Im großen Garten eigenes Gemüse anbauen - diesen Wunsch hatte Evelyn Sobotta schon vor ein paar Jahren. Doch über ein Beet mit ein paar Salatpflanzen ging es bisher nicht hinaus. Dass die 36-Jährige dieses Jahr zur ambitionierten Selbstversorgerin wurde, daran ist die Corona-Pandemie schuld.

Sinnvoll genutzte Zeit

Die Friseurmeisterin, die im Salon ihrer Mutter in Thurnau arbeitet, durfte während des Lockdowns keine Kunden bedienen. Der Salon musste geschlossen bleiben. Sie nutzte die Gelegenheit und die zusätzliche freie Zeit und widmete sich gemeinsam mit ihrer kleinen Tochter Nora Fine dem Garten. Die Vierjährige war voller Eifer dabei, als ihre Mama begann, Gemüsebeete anzulegen, das kleine Gewächshaus herzurichten. "Es war schön, so viel Zeit zusammen zu verbringen, draußen zu sein und dabei auch noch etwas Sinnvolles zu tun."

Der Einsatz von Mutter und Tochter wurde reich belohnt: "Wir haben unglaublich viel geerntet, obwohl ich noch gar nicht viel Erfahrung habe." Fast jeden Tag gab es frische Salate, lauter verschieden Sorten: "Die wachsen ja unglaublich schnell nach. Ich konnte sogar in der Familie noch etwas abgeben."

Evelyn Sobotta versuchte sich auch in der Tomaten-Kultur. "Wir haben uns ein paar außergewöhnliche Sorten ausgesucht, wie die riesigen fruchtigen Ananas-Tomaten, Eiertomaten und kleine Johannisbeertomaten zum Naschen." Für das regelmäßige Gießen der Tomatenpflanzen fühlte sich Nora Fine zuständig: "Ich habe mit den Pflanzen gesprochen und ihnen gesagt, dass sie schön wachsen sollen", sagt die Vierjährige. Es scheint geholfen zu haben, denn wenige Pflanzen trugen viele leckere Früchte.

"Es ist mir sehr wichtig, dass meine Tochter früh lernt, wo unser Gemüse herkommt, was es braucht, damit es gut wächst", sagt Evelyn Sobotta. "Und wenn wir beide auch noch richtig Spaß dabei haben, dann ist das doch perfekt."

Und was wanderte heuer noch alles vom Garten in die Küche? Spinat, Mangold, Möhren, Radieschen, Kohlrabi, Rote Bete, Gurken, Feldsalat, verschiedene Sorten Zucchini und Kürbisse, Bohnen, Weiß- und Rotkohl, Kartoffeln. Dazu jede Menge frische Kräuter von Petersilie und Schnittlauch über Salbei und Thymian bis hin zu Basilikum und Minze. Das alles geerntet von einem großen Hochbeet und zwei kleineren, einem Gewächshaus, einem bepflanzten Komposthaufen und einem Kräuterbeet.

Die Aktion hatte einen positiven Nebeneffekt: "Ich musste deutlich seltener und weniger einkaufen." Außerdem fühlte sich Evelyn Sobotta schon lange nicht mehr so sehr mit der Natur verbunden wie in diesem Jahr: "Das ist der höchste Genuss, wenn man leckere Sachen aus der eigenen Ernte für die Familie zubereitet. Schon allein, weil man selbst dafür gearbeitet hat, schmeckt alles doppelt so gut", schwärmt sie.

Dass der Gemüsegarten natürlich auch Arbeit macht, stört die 36-Jährige nicht. "So viel Aufwand ist das auch wieder nicht. Und es ist doch eine recht gemütliche Arbeit. Man ist an der frischen Luft. Wenn dann schließlich aus den Samen und den kleinen Jungpflanzen richtiges Gemüse wächst, dann ist man da schon stolz drauf."

Sehr glücklich ist die 36-Jährige auch darüber, dass Schädlinge ihren Pflanzen fern geblieben sind. "Keine Läuse, keine Raupen, keine Schnecken. Da hatte ich gar keine Probleme."

Die Katschenreutherin ist auf den Geschmack gekommen und will ihren Selbstversorger-Garten weiter ausbauen. Mit großem Enthusiasmus schmiedet sie bereits Pläne fürs nächste Jahr. Mehr Beetflächen schaffen, auch Wintergemüse anbauen, noch mehr Kräuter. Und experimentieren: "Es gibt so viele spannende Gemüsesorten. Davon möchte ich gerne ganz viele ausprobieren."