorlesung

Es sind Studenten, die wohl auch in den nächsten Wochen und Monaten mit dem Cineplex als Hörsaal vorliebnehmen müssen. Wie Kate Botterill aus Genf, die in dieser Woche dort ihre ersten Semesterstunden erlebt hat. Nach den Vorlesungen fanden im Kino auch gestern wieder Vorführungen statt. In Saal 2 war es "James Bond", der am Abend über die Leinwand jagte.